Uri

Nach erneutem Wolfsriss: Was bringt die Annahme des Jagdgesetzes?

Mario Trlaja, 11. August 2020, 18:27 Uhr
Mit dem revidierten Jagdgesetz soll der Wolfsbestand einfacher reguliert werden können. (Symbolbild)
© Keystone
Am 27. September wird über das revidierte Jagdgesetz abgestimmt. Für die Befürworter ist der jüngste Wolfsriss in Uri eine Bestätigung für notwendige Massnahmen. Die Gegner möchten den Kampf um die Artenvielfalt nicht auf dem Rücken des Wolfes austragen.

Der Wolf, welcher am Montag in Realp zwei Schafe gerissen hat, müsste auch bei einer Annahme des revidierten Jagdgesetzes nicht um sein Leben bangen. In Uri gab es diesen Sommer mehrere solche Einzelrisse. In solchen Fällen komme es, sowohl beim bestehenden als auch beim revidierten Jagdgesetz, nicht zu einem Abschuss des Raubtieres, sagt Isidor Baumann, Präsident des Urner Komitees «Ja zum neuen Jagdgesetz».

Es gehe jedoch nicht nur um den Wolf, erwidert Fabian Haas vom Gegen-Komitee «Jagdgesetz Nein». Auch Biber, Luchs, Höckerschwan oder Graureiher könnten mit dem neuen Gesetz künftig auf die Abschlussliste kommen. «Es wäre schade, wenn der Konflikt mit dem Wolf dazu führt, dass die Artenvielfalt noch stärker leidet», sagt Fabian Haas. Mit der Annahme des neuen Jagdgesetzes könne der Wolfsbestand in der Schweiz reguliert werden, auch wenn keine Angriffe stattfinden. Dies führe dazu, dass Abschüsse «auf Vorrat» durchgeführt werden und der Wolf praktisch zur jagdbaren Tierart werde, so Haas.

Wolfsbestand hat sich verachtfacht

1995 kehrte der Wolf in die Schweiz zurück. 2010 gab es in der Schweiz gerade einmal zehn Wölfe. Inzwischen ist der Bestand auf 80 Tiere angestiegen. Was ist ein für alle Seiten akzeptabler und nachhaltiger Bestand?

«Die Frage ist nicht wie viele, sondern wie sie sich verteilen», sagt Isidor Baumann. Es gäbe Gebiete, die mehrere Wolfsrudel ohne Schäden aufnehmen können und Gebiete, in denen ein Wolfsrudel bereits nicht ertragbar sei. Etwas anders klingt es bei Fabian Haas: «Ein guter Wolfsbestand ergibt sich aus dem natürlichen Lebensraum, den sich der Wolf selber sucht und aus dem Raum, den wir Menschen ihm zugestehen. Es stellt sich die Frage, wie viel Raum wir der Natur lassen möchten.»

Welches Vorgehen ist besser?

Auf die Frage, was er mit dem Wolf aus Realp machen würde, wird Baumann ernst. «Der Wolf lässt gerissene Tiere oftmals noch lebendig und unter grossen Qualen zurück. Alleine aus tierschützerischen Aspekten braucht es ein entsprechendes Handeln.» Handeln heisst, dass man reissende Wölfe abschiesst, erklärt Baumann.

Fabian Haas setzt auf das Prinzip Herdenschutz. «Schutzmassnahmen sind extrem wirksam. 90 Prozent aller Risse kommen in ungeschützten Herden vor.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. August 2020 18:29
aktualisiert: 11. August 2020 18:27