Misshandelter Kater

«Einen solchen Fall von Tierverletzung habe ich noch nie gesehen»

20. November 2020, 21:01 Uhr
Der Kater Leo wurde brutalst misshandelt.
© zVg
Die ersten Anzeichen deuteten auf einen Unfall mit einem Auto hin. Doch der abgerissene Schwanz des Katers Leo liess den Tierarzt Martin Wehrle stutzen. Er untersuchte den Kater der Familie Meier genauer und machte einen grausigen Fund.

Achtung: In diesem Text werden sehr detaillierte Angaben zur Tierquälerei gemacht. Das ist nichts für schwache Nerven.

Gestern berichteten wir über eine schwer misshandelte Katze. Nun spricht der Tierarzt, der das Büsi untersucht hatte.

Keine Verletzungen an den Pfoten und Krallen – dies wären Hinweise gewesen, die auf einen Unfall mit einem Auto hingedeutet hätten. Doch der Tierarzt Wehrle stellte bei der Untersuchung der Katze etwas anderes besonders Auffälliges fest, wie er gegenüber PilatusToday und Tele 1 erzählte: «Bei der Katze war der Schwanz ausgerissen.» Das Kreuzbein sei gebrochen, wie auch das Gelenk zwischen Kreuzbein und Becken massiv zerrissen. Sein Fazit: «Da muss grosse Gewalt auf den Schwanz gewirkt haben.» Ausserdem fand der Tierarzt heraus, dass das Blut am Kopf aus inneren Verletzungen stammte. Woran Kater Leo schliesslich gestorben ist, kann Wehrle nicht mit Bestimmtheit sagen. Dafür brauche es eine detaillierte pathologische Untersuchung.

Sehr auffällige Verletzungen

Normalerweise wird der Tierarzt mit Verletzungen konfrontiert, die durch Verkehrsunfälle, Stürze aus der Höhe oder Kämpfe zwischen verschiedenen Tieren entstehen. «Einen solchen Fall von Tierverletzung habe ich so noch nie gesehen». Dies komme glücklicherweise sehr selten vor: «Diese Verletzung ist sehr auffällig.» Eine allgemeine Zunahme von Tierquälerei stellt Tierarzt Wehrle jedoch nicht fest.

Für Wehrle sei es unverständlich und nicht nachvollziehbar, wie ein Mensch eine solche Tat verüben kann: «Offensichtlich gibt es leider Leute, die eine solche Veranlagung zur Tierquälerei haben.» Weil der Kater Leo tot vor die Türe der Familie Meier gelegt wurde, vermutet der Tierarzt: «Der Täter muss die Familie und die Katze gekannt haben.»

Beweggründe von Tierquälerei

Doch was bringt einen Menschen dazu, ein Tier so zu Tode zu quälen? Die forensische Psychiatrie unterscheidet dazu zwischen passiver (durch Vernachlässigung oder Verwahrlosung) und aktiver Tierquälerei (Quälen, Misshandeln oder unnötiges Töten) sowie zwischen den beiden Grund-Typen «normale» Tierquälerei (meist von Kindern ausgeübt und «pathologische (krankhafte) Tierquälerei».

Der forensische Psychiater Frank Urbaniok beschreibt dabei vier verschiedene Beweggründe von Tierquälerei: gezielte Racheaktion, Wutproblematik, psychische Erkrankung oder sexuelle Erregung durch Misshandlung eines Tiers (Sadismus). «Dabei ist die Tierquälerei immer Ausdruck einer anderen Problematik, die dahintersteckt. Also eher ein Symptom einer psychischen Problematik.» Gerade für Personen, die unter einer Wutproblematik oder unter psychischen Störungen leiden, könne das Quälen und Misshandeln eines Tiers als Ventil dienen. Auch sei zwischen Katzen-Hassern und Tierquälern zu unterscheiden, erstere haben zwar eine Abneigung gegen Katzen, bei zweiteren kommen jedoch verschiedene aussergewöhnliche Problematiken zusammen.

(hch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. November 2020 19:32
aktualisiert: 20. November 2020 21:01