Littering

Wegen Corona werden Grünflächen verdreckt

Irene Müller, 19. Mai 2020, 14:45 Uhr
Trotz «Bleiben Sie Zuhause»-Credo melden Zentralschweizer Gemeinden einen frappanten Littering-Anstieg. Dies hauptsächlich an schönen Rastplätzen im Grünen. Die Strassen der Luzerner Innenstadt hingegen waren diesen Frühling so sauber wie selten zuvor.

Väkalien in Büschen und grosse Güselsäcke bei Robidog-Kübel: Urs Vogel, Gemeindeschreiber aus Alpnach, hat kein Verständnis für ein solches Verhalten. «Früher wusste man, dass es im Süden so aussieht. Doch mittlerweile sind wir kein Stück besser», meint er resigniert.

Littering sei in der Gemeinde schon seit Jahren ein zunehmendes Problem, so der Gemeindeschreiber. Diesen Frühling aber habe sich die Lage noch einmal stark zugespitzt. «Dieses Jahr ist es extrem», so Urs Vogel. Als Übeltäter hat er Ausflügler im Verdacht: «Es waren stets viele Erholungssuchende aus der Zentralschweiz, aber auch aus dem Aargau und aus Basel unterwegs.»

Diese Beobachtung machten mit Weggis und Brunnen auch weitere beliebte Touristenorte am Vierwaldstädtersee. Die Gemeinde Ingenbohl meldete bereits Anfang Mai eine starke Zunahme des Litterings. «Die Leute haben sich während der Sperrung des Quais an Orte zurückgezogen, wo sie sich sonst nicht aufhalten», lautet eine Erklärung der Gemeindepräsidentin.

Abfall verteilt sich wegen der Abstandsregel

In Weggis wurden sogar neue Abfalleimer aufgestellt, um der zunehmenden Vermüllung öffentlicher Plätze entgegenzuwirken. «Die Leute gehen mehr raus und treffen sich dort, anstatt im Restaurant», stellt der Gemeindeammann Baptist Lottenbach fest. An die Abstandregeln hätte sich die Bevölkerung zwar gut gehalten, doch die kleinen Grüppchen verteilten sich an Orte, an denen keine Abfalleimer stehen. «Und sobald etwas rumliegt, ist die Hemmschwelle niedriger, das nächste auf den Boden zu werfen.»

Auch in Weggis sei das Problem vermehrt an Raststätten von Töff- und Autofahrern zu beobachten. «Die ausländischen Gäste bleiben häufig eher in ihren Hotels, während die Schweizer Töff- und Autofahrer zu den Rastplätzen ihr eigenes Essen mitbringen und den Abfall dann liegen lassen.»

Kanton Uri will handeln

Grundsätzlich sind die Gemeinden beim Littering immer die ersten Ansprechspersonen. In Uri allerdings hat sogar die kantonale Behörde Wind von der Sache bekommen. «Es ist ein Riesenthema bei uns», so der Leiter der Abteilung Immissionsschutz Niklas Joos-Widmer. Noch nie hätten sie so viele Meldungen von Littering-Entdeckungen erhalten wie seit dem Lockdown.

Deshalb plane sein Team, das Thema bei den Leuten wieder etwas präsenter zu machen. «Es war immer auf der Pendenzenliste, aber jetzt ist wirklich Handlungsbedarf vorhanden», so Joos-Widmer.

Nur Städte haben profitiert

Auf die Strassen der Luzerner Innenstadt hingegen hatte der Lockdown eine positive Auswirkung. An einem normalen Wochenende sind 11 Arbeiter im Einsatz, die jedes Wochenende die weggeworfenen Flaschen und McDonalds-Verpackungen der hungrigen und durstigen Partygänger zusammenwischen.

An einem normalen Wochenende sind pro Tag 11 Arbeiter im Einsatz, um das Littering in der Luzerner Stadtmitte aufzuräumen. (Symbolbild)

Wie die Stadt mitteilt, habe sie in den ersten Wochen des Lockdowns die Putzequipe auf zwei Arbeiter reduzieren können. Mittlerweile sei man allerdings wieder bei sieben angelangt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. Mai 2020 06:07
aktualisiert: 19. Mai 2020 14:45