Häfen in Uri

Gegen nächstes Grossprojekt von Samih Sawiris regt sich Widerstand

5. Februar 2022, 06:42 Uhr
Im Winter Andermatt, im Sommer der Urnersee: Der ägyptische Grossinvestor Samih Sawiris plant im Kanton Uri das nächste Grossprojekt. Umweltschützer und Politiker fordern, dass die Bevölkerung dabei mitreden kann. Noch weiter gehen jetzt die Grünen.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Bei der Isleten, am einen Ufer des Urnersees sowie in Flüelen soll es zwei Marinas geben. Das sind künstliche Teiche mit Seeanstoss, sozusagen Häfen für Segelschiffe und Motorboote. Dass die Pläne langsam konkreter werden, ist bereits vergangene Woche durchgesickert.

Gemäss der Projektidee sollen in Flüelen und Seedorf künstliche Buchten im Landesinneren realisiert werden, an denen Boote anlegen könnten. Rund um die Buchten sollen Hotels, Wohnungen und Gastrobetriebe entstehen. Mögliche Standorte sind das Areal der ehemaligen Sprengstofffabrik in Isleten (Gemeinde Seedorf), das Sawiris bereits gehört – und ein Areal bei einem Kiesunternehmen in Flüelen.

Kein «Ausverkauf der Heimat»

Nun regt sich Widerstand. Umweltverbände und die Grünen sorgen sich um die Natur im Reuss-Delta. Die Kantonsregierung hingegen hegt Sympathie für das Projekt. Nun hat die Grüne Uri beim Kanton und den betroffenen Gemeinden Seedorf und Flüelen eine Petition eingereicht. Sie sollen sich dafür einsetzen, dass das Grossprojekt nicht realisiert wird. Das Vorhaben würde mehr Boots- und Autoverkehr in die Region bringen, schreiben die Grünen. Sie wehren sich gegen einen «Ausverkauf der Heimat».

Gemäss Medienberichten steht der Landkauf am Standort Isleten kurz bevor. Sawiris hat bereits beim Projekt in Andermatt Durchhaltewillen bewiesen und ist auch auf Umweltanliegen eingegangen.

Kritik von zwei Seiten

Ins gleiche Horn stösst auch ein 43-köpfiges Komitee aus Flüelen, in dem Gewerbetreibende, Landwirte, Landbesitzer und Anwohner vertreten sind. Es fordert in einer Mitteilung vom Freitag, dass die Landschaft rund um den Urnersee erhalten bleibt und die Pläne von Sawiris «nie umgesetzt werden». Ziel müsse ein sanfter Tourismus sein.

Eine deplatzierte Idee, welche nicht an das Seebecken gehört, bezeichnet Evelyne Lüönd, Präsidentin der Grünen Uri und Mitglied beim Komitee «Der Urnersee gehört uns» das Projekt. «Insbesondere, weil zwischen den beiden Standorten ein Naturschutzgebiet ist, es mehr Verkehr verursachen wird und in Isleten Urner Geschichte überbaut wird», so Lüönd. Es gäbe auch andere Ideen, welche naturnaher seien. Auch vorstellbar sind Projekte, bei der man die bestehenden, historischen und denkmalgeschützten Bauten einbezieht. «Für Isleten ist es wichtig, dass, wenn das Areal anders genutzt wird, etwas entsteht, das hier hinpasst, für die Urnerinnen und Urner einen Mehrwert bietet und nicht für die auswärtigen und wohlhabenden Leute ist.»

«Naturschutzgebiet, welches sich schlecht mit Sawiris Plänen verträgt!»

Elias Bricker, welcher im gleichen Komitee wie Lüönd ist, ist besorgt über das Naherholungsgebiet im Urnertal, welches vom geplanten Hafen betroffen ist. «Man hat ein wunderschönes Paradies hier im Reusstal, welches unter Naturschutz steht.» Das würde sich ganz schlecht mit dem vertragen, was Sawiris geplant hat. Ausserdem ist Bricker auch über die Arbeitsplätze besorgt. «Auf der Allmend in Flüelen arbeiten rund 200 Personen und in Isleten gibt es 40 Betriebe. Diese wären dann fehl am Platz, wenn das Projekt von Sawiris angenommen würde.»

Neben den Grünen hat nun auch das Komitee eine Petition lanciert, wie es in einer Mitteilung heisst. Dass beide Seiten fast zeitgleich über die Pläne informierten, sei ein Zufall.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Dass bei diesem Projekt Widerstand entsteht, ist dem Leiter von Sawiris Projekt, Isidor Baumann, bewusst. «Für uns ist es wichtig, dass wir die Argumente derjenigen kennen, welche sich mit den Projektideen schwertun.» Ein Kompromiss sei jedoch der falsche Ausdruck. «Grundsätzlich muss man ein Projekt aufgleisen, bei dem die Mitsprache von allen Seiten gewährleistet ist.» Dass der Mehrwert gemäss Gegnern nicht bei den Einheimischen, sondern bei den Auswärtigen und Reichen liegt, überrascht Baumann. «Das ist eine erstaunliche Feststellung, bei der ich nicht weiss, woher man diese hat», meint Baumann. Angedacht sei, dass ein Drittel der Fläche für die Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht wird. «Wir wollen Flächen, beispielsweise bei der Isleten, welche heute eingezäunt sind, erweitern, als öffentlicher Zugang für die breite Bevölkerung – also im Sinn von einer Parkanlage mit Erweiterung der Uferzone, welche bis anhin als Privateigentum eingezäunt ist.»

(mja)

Quelle: PilatusToday /sda
veröffentlicht: 4. Februar 2022 07:38
aktualisiert: 5. Februar 2022 06:42
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