Uri

Kritik an Zurückhaltung der Urner Regierung bei Verbuschung

15. Mai 2020, 10:56 Uhr
Blick ins Urserntal, wo die Grünerle auf Alpweiden wuchert. (Archivbild)
© Keystone
Wissenschaftler kritisieren die Urner Regierung für ihre Zurückhaltung im Kampf gegen die Verbuschung der Berggebiete. Insbesondere die Ausbreitung der Grünerle, die für Lachgasausstoss sorgt, habe negative Folgen.

Der Regierungsrat hatte in seiner Antwort auf eine Interpellation zur Klimapolitik im Urner Berggebiet und im Alpenraum auch auf die wertvollen Eigenschaften der Grünerle hingewiesen. Eine pauschale Wertung sei nicht möglich, der Umgang mit dem Strauchgewächs müsse regional zwischen den Grundeigentümern und den kantonalen Fachstellen festgelegt werden.

Der Grünerlenbewuchs gibt Lachgas in die Luft ab. Im Urserntal machen die Grünerlenbestände damit 8 Prozent der CO2-Emissionen aus. Um dem Einhalt zu gebieten, läuft ein Beweidungsversuch mit Engadinerschafen, die die Rinde der Grünerle abfressen, was zu deren Absterben führt.

Dieses Vorgehen betrachtet die Regierung allerdings kritisch. Sie hält in ihren Antworten fest, im Vergleich zum CO2-Ausstoss der Grünerlen verursache die Beweidung mit Schafen etwa gleich hohe CO2-Emissionen.

Kritik an Berechnungen

Drei Wissenschaftler, unter anderem von der Alpinen Forschungs- und Ausbildungsstation Furka (Alpfor) in Uri, bemängeln das «Nichts Tun», das die Behörden zum Verbuschungsproblem in den Alptälern empfehle. Sie relativieren in einer Stellungnahme insbesondere die Berechnungen zum CO2-Ausstoss der Tiere.

Der Einsatz von Engadinerschafen zur Reduktion der Verbuschung führe nämlich nicht zu mehr Schafen. Es gehe lediglich darum, die richtigen Schafe am richtigen Ort weiden zu lassen. Auch sei nicht berücksichtigt worden, dass sich die Tiere bloss in den Sommermonaten auf den Weiden befänden.

Das Grünerlenproblem in den Alpen lässt sich laut den Wissenschaftlern aber nicht auf ein Treibhausgasproblem reduzieren. Grünerlen-dominierte Verbuschung von waldfähigem ehemaligem Weideland habe weitere negative Folgen. Sie verhindere etwa Waldwuchs und somit das Entstehen von Schutzwald, führe zu Biodiversitätsverlusten und weise einen höheren Wasserverbrauch auf.

Zwar wachse die Grünerle seit jeher in den Alptälern in Bachgräben und Lawinenstrichen. Auf ehemaligen Alpweiden breitet sie sich allerdings als Kulturfolger aus. Die aufgegebenen Flächen wachsen zu, bevor der Bergwald eine Chance hat zurückzukommen. Die Interpellation ist am Montag Thema in der Landratssitzung.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Mai 2020 10:56
aktualisiert: 15. Mai 2020 10:56