Schwingen

Vorfreude auf das Eidgenössische wächst in Unterwalden von Tag zu Tag

12. August 2022, 06:52 Uhr
ISV-Vizepräsident André Sigrist hofft, dass die Innerschweizer Delegation in Pratteln den einen oder anderen Kranz abstaubt.
ISV-Vizepräsident André Sigrist vor seinem Gabentempel bei sich zu Hause. Er blickt auf viel Arbeit zurück und freut sich enorm auf das Esaf in Pratteln.
© Ruedi Wechsler / Luzerner Zeitung

Die schmucken Glocken und Schellen im Entre fallen beim Betreten von André Sigrists Haus in Stalden sofort ins Auge. Der muskulöse Mann ist ehemaliger Schwinger und inzwischen Vizepräsident des Innerschweizer Schwingerverbandes (ISV). Als 28-Jähriger musste der Obwaldner 2001 wegen Nackenproblemen die Zwilchhosen an den Nagel hängen. Er gewann neun Kränze, einer davon am Isaf 1996 in Siebnen, schreibt die «Luzerner Zeitung».

Der gelernte Zimmermann arbeitete 25 Jahre bei der Holzbautechnik Burch AG in Sarnen und bildete sich zum Holzbaupolier und Projektleiter weiter. Heute ist der 49-Jährige beim Hoch- und Tiefbauamt Obwalden im Bereich Hochbau für die kantonalen Liegenschaften zuständig. Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Schwingen, Vorstandstätigkeiten, Skifahren, Wandern, Biken und Langlauf zählen zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Auch als Funktionär ging es stetig aufwärts.

Bereits als Aktiver übernahm Sigrist die Technische Leitung des Schwingclubs Sarnen, kam in den Vorstand und bald wurde er zum Präsidenten gewählt. Ein Jahr nach dem Isaf 2012 in Sarnen nahm er Einsitz im Vorstand des ISV, zunächst als Protokollführer und als Vertreter des Ob- und Nidwaldner-Schwinger-Verbandes. Die 85 selektionierten Innerschweizer-Athleten und weitere 50 Personen wurden soeben für Pratteln eingekleidet, und diese grosse Arbeit hat Sigrist mitgetragen.

Die Selektionen und die Erwartungen

Der Innerschweizer Teilverband bestimmt, wer nach Pratteln fahren darf. Für die Ob- und Nidwaldner ist es der Technische Leiter Peter Imfeld. «Der ISV-Vorstand hat ein Vetorecht bei strittigen Situationen. Aber wir vertrauen der technischen Kommission und diese entscheidet nach den Selektionsrichtlinien fair und im kameradschaftlichen Rahmen», so Sigrist. Der Erfolg von 2019 in Zug wird für die Unterwaldner nur schwer zu toppen sein, als gleich vier Eidgenossen kranzgeschmückt gefeiert wurden.

Marcel Mathis, Lutz Scheuber und Martin Zimmermann sind inzwischen zurückgetreten und Benji von Ah kam nach Corona nur schwer aus den Startlöchern. «Es war für die Arrivierten nicht einfach, sich nach dieser schwierigen Zeit wieder zu pushen. Die Jungen machen Druck und mit Ueli Rohrer, Jonas Burch, Stefan Ettlin, Christian Odermatt, Lukas Bernhard, Lukas Bissig oder Jonas Durrer haben wir vielversprechende Talente in unseren Reihen. Benji von Ah dürfen wir nicht vergessen, der auf dem Brünig eine Duftmarke setzte. Ein bis zwei Kränze wären schön», äussert sich Sigrist realistisch.

Die Hoffnungsträger

Als grösster Teilverband wird der ISV in der Einteilung am Esaf meist hart angefasst. Thedy Waser, als ISV-Vertreter, steht unter grossem Druck und beschäftigt sich den ganzen Tag mit den Paarungen. «Das Innerschweizer-Team wird dieses Jahr nicht allzu hoch gehandelt und das ist nicht mal so schlecht. Das Fest kommt für einige wohl ein bis zwei Jahre zu früh. Momentan ist der Luzerner Teilverband mit vielen guten jungen Athleten der stärkste. Joel Wicki und Pirmin Reichmuth sind gut für einen Spitzenplatz und Erich Fankhauser, Christian Schuler oder Sven Schurtenberger sind grosse Stützen», meint André Sigrist.

Pirmin Reichmuth erlitt am Brüngi Schwingen mit seiner Schulterverletzung einen erneuten Rückschlag.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

«Königsanwärter sind für mich Sämi Giger, Armon Orlik, Matthias Aeschbacher oder Fabian Staudenmann. Aber alle können stolpern und dann sind wir Innerschweizer bereit. Für mögliche Überraschungen könnten Werner Schlegel und Adrian Walther oder unsere Schwinger sorgen», so Sigrist.

Optimierungen mit iPad und Ranglistenprogramm

Schon am Esaf in Pratteln soll die laufende Uhr auf dem iPad für die beiden Kampfrichter am Tisch zu sehen sein. Damit will man Zeitdifferenzen, wie bei der Paarung Ronny Schöpfer – Adrian Walther auf dem Brünig geschehen, vermeiden. Dieser Kampf dauerte sieben anstatt sechs Minuten. An dieser Stelle bricht Sigrist für die Kampfrichter eine Lanze und ergänzt: «Für sie ist es während des ganzen Tages und meist unter der sengenden Sonne, eine sehr herausfordernde Aufgabe.

Guter Teamgeist im ISV sei an den Trainingszusammenzügen unverkennbar. Das neue Beschickungsrecht der fünf Kantonalverbände habe auch dazu beigetragen. Da prallen gewisse Häme der Fans anderer Teilverbände beim ISV ab. Dort spricht man oft vom «Kantönligeist» in der Innerschweiz. Auf den Einmarsch der Schwinger in Pratteln freut sich André Sigrist ganz besonders und dann auf ein grossartiges Schwingfest unter strahlendem Sonnenschein.

(Ruedi Wechsler)

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 12. August 2022 06:52
aktualisiert: 12. August 2022 06:52
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