Überlastung

In Schwyz werden Infizierte selbst zu Contact-Tracern

12. Oktober 2020, 22:46 Uhr
Im Kanton Schwyz hat die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen stark zugenommen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/GAETAN BALLY
Weil die Zahl der Coronafälle im Kanton Schwyz stark ansteigt, stossen die Contact Tracer an ihre Kapazitätsgrenzen. Neu müssen deswegen Infizierte jene Personen, mit denen sie in Kontakt standen, selbst informieren, wie das Departement des Innern am Montag mitteilte.

Über das Wochenende nahm die Zahl der positiv getesteten Personen im Kanton Schwyz um 99 auf 357 Fälle zu. Diese befinden sich alle in Isolation, 19 von ihnen sind in einem Altersheim, 9 von ihnen sind im Spital. Dazu kommen 383 Personen in Quarantäne und 293 Personen, die nach einem Auslandaufenthalt in Quarantäne geschickt wurden.

Erstmals seit dem 21. Juli kam es im Kanton Schwyz wieder zu einem Todesfall im Zusammenhang mit Corona, wie das Departement mitteilte. Es handelte sich um einen 77 Jahre alten Mann mit Vorerkrankungen. Er lebte in einem Alters- und Pflegeheim. Insgesamt sind im Kanton Schwyz seit Beginn der Pandemie 26 Todesfälle registriert worden.

Infizierte sollen Contact Tracing übernehmen

Als erstes passt der Kanton sein Contact Tracing an. Dieses wird wegen der hohen Fallzahlen entlastet. Das Contact Tracing-Team werde telefonisch nur noch Mitbewohner und Intimpartner einer positiv getesteten Person kontaktieren, teilte das Departement mit.

Auf Anfrage von PilatusToday und Tele1 verteidigt Gesundheitsdirektorin Petra Steimen-Rickenbacher die Massnahme. Es handle sich um eine vorübergehende Massnahme, die das Contact Tracing Team entlasten soll. «Bei Intimpartnern und Mitbewohner ist die Gefahr einer Ansteckung am höchsten, deshalb werden diese Menschen weiterhin durch uns kontaktiert.»

Contact Tracing per Whatsapp und auf Vertrauensbasis

Neu muss die positiv getestete Person helfen, ihr Umfeld zu informieren. Der kantonsärztliche Dienst stelle ihr einen Text zur Verfügung, den sie den weiteren Personen, mit denen sie in Kontakt gestanden sei, zustellen könne, beispielsweise über E-Mail oder Whatsapp.

Kontrolliert, ob die infizierte Person ihre Verantwortung auch wahrnimmt, werde nicht. «Es liegt im Interesse der Infizierten, dass ihre Kontaktpersonen informiert werden», so die Gesundheitsdirektorin.

Rollt die zweite Wellte zu schnell über den Kanton Schwyz?

«Die zweite Welle» war bereits im Frühling ein Thema und auch die Kantone hätten spätestens in den letzten Monaten eine zweite Ansteckungswelle kommen sehen müssen. Dies unterstrich auch Gesundheitsminister Berset: «Das ist seit Monaten klar», sagte er am Montag in St. Gallen.  Hat man im Kanton Schwyz nicht mit einer zweiten Welle gerechnet? «Natürlich haben wir das», sagt Steimen-Rickenbacher. Zu Beginn der Pandemie habe man das Contact Tracing komplett an die Lungenliga Zentralschweiz ausgelagert. Inzwischen seien drei Mitarbeiter des Kantons dazugestossen, so die Gesundheitsdirektorin. Immer noch zu wenig, wie sich zeigt. Man rekrutiere zurzeit mehrere Mitarbeiter, um das Contact Tracing «sehr schnell» wieder selber in die Hand zu nehmen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. Oktober 2020 17:10
aktualisiert: 12. Oktober 2020 22:46