Nach dem Outing

Schwuler Ex-Gardist aus Brunnen rechnet mit dem Vatikan ab

26. April 2021, 17:17 Uhr
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Quelle: Tele 1

Der Vatikan tut sich weiterhin schwer mit Homosexualität. Er lehnt nicht nur die Heirat von gleichgeschlechtlichen Paaren ab, sondern auch deren Segnung. Ein ehemaliger Schweizer Gardist aus Brunnen, der selbst homosexuell ist, packt nun aus.

Dario Muzzin aus Brunnen ist gläubiger Katholik und diente von 2014 bis 2016 dem Papst. Jetzt, fünf Jahre nach seiner Zeit als Schweizer Gardist im Vatikan, outet er sich als homosexuell. Damit möchte der 28-Jährige ein Zeichen gegen die Heuchelei in der Kirche setzen, sagt er. Ausschlaggebender Punkt für das Coming-Out des Schwyzers war ein Entscheid des Vatikans.

Kurz vor Ostern hielt die vatikanische Glaubenskongregation in einem Schreiben fest: die römisch-katholische Kirche sei nicht befugt, homosexuelle Paare zu segnen. Dies mag auf den ersten Blick nicht überraschen. Aber: Noch im Herbst hatte Papst Franziskus höchstpersönlich positive Signale ausgesandt. Er sagte in einem Dokumentarfilm, auch Homosexuelle seien Kinder Gottes und hätten das Recht auf eine Familie.

Kritik, aber keine Reue

Im «Tages-Anzeiger» kritisiert Muzzin den Vatikan und die katholische Kirche dafür massiv. Er verurteile die Verlogenheit und den Umgang der Kirche mit Homosexualität. Viele Würdenträger hätten selbst heimlich Affären und würden quasi «Wasser predigen, aber Wein trinken», präzisiert er gegenüber Tele 1.

Trotz Abrechnung mit dem Vatikan will der Schwyzer seine Zeit als Gardist nicht missen. Er habe es immer als eine Art Lebensschule angesehen, dem Papst dienen zu können und hätte nicht unter der homophoben Umgebung gelitten. Er stellt klar: «Ich glaube immer noch an Gott und die katholische Kirche.»

Outing könnte Folgen haben

Mittlerweile arbeitet Dario Muzzin als Leiter eines Labors für Sonderabfall und Recycling. Zudem ist er Vorstandsmitglied bei der Zentralschweizer Sektion des Schweizerischen Fourierverbandes und beim Verein «Pride Zentralschweiz» für die Finanzen verantwortlich.

Ob er weiterhin auch Mitglied der Vereinigung der ehemaligen Schweizer Gardisten bleiben kann, ist noch offen. Wegen seines Coming-Outs und seiner Kritik am Vatikan und der katholischen Kirche droht Muzzin womöglich der Ausschluss.

(scd)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. April 2021 17:03
aktualisiert: 26. April 2021 17:17