«Fünf vor zwölf»

Schwyzer Schulleitungen schlagen Alarm

· Online seit 04.04.2024, 09:55 Uhr
Dicke Post an die Schwyzer Regierung: Die Schulleitungen der Sekundarstufe 1 im Kanton Schwyz schlagen wegen des akuten Lehrermangels Alarm. Nur schon auf dieser Stufe fehlen im Moment 26 Lehrpersonen, während es gleichzeitig immer mehr Schülerinnen und Schüler gibt. Die Lehrpersonen fühlen sich im Stich gelassen.
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«Es ist fünf vor zwölf», schreibt die Rektorenkonferenz der Sek-Stufe 1 in ihrem offenen Brief am Dienstagabend, den sie unter anderem an die Schwyzer Kantonsregierung und den Erziehungsrat adressierten. Unter den Rektoren ist auch Marcel Dahinden, Rektor der Bezirksschulen Küssnacht. Die aktuelle Situation sei prekär: «Die Lehrpersonen sind belastet. Dies auch, weil rundherum viel passiert. Lehrpersonen gehen weg und Neueinsteiger kommen in den Beruf. Diese muss man betreuen, was das ganze System belastet.»

Vertrauen in die Regierung verloren

Bereits vor zwei Jahren habe man mit dem Erziehungsrat des Kantons Schwyz über Verbesserungsmassnahmen für die Lehrpersonen diskutiert. Bis heute sei nichts passiert. Das Vertrauen in die Regierung hätten die Schulleitungen verloren. Der Erziehungsrat übt die unmittelbare Aufsicht über das Volksschulwesen im Kanton Schwyz aus. Präsident ist der Schwyzer Bildungsdirektor Michael Stähli.

Doch wie kann man die Situation entschärfen? Kurzfristig würde den Hauptlehrpersonen zum Beispiel eine zusätzliche Entlastungslektion helfen. Diese ist auch im Massnahmenpaket aufgeführt, welche der Erziehungsrat im Februar der Kantonsregierung vorgelegt hatte. Mittel- bis langfristig müssten sich jedoch auch die Löhne sowie die Arbeitsbedingungen verbessern.

96 offene Stellen lassen aufhorchen

Wie angespannt die Situation im Kanton Schwyz ist, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen. 96 Stellen sind im Kanton Schwyz beispielsweise offen zurzeit. Dies jedenfalls gemäss «zebis», einem Onlineportal für Lehrpersonen. In den angrenzenden Kantonen sind es mindestens 30 offene Stellen weniger.

Auch punkto Lohn ist man im Kanton Schwyz nicht zufrieden. Schaut man sich die Löhne der Oberstufen-Lehrpersonen ab Ausbildung an, fällt auf, dass man gerade in den benachbarten Kantonen Zürich, St.Gallen oder auch Zug deutlich weniger verdient pro Jahr als im Kanton Schwyz. Diese Lohnunterschiede machen es gemäss den Rektorinnen und Rektoren umso schwieriger, qualifizierte Lehrpersonen aus den Nachbarkantonen abzuwerben.

Hinzu kommt, dass die Rektorenkonferenz nun frühestens im Schuljahr 26/27 mit Lohnerhöhungen und weiteren Verbesserungsmassnahmen rechnet.

Das sagen Erziehungsrat und Regierung

Der Schwyzer Erziehungsrat sowie die Kantonsregierung sind sich bewusst, dass der Druck auf die Schulen hoch ist. «Als vorberatende Behörde mit nur beschränkter Entscheidungsbefugnis hat sich der Erziehungsrat an nicht weniger als neun Sitzungen mit der Thematik «Lehrpersonenmangel / Attraktivierung Lehrberuf» auseinandergesetzt», heisst es auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1.  Der Erziehungsrat habe alle Massnahmen beschlossen beziehungsweise umgesetzt, welche in seiner Kompetenz liegen.

Und die Regierung? Diese hat sich als zuständige Behörde für kurzfristige Massnahmen «gegen ein isoliertes Herauslösen einer isolierten Massnahme ausgesprochen»:

Die Regierung sei der Ansicht, dass sich der schweizweite Fachkräftemangel im Bildungsbereich nicht mittels einer einzigen, kurzfristigen Massnahme beheben lässt. Dafür brauche es ein austariertes Massnahmenpaket, welches nicht nur den Anliegen der Schulen dient, sondern auch politisch mehrheitsfähig und nachhaltig ist.

Auch die Idee von SP-Kantonsparlamentariern eines kantonalen Berufsbildungsfonds als Massnahme gegen den Fachkräftemangel lehnt sie ab. Denn viele Branchen im Kanton verfügten bereits über entsprechende allgemeinverbindliche Fonds.

Wie geht es nun weiter?

Das vom Erziehungsrat vorbereitete Massnahmenpaket unterzieht die Schwyzer Regierung derzeit also einem internen Mitberichtsverfahren. Sobald die Ergebnisse vorliegen, soll im Verlauf des Monats Mai die externe Vernehmlassung bei Parteien, Schulträgern oder auch Verbänden gestartet werden, teilt die Regierung weiter mit. «Damit soll es nach wie vor möglich sein, dass erste Massnahmen auf das Schuljahr 2025/26 umgesetzt werden können.»

Die Schulleitungen hoffen darauf, dass sich die Situation schnell verbessert. Spitzt sich diese hingegen weiter zu, müsse man gemäss Dahinden schlimmstenfalls auf Halbklassenunterricht setzen: «Man würde die einen Schüler an einem Halbtag dann jeweils zu Hause lassen und sie müssten sich dann zum Beispiel via Teams zuschalten bei Fragen. Das sind mögliche Szenarien, welche hoffentlich nicht eintreffen.»

Ziel sei und bleibe es, die offenen Stellen irgendwie noch zu besetzen und den Schülerinnen und Schülern einen guten Unterricht mit der nötigen Betreuung zu bieten. Der offene Brief der Rektorenkonferenz ist also ein Hilfeschrei, damit man noch reagieren könnte, bevor es fünf nach zwölf ist.

(red.)

veröffentlicht: 4. April 2024 09:55
aktualisiert: 4. April 2024 09:55
Quelle: PilatusToday

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