Zentralschweiz

Vorwürfe nur teilweise haltbar – das sagt der externe Bericht

Fall Beckenried

Vorwürfe nur teilweise haltbar – das sagt der externe Bericht

26.11.2020, 13:09 Uhr
· Online seit 26.11.2020, 10:37 Uhr
Er sollte nicht nur das Verhalten der beschuldigten Lehrperson, sondern auch das Vorgehen der Schulleitung und der Schulkommission untersuchen. Nun liegt der 60-seitige Bericht des externen Experten Anton Strittmatter vor und zeigt – die Vorwürfe sind teilweise haltbar.
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Die Vorwürfe waren happig. Gegenüber PilatusToday und Tele1 beschrieben mehrere Eltern Ohrfeigen, an den Ohren ziehen, an den Haaren reissen und andere körperliche Strafen der Lehrperson gegenüber den Schülern.

Zahlreiche mündliche Befragungen, Dokumente und Rückmeldungen hat der externe Experte Anton Strittmatter ausgewertet und analysiert: Nun stellt der Untersuchungsbericht fest: Es gab Problemmeldungen, die teilweise als plausibel und erheblich beurteilt werden.

Unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich Lehrperson

Der Bericht zeigt, dass die Lehrperson als streng, aber gerecht und pflichtbewusst wahrgenommen werde. Dem gegenüber stehen jedoch Meldungen von problematischen Strafen und Sanktionen: «Die Lehrerin arbeite mit zu viel Druck (statt Zug)und schaffe damit Angst bei Kindern» heisst es im Bericht. Auch habe die Lehrperson mit Negativprognosen zu den Übertrittschancen der Schülerschaft Druck ausgeübt. Als didaktisch fragwürdig wurden zudem Korrekturen und Benotungen von Prüfungen bewertet. Der Bericht zeigt, dass «sehr auseinander gehende Wahrnehmung bezüglich der Lehrperson» bestehen. Dies gebe es zwar immer wieder, doch dass ein Teil der Kinder den Unterricht so negativ erlebt habe, könne nicht hingenommen werden.

Strittmatter empfiehlt der Schule, die Lehrperson weiter zu beschäftigen, jedoch nicht mehr als Klassenlehrperson. Dies soll unter Auflagen geschehen, die konsequent eingehalten werden sollen: loyales Mittragen der von Klassenlehrpersonen praktizierten Regeln, Begleitung durch die Schulleitung in Form von Gesprächen und Unterrichtsbesuchen, Einholen von SchülerInnnen und Elternfeedbacks zu ihrem Unterricht und Teilnahme an einer Intervisionsgruppe von Fachlehrpersonen.

Vorwürfe gegenüber Schulleitung nicht gerechtfertigt

Als nicht haltbar erweist sich hingegen der Vorwurf gegenüber der Schulleitung bezüglich Mobbings einzelner Lehrpersonen. Auch der Vorwurf aus der Eltern-Sicht, dass die Schulleitung «mauern» und «nichts unternehmen» würde, seien pauschal nicht gerechtfertigt, sei jedoch auf mangelnde Kommunikation der Schulleitung zurückzuführen.

Strittmatter empfiehlt der Schule verschiedenste Massnahmen. So soll zukünftig bei umstrittenen Praktiken besser hingeschaut werden und allgemein das Vorgehen bei solchen «Sorgenfall-Behandlung» verbessert werden. Weiter soll man sich für eine Kriseninventionsstelle auf Stufe Kanton stark machen.

Im gleichen Fall ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Nidwalden. Sie legt den Fokus auf den Vorwurf der Tätlichkeiten. Das Verfahren ist noch hängig. Es gilt die Unschuldsvermutung. Würde die Staatsanwaltschaft Nidwalden die Beschuldigte verurteilen, würde eine Kündigung ausgesprochen werden.

(hch)

veröffentlicht: 26. November 2020 10:37
aktualisiert: 26. November 2020 13:09
Quelle: PilatusToday

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