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Maturaarbeit

Zwischen Comedy und Pornos: Mit selbst gebautem Computer Fake-Videos erstellen

Michael Bumbacher, 25. Juli 2021, 20:37 Uhr
Tom Cruise spielt plötzlich in einem Liebesfilm mit und Putin gibt ein falsches Gelübde ab. Mit sogenannten «Deepfakes» werden bekannte Gesichter in falsche Situationen gebracht. Der Kantischüler Linus Oetiker hat bei seiner Maturaarbeit genau solche Videos erstellt.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: PilatusToday

Man nehme den Körper einer Person A und lege das Gesicht einer zweiten Person B darüber und schon ist ein sogenannter «Deepfake» entstanden. Oft werden dabei die Gesichter von berühmten Personen verwendet, um sie in einer Situation zu zeigen, in der sie sich selbst nie befunden haben.

Mit selbstgebautem Computer Deepfakes erstellen

Linus Oetiker aus Merlischachen, der nächstes Jahr die Matura machen wird, hat sich im Rahmen seiner Maturaarbeit den Deepfakes gewidmet. Ganz so einfach wie oben erklärt, ist das Erstellen eines solchen Videos nämlich doch nicht. Dafür braucht es zuerst einmal einen Computer mit einer sehr grossen Rechenleistung. Diesen Computer hat sich der Schüler des Gymnasiums Immensee in vielen Arbeitsstunden selbst zusammengebaut. Sein etwa ein Meter hoher Rechner ist vollgestopft mit Elektronik und einer integrierten Wasserkühlung, damit er nicht überhitzt. Trotzdem produziert der Rechner, der im Keller steht, so viel Abwärme, dass er gleich das ganze Untergeschoss warmhält.

Tom Cruise im falschen Film

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Quelle: Linus Oetiker

Wenn man einen solchen Computer hat, kann das Faken losgehen. So hat Linus zum Beispiel Putin dazu gebracht, ein Gelübde abzugeben, obwohl er das in Wirklichkeit nie gemacht hat. Oder Tom Cruise bei dem Film «A Veteran's Christmas» mitspielen lassen, obwohl er dort eigentlich gar nicht dabei ist.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: Linus Oetiker

5'000 Bilder einer Person werden benötigt

Um solche Videos zu erstellen, muss man den Computer mit vielen Bildinformationen füttern. «Je mehr Fotos vom Gesicht der Ursprungsperson zur Verfügung stehen, desto besser ist das Resultat», sagt Linus. Aus dem bestehenden Video der Person A schneidet der Computer nun die Gesichter aus. Diese vergleicht er mit den Gesichtern der Person B und rechnet durch, wie er die Gesichter übereinanderlegen soll, damit es realistisch aussieht. «Um einen überzeugenden Deepfake zu erstellen, braucht man etwa 5'000 Bilder einer Person», sagt der Kantonsschüler. Die Bilder werden vom Computer selbst aus den Videos geschnitten. Um die Bilder der Personen anschliessend aufeinander anzupassen, muss Linus seinen Computer etwa einen Tag lang rechnen lassen. Nach einem Tag gut gekühlter Arbeit ist der Deepfake fertiggestellt.

Deepfake-Pornografie

Solche Videos werden oft zu Comedy-Zwecken gebraucht. Mittlerweile gibt es auch verschiedenste Apps, mit denen man lustige Deepfake-Videos von sich selbst erstellen kann. Die Technologie wird aber nicht nur verwendet, um amüsante Videos zu erstellen. «Deepfakes werden vor allem im Bereich der Pornografie verwendet», sagt Linus. Dabei werden Pornos mit den Gesichtern von prominenten Personen erzeugt, um diese blosszustellen. Auch in der Politik kann die Technologie verwendet werden, um Fake News zu verbreiten.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 25. Juli 2021 19:37
aktualisiert: 25. Juli 2021 20:37