Uri

Apothekenmangel in Uri: Wie Andermatt für eine eigene Apotheke kämpft

Chantal Gisler, 13. April 2021, 17:40 Uhr
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Quelle: Tele 1

Im ganzen Kanton Uri gibt es nur eine Apotheke und drei Drogerien. Obwohl sich die Gemeinde Andermatt seit Jahren für eine eigene Apotheke einsetzt, will es nicht klappen. Gespräche verlaufen im Sand, obwohl der Tourismusort die Unterstützung des Kantons hätte.

Eine für alle – das wird in Uri wörtlich genommen. Zumindest was die Apotheken angeht. Im ganzen Kanton gibt es nur eine Apotheke: Die Amavita in Altdorf. Sie deckt die Bedürfnisse für rund 30’000 Urnerinnen und Urner ab. Dazu kommen drei Drogerien: Zwei in Altdorf und eine in Erstfeld. Bis Ende Februar gab es noch eine zweite Apotheke im Kanton, die Birchler Apotheke in Erstfeld. Der Inhaber wurde pensioniert, jetzt ist dort eine Drogerie.

Momentan müssen die Urner ihre rezeptpflichtigen Medikamente in Altdorf holen. Für abgelegene Berggemeinden ist das mühsam, beispielsweise in Andermatt. Die Gemeinde wünscht sich schon lange eine Apotheke, sagt Gemeindepräsident Hans Regli-Simmen. «Eine Apotheke oder Drogerie fehlt hier eindeutig.»

Hans Regli-Simmen ist Gemeindepräsident von Andermatt.
© PilatusToday

Die Versorgung ist gewährleistet

Dabei würde sich der Kanton mehr Apotheken wünschen und auch unterstützen. «Wir würden uns natürlich freuen, wenn Uri noch die eine oder andere Apotheke beziehungsweise Drogerie erhalten würde, namentlich im Urner Oberland», sagt Roland Hartmann, Vorsteher des Amtes für Gesundheit Uri. Er betont: «Die Versorgung der Bevölkerung mit Heilmitteln ist mit den Hausarztpraxen, der Apotheke und den Drogerien gut gewährleistet.»

Konkret heisst das: Wer in Andermatt ein rezeptpflichtiges Medikament braucht, kann es beim Hausarzt holen. «Sofern er geöffnet hat», räumt der Gemeindepräsident ein. Denn in Andermatt gibt es aktuell nur einen Hausarzt. «Sonst muss man die 36 Kilometer nach Altdorf fahren.» Rund eine halbe Stunde ist man mit dem Auto unterwegs, mit den ÖV dauert es doppelt so lange.

Ein Lokal wäre bereit

Bis vor 15 Jahren gab es in Andermatt eine Drogerie. Aber die Geschäftsführerin wurde pensioniert, ein Nachfolger wurde nicht gefunden. «Das war für uns sehr schade», sagt Regli-Simmen. «Ich muss aber auch sagen, dass wir uns anfangs nicht stark um eine neue Apotheke und Drogerie bemüht haben.» Mittlerweile hat sich das geändert. «Die Bevölkerung würde sich sehr darüber freuen, wenn es hier einen Anbieter gäbe.»

Dabei hätte Andermatt sogar schon einen Standort, an dem eine Apotheke oder Drogerie einziehen könnte: In der Unterführung am Bahnhof, gleich neben dem «Avec». Für Regli-Simmen ist der Standort ideal: «Er ist zentral und gut erreichbar für die Einwohner, aber auch die Touristen.» Die Gemeinde würde eine Apotheke oder Drogerie auch unterstützen.

Hier am Bahnhof in Andermatt neben dem «Avec» hätte die Gemeinde einen Standort für eine Apotheke oder Drogerie.
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Lange gab es in Andermatt auch ein Militärspital, das die Einwohner ebenfalls versorgte. «Das war ein grosser Verlust für uns, wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass das Spital bleibt.»

Im Sand verlaufen

Aber woran scheitert das Vorhaben? «Wir waren bis vor Kurzem mit einer Firma im Gespräch, die in der ganzen Schweiz Drogerien betreibt», sagt Regli-Simmen. «Aber die Gespräche sind im Sand verlaufen.» Es heisst, ab 4’000 Einwohnern lohnt sich in einer Gemeinde eine Drogerie. Andermatt hat 1’500 Einwohner. Aber mit den vielen Touristen könnte es trotzdem ein attraktiver Standort sein. Dieser Meinung ist auch der Gemeindepräsident.

Die Glenicare AG, die die Amavita Apotheke in Altdorf betreibt, sieht das anders. «Es gibt verschiedene Gründe, wieso wir im Kanton Uri nur die Apotheke in Altdorf betreiben. Wir haben in der Vergangenheit weitere mögliche Standorte geprüft, die unseren Kriterien, wie zum Beispiel Kundenfrequenz, Umsatzpotenzial, Grösse und Standort jedoch nicht erfüllt haben.»

Alleine für alle zuständig

Wie ist es für die 14 Apothekerinnen und Apotheker der Amavita Apotheke, alleine für einen ganzen Kanton zuständig zu sein? Kathrin Möhl-Ziegler leitet die Apotheke. «Seit etwa einer Woche merken wir, dass mehr Kunden vorbeikommen», sagt sie. Das sei auch auf die Coronasituation und die Einführung der Selbsttests zurückzuführen. «Uns ist es wichtig, für die Kunden da zu sein.» Dafür packen auch die Familienangehörigen der Mitarbeitenden an. «Sie haben uns geholfen, die Selbsttests abzupacken. Wir sind eine grosse Familie.

Die Amavita in der Schmiedgasse ist die einzige Apotheke im ganzen Kanton Uri.
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Seit November bietet die Apotheke zusätzlich einen Lieferdienst für den ganzen Kanton an. «Wir dachten, dass wir überrennt werden, aber das war nicht der Fall», sagt Möhl-Ziegler. Die Urner seien eben genügsam und holen ihre Medikamente oft auch bei den Hausärzten.

So, wie es die meisten Andermatter machen. Trotzdem: Aufgeben steht hier nicht zur Diskussion. Die Gemeinde wird weiter nach einer Möglichkeit suchen. Aber die Lage ist schwierig: «Momentan haben wir noch nichts.»

Chantal Gisler
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 13. April 2021 17:41
aktualisiert: 13. April 2021 17:40