Gotthard-Stau

Uri will die staugeplagten Dörfer zusammen mit dem Bund entlasten

5. Oktober 2022, 18:33 Uhr
Auch die Urner Regierung glaubt nicht an ein Patentrezept, um die Dörfer bei Stau auf der A2 vom Ausweichverkehr zu entlasten. Ein neues Fachgremium soll nun eingesetzt werden. Zudem soll der Umbau des Kreisels in Göschenen vorgezogen werden.
Das Stauproblem am Gotthard soll gelöst werden.
© KEYSTONE/URS FLUEELER
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Erst Ende September hat sich der Ständerat mit dem Stau am Gotthard beschäftigt, schreibt die «Luzerner Zeitung». Nun wurde der Verkehrsfluss auf den Kantonsstrassen entlang der A2 aufgrund einer Kleinen Anfrage von Georg Simmen auch in der Urner Regierung zum Thema. Was ist möglich, um den Umfahrungsverkehr einzuschränken – und wer ist zuständig?

Aus der Antwort der Regierung wird klar, dass dem Problem der Verkehrsüberlastungen auf der Kantonsstrasse in Richtung Urner Oberland bei Stau auf der Autobahn mit verschiedenen Massnahmen begegnet werden kann, es aber zwingend die Zusammenarbeit mit dem Astra braucht. Dazu soll ein neues Fachgremium ins Leben gerufen werden. Und: «Einfache Patentrezepte gibt es nicht.»

Zuständigkeiten sind nicht immer klar

Das Verkehrsmanagement auf den Nationalstrassen ist Aufgabe des Bundes, die Polizeihoheit hingegen liegt bei den Kantonen. Um zu bestimmen, was das genau heisst, gebe es Verkehrsmanagementpläne, ausgearbeitet vom Bund zusammen mit den Kantonen. So sei der Bund für Massnahmen verantwortlich, die aufgrund einer Verkehrsüberlastung auf der Nationalstrasse notwendig werden, so der Regierungsrat.

In diesem Jahr hatte es über 350 Stunden Stau – der Gotthard war noch nie so überlastet. 

© BRK News

Dazu zählen beispielsweise Sperrungen und Dosierungen bei Autobahneinfahrten und -ausfahrten und das Absetzen von Informationen. Die kantonale Polizei sei lediglich zuständig für sicherheitsrelevante Erstinterventionen bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Unfällen.

Eine gemeinsame Lösung erscheint unerlässlich. Diesbezüglich seien sich Vertreter des Astra, der Gemeinden und des Kantons Uri einig gewesen an einer Besprechung Anfang September, so der Regierungsrat. Man habe dort entschieden, dass ein neues Fachgremium ins Leben gerufen werden soll. Deren Aufgabe sei die Verbesserung der Gesamtverkehrssituation im Kanton, insbesondere entlang der A2. Auch punktuelle Massnahmen für einzelne Gemeinden könne er aufzeigen.

Keine Zwischenlösung beim Kreisel Göschenen

Kompliziert präsentiert sich die Lage auch beim Kreisel in Göschenen. Die Autos, welche aus Wassen kommen und den Kreisel in Richtung Pass wieder verlassen möchten, finden kaum Lücken im Verkehrsstrom vom Pass Richtung Autobahn. Die Folge: Rückstau in Richtung Wassen.

Bei hohem Verkehrsaufkommen wird der Verkehr vom Pass deshalb durch einen Verkehrsdienst in Richtung Wassen umgeleitet, anstatt in Richtung Autobahn. Das führt einerseits zu einer Entspannung der Lage im Kreisel selbst, andererseits wiederum zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen in Richtung Wassen. So beschreibt das Astra in einer Antwort an den Regierungsrat die Situation.

Der Kreisel in Göschenen genügt dem heutigen Verkehrsaufkommen nicht mehr.

© Gaetan Bally/ KEYSTONE

Das Astra ist sich der Problematik bewusst: «Der heutige Knoten beim Kreisel Göschenen, welcher vom Kanton Uri im Zusammenhang mit dem Bau der Umfahrung Göschenen in den 1990er-Jahren erstellt wurde, genügt dem heutigen Verkehrsaufkommen nicht mehr.» Um die Verkehrsströme zu entflechten, müsse der Knoten total umgebaut werden.

Der Zeitplan des Astra ist durch die Topografie bestimmt, denn der Kreisel befindet sich auf dem Vortunnel des Gotthardtunnels. Dieser werde voraussichtlich Anfang der 2030er-Jahre total saniert. Erst danach können die Arbeiten am Kreisel in Angriff genommen werden, so das Astra.

Aus der Antwort der Regierung geht hervor, dass dieser mit diesem Zeitplan nicht einverstanden ist. Er werde sich dafür einsetzen, dass die baulichen Massnahmen am Kreisel Göschenen vorgezogen werden. Ziel sei es, möglichst schnell eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Die Stellungnahme des Astra lässt hoffen: «Aufgrund der aktuellen prekären Verkehrssituation werden wir prüfen, ob wir die baulichen Massnahmen am Kreisel allenfalls vorziehen können.»

(Silvana Gugolz)

Quelle: Luzerner Polizei
veröffentlicht: 5. Oktober 2022 18:33
aktualisiert: 5. Oktober 2022 18:33