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Campervan

Trotz Hype: Urner Familienunternehmen muss schliessen

12. Oktober 2021, 17:54 Uhr
Die Rittacher AG aus Schattdorf hat alles auf die Karte Campervan gesetzt. Doch Corona hat die Lieferungen derart in die Länge gezogen, dass nun nach gut einem halben Jahr der Schlussstrich gezogen wird.
Nach gut einem halben Jahr muss das Urner Familienunternehmen sein Campervan-Business wieder schliessen.

«Nichts bedeutet mehr Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität als das Reisen mit dem eigenen Wohnmobil», so schreibt es die Rittacher AG, Schattdorf, auf ihrer Website. Aus diesem Grund hat das Familienunternehmen, das in der zweiten Generation geführt wird, alles auf den Umbau von Fahrzeugen zu sogenannten «Campervans» gesetzt.

Der Hype um das Reisen im «Hotelzimmer auf vier Rädern» ist zurzeit unbestritten. Doch rund ein halbes Jahr nach der Fertigstellung des ersten «Swiss Camper Vans» muss die Firma nun aufgeben, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. «Wahrscheinlich waren wir etwas zu euphorisch», sagt Geschäftsführer Bernhard Zurfluh. «Unser Geschäftsmodell hätte wohl fünf bis acht Jahre gebraucht, um sich zu etablieren. Aber bis dahin reicht das Geld nicht.»

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Quelle: PilatusToday

Lieferfristen bis zu 35 Wochen

Die Urner Firma hatte sich auf die komplette Innenausstattung der Campervans mit sämtlichem Schnickschnack spezialisiert. Dazu zählten etwa die Elektrizitätsversorgung mit Solarpanel, Spülbecken, Toilette, Heizung und Lüftung und ein mit Holz ausgestaltetes Schlafgemach. Gut 500 Stunden Arbeit steckten in einem kompletten Umbau. Neben den Kosten für ein geeignetes Fahrzeug fielen für die Innenausstattung so etwa 30'000 Franken an. «Alles musste von null auf entwickelt und individuell angepasst werden. Das kostet Zeit und Geld», erklärt Zurfluh.

«Die Kundschaft, die bereit ist, dafür zu zahlen, ist dünn gesät.» Hinzu kamen die extremen Lieferverzögerungen, welche die Coronapandemie mit sich brachte. «Für Aufstelldächer gibt es heute Lieferfristen von bis zu 35 Wochen – und bezahlen muss man im Vornherein. Das sind alles Faktoren, die uns nicht entgegen kamen.»

Vielleicht wird er nun Taxifahrer

Mit der Rittacher AG schliesst ein echter Familienbetrieb nun die Tore. Drei Kinder des Geschäftsführers Bernhard Zurfluh arbeiten mit, ebenso eine Schwiegertochter. Daneben wurden zwei weitere Lernende ausgebildet. «Ich bin sehr froh, dass wir für alle eine Anschlusslösung gefunden haben», sagt Bernhard Zurfluh. Wohin es ihn selber verschlagen wird, weiss er noch nicht: Vom Taxifahrer bis zum Mitarbeiter in einem Skigebiet kann er sich alles vorstellen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Oktober 2021 17:54
aktualisiert: 12. Oktober 2021 17:54