Kampf gegen Food-Waste

Was bringen «Too Good To Go» und andere Plattformen?

Mario Trlaja, 15. Juli 2020, 09:40 Uhr
Studenten vor einem Foodtruck der «Äss-Bar» in Zürich. (Symbolbild)
© Gaetan Bally / Keystone
Schon als Kind haben wir gelernt, dass man mit Essen nicht spielt. Noch schlimmer ist es, Essen in den Müll zu werfen. Damit dies so wenig wie möglich passiert, gibt es Plattformen wie Too Good To Go. Doch wie nachhaltig ist es, Essen vor dem Abfall zu bewahren?

Die App Too Good To Go ist derzeit in aller Munde (auch wir haben sie getestet). Mittags oder nach Feierabend kurz eine Mahlzeit retten, weniger bezahlen und damit was Gutes tun. Eine «Win-win» Situation für alle also? Nicht immer. Denn es gibt auch Kritik.

Ein Drittel aller Lebensmittel landet im Abfall. Viele von uns versuchen ihren Teil zu leisten, damit dies nicht so bleibt. Eine Möglichkeit ist die App Too Good To Go, die in der Schweiz bereits über 900'000 Nutzer zählt. Auch auf Facebook tauschen sich mittlerweile über 4'000 Personen in der Gruppe «Too Good To Go Erfahrungsaustausch Schweiz» aus. Diese haben aber zum Teil ganz unterschiedliche Erwartungen an die Plattform. Wie die unzähligen Erfahrungsberichte zeigen, tummeln sich in der Gruppe nicht nur Anti-Food-Waste-Krieger. Während die einen sich darüber freuen, jegliches Essen vor dem Abfallkübel zu bewahren, monieren andere, dass die Portionen immer kleiner werden oder es zu wenig Abwechslung gäbe.

Kritik auf den Grund gegangen

Funktioniert das Prinzip also nur, weil die Nutzer der App Geld sparen können? Nein, sagt Alina Swirski. «Bei unseren Usern steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Sonst würden sie nicht den Aufwand betreiben, um spätabends oder kurz vor Betriebsschluss Essen zu retten», so die Too Good To Go Schweiz-Chefin.

Doch nicht nur auf Seiten der Nutzer gibt es Tadel. Einzelnen Betrieben wird vorgeworfen, die Plattform lediglich als gewinnbringendes Werbeinstrument und nicht zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu nutzen. Bäckereien und Supermärkte würden bewusst mehr Lebensmittel produzieren oder einkaufen, um genau diese Lebensmittel am Ende des Tages auf der App anzubieten und dadurch zusätzliche Kunden ins Geschäft zu locken. Dies widerspreche der Kernidee von Too Good To Go, erklärt Alina Swirski. «Dass es sich bei den abholbaren Überraschungspäckli auch wirklich um Übriggebliebenes handelt, ist Bedingung, um bei uns mitmachen zu können. Dies überprüfen wir laufend und kontaktieren bei Bedarf die Betriebe», erklärt die Länderchefin.

Äss-Bar in Luzern rettet Backwaren

Too Good To Go ist nur eine von mehreren Plattformen, die sich der Bekämpfung von Food-Waste verschrieben hat. Die Bäckerei «Äss-Bar» in Luzern verkauft Backwaren vom Vortag, die von Bäckereien aus der Region bezogen werden. Mit Erfolg: Die Kette betreibt mittlerweile Filialen an neun Standorten in der ganzen Schweiz sowie einen Foodtruck. Doch steht auch hier der Kampf gegen Lebensmittelabfälle im Mittelpunkt?

Ja, sagt Nadja Zehnbauer von Äss-Bar. Die angebotenen Backwaren seien zu hundert Prozent «echte Überschüsse». «Für die Bäckereien lohnt es sich finanziell schlichtweg nicht, bewusst mehr zu produzieren und über uns abzuverkaufen», erklärt die Mediensprecherin.

Kampf gegen Food-Waste beginnt schon früher

Die effektivste Methode um Food-Waste zu minimieren, ist Food-Waste gar nicht entstehen zu lassen, erklärt Christian Frank von der Umweltberatung Luzern. Mit vollem Magen einkaufen, Lebensmittel korrekt lagern und Reste verwerten, sind das Anti-Food-Waste-Einmaleins. «Alles Dinge, die wir im Hauswirtschaftsunterricht gelernt haben», so Christian Frank.

Bei der Luzerner Umweltberatung begrüsst man Plattformen wie Too Good To Go oder Äss-Bar. Auch wenn bei manchen Nutzern günstige Lebensmittelpreise im Vordergrund stünden: «Solange Essen gerettet wird, ist es eine gute Sache», ist Christian Frank überzeugt. Wichtiger sei es, dass die teilnehmenden Betriebe die Verschwendung von Lebensmitteln auch wirklich bekämpfen wollen. «Wenn ein Restaurant jeden Abend zur besten Dinner-Zeit einige Menus abzugeben hat, dann sollten dies die Kunden schon hinterfragen». Hier seien die Plattformen gefordert, einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken, so Frank.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Juli 2020 07:50
aktualisiert: 15. Juli 2020 09:40