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«Unsere Warteliste wird immer länger»

Psychiatrien wegen Jugendlichen am Anschlag

13. April 2021, 08:50 Uhr
Die psychiatrischen Kliniken stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Grund dafür ist, dass in Krisenzeiten mehr Jugendliche versuchen, sich das Leben zu nehmen. Zentralschweizer Psychiater und Fachleute schlagen Alarm.
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Quelle: Tele 1

Immer mehr Jugendliche holen sich professionelle Hilfe. Sie haben mit Suizidgedanken, Essstörungen, Ängsten oder Depressionen zu kämpfen. Betroffen seien vor allem Personen im Alter von 13 bis 18 Jahren, wie Jörg Leeners, Chefarzt der Jugendpsychiatrie Uri, Schwyz und Zug gegenüber PilatusToday und Tele1 erklärt. Bereits am Wochenende hatte die «NZZ am Sonntag» berichtet, dass sich beim Zürcher Kinderspital die Zahl der Spitaleinweisungen wegen Suizidversuchen verdoppelt hat (PilatusToday berichtete).

Zürich steht nicht alleine da

Wie im Zürcher Kinderspital gibt es mittlerweile auch in den Kantonen Zug und Schwyz doppelt so viele Fälle von Jugendlichen, die sich das Leben nehmen wollten. Seit letztem Herbst denken ebenso im Kanton Luzern deutlich mehr junge Menschen über einen Suizid nach. Vollzogene Suizide sind es hingegen etwas weniger, heisst es bei der Luzerner Psychiatrie. Nicht ganz so prekär ist die Lage im Kanton Uri. Die Verantwortlichen stellen allerdings auch dort eine Zunahme von psychischen Problemen fest.

Corona-Pandemie als Ursache?

Der Grund für die vielen Suizidversuche oder Essstörungen bei Jugendlichen ist noch nicht abschliessend erforscht. Verschiedene Experten vermuten allerdings die Corona-Pandemie und deren Massnahmen als Mitverursacher. Denn speziell Jugendliche würden besonders stark unter der Pandemie leiden. Oft ist ihr soziales Umfeld noch nicht so gefestigt wie bei älteren Personen. Daher falle es jungen Menschen deutlich schwerer, auf Kontakte und Treffen zu verzichten, sagt Klaus Rütschi, Geschäftsführer der «Dargebotenen Hand Zentralschweiz».

Kliniken sind am Anschlag

Da derzeit viele Jugendliche mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, stossen die stationären Abteilungen der verschiedenen Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Warteliste werde immer länger, betont der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Uri, Schwyz und Zug, Jörg Leeners. Daher wurde bereits neues Personal eingestellt. Doch dies benötige Zeit.

Auch das Schweizer Sorgentelefon «Dargebotene Hand» spürt, dass viele Jugendliche unter der Corona-Pandemie und deren Folgen leiden. Schweizweit sind die Anrufe mit Suizidandrohungen im vergangenen Jahr um 14 Prozent gestiegen, wie es auf Anfrage heisst. Um alle Anrufe von Hilfesuchenden beantworten zu können, hat deshalb auch die «Dargebotene Hand» ihre Kapazitäten erhöht – zu Spitzenzeiten nicht nur verdoppelt, sondern verdreifacht.

Situation bleibt schwierig

Doch wann ist wieder mit einer Entspannung der Situation zu rechnen? «Ich hoffe, dass es mit der Impfung besser wird», sagt etwa Chefarzt Jörg Leeners. Der Geschäftsführer der «Dargebotenen Hand Zentralschweiz», Klaus Rütschi, ist deutlich pessimistischer. Er meint: «Wenn keine baldigen Lockerungen in Aussicht gestellt werden, dürfte die Zahl der Einweisungen von Jugendlichen weiter steigen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. April 2021 18:33
aktualisiert: 13. April 2021 08:50