Unwissen oder Unfähigkeit

Tierquäler meist mit sich selbst überfordert

Irene Müller, 4. Oktober 2020, 14:26 Uhr
Schweizweit wurden 2019 fast 10 Prozent mehr Tierschutzdelikte gemeldet wie im vergangenen Jahr.
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Die Zentralschweizer Veterinärämter beobachten alle dasselbe Phänomen: Die Bevölkerung ist sensibilisierter auf das Thema Tierschutz als früher. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle von Tierquälerei. Die Halter sind sich dabei oft nicht bewusst, was sie ihrem Tier antun, oder sind schlicht überfordert.

Verwahrloste Hunde, apathische Katzen oder halb verhungerte Pferde – solch schlimme Fälle von Tierquälerei gehen durch Mark und Bein. Zum Glück sind sie die Ausnahme, auch in der Zentralschweiz. «Die meisten Strafanzeigen betreffen kleine Übertretungen wie ein zu kleiner Käfig für Vögel», heisst es vom «Laboratorium der Urkantone» (Uri, Schwyz, Nid- und Obwalden). Im Bereich Nutztiere seien die Zahlen über die Jahre gar rückläufig, bei den Heimtieren und Exoten allerdings eher zunehmend bis stabil.

Schlimme Fälle entstünden oftmals aus einer Überforderung, wo persönliche Schicksalsschläge dazu führen, dass die Tiere nicht mehr richtig versorgt werden können, so der stellvertretende Kantonstierarzt Marco Gut. «Häufig ist dabei das Leiden der Tiere nur ein Teil der ganzen Situation, und es sind noch grosse individuelle oder familiäre Probleme vorhanden. Solche Fälle machen auch uns betroffen.»

Nur jede dritte Meldung begründet

Im Kanton Zug habe es schon seit Jahren keine gravierenden Fälle mehr gegeben, so der Kantonstierarzt Rainer Nussbaumer. Die Anzahl Tierschutzdelikte bewege sich seit Längerem um die 50 Fälle pro Jahr. Allerdings sei jeweils nur rund ein Drittel der Meldungen begründet.

Dass die Leute vermehrt aktiv werden beim Thema Tierschutz, ist ein Phänomen sämtlicher Zentralschweizer Kantone. «Wir sehen, dass die Bevölkerung hier stärker sensibilisiert ist und uns öfter Meldungen macht», so Marco Gut vom «Laboratorium der Urkantone». Diese Beobachtung bestätigt auch der Leiter Tierschutz und Hunde vom Veterinärdienst Luzern Hans-Urs Vogel..

Oft fehlt den Haltern das nötige Wissen

Halter, welche ihre Tiere vernachlässigen, seien oft mit ihrer aktuellen Lebenssituation überfordert, weiss Vogel. Doch fast noch schlimmer: Manche seien sich der nicht konformen Haltung nicht einmal bewusst.

Auch in der Urschweiz wird dieses Problem regelmässig festgestellt: «Vor allem bei Heimtieren (Hunde, Katzen, Vögel, usw., Anm.d.R.) wissen gewisse Tierhalter viel zu wenig über die Bedürfnisse der gehaltenen Arten.» Um sich zu informieren, werden deshalb verschiedene Informationsportale wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen oder den Schweizer Tierschutz empfohlen.

Übrigens müsse man auch nicht davor zurückschrecken, über die Minimalanforderungen der Gesetzgebung hinauszugehen, da Heimtiere letztlich aus Freude am Tier gehalten würden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. Oktober 2020 13:28
aktualisiert: 4. Oktober 2020 14:26