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Freizeit

Zecken – Was du darüber wissen musst

Raffaele Keller, Sophie Müller, 23. Mai 2020, 09:40 Uhr
Die Corona-Krise zwingt uns dazu, viel Zeit zuhause zu verbringen. Der Spaziergang im Wald ist eine willkommene Abwechslung. Weil es nun aber wieder wärmer ist, solltest du dich vor Zecken in Acht nehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sobald es etwas wärmer wird, erwachen die für den Menschen teilweise gefährlichen kleinen Tierchen aus ihrer Starre und beginnen wieder zu Leben. Auch in diesen warmen Tagen läufst du beim Spazieren im Wald Gefahr, gebissen zu werden. Darum klären wir die wichtigsten Fragen und geben dir ein paar Tipps.

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Quelle: CH Media Video Unit / BRK News

Wann ist Zecken-Saison?

Die Saison, in der Zecken aktiv werden, hängt von der Witterung ab. Im Normalfall dauert die Zecken-Saison von März bis November. Wenn es mehrere Tage über sieben Grad Celsius warm ist, erwachen die Zecken aus ihrer Winterstarre und werden aktiv. Da es nun bereits mehrere Tage fast 20 Grad warm war, musst du also bereits mit Zecken gerechnet werden.

Wo gibt es Zecken?

Grundsätzlich kommen Zecken, insbesondere der „Holzbock“ – die häufigste Art hier – in der ganzen Schweiz vor. Sie sind aber besonders im Frühling und Herbst zu beachten, da sie Wärme und Feuchtigkeit benötigen, um aktiv zu werden.

Sie leben im Unterholz und an Wald- und Wegrändern. Ausserdem kommen sie bis in Höhen von 2'000 Metern über Meer vor. Deshalb ist im Moment besonders beim Spazieren, Wandern und Joggen im Wald eine gewisse Vorsicht geboten.

Mittlerweile gilt die gesamte Schweiz, ausser dem Tessin und Genf, als Zecken-Gebiet.

Auch am Körper bevorzugen sie feuchte Stellen, so stechen sie am ehesten bei warmen, feuchten und dünnen Hautpartien zu wie Achselhöhlen, Schultern, Nacken, Haaransatz, Bauchnabel, Kniekehle und Armbeuge. Bei Kindern sollte auch die Kopfhaut im Auge behalten werden.

Welche Gefahren bergen Zecken?

In der Schweiz gehen von den Zecken insbesondere zwei verschiedene Krankheitserreger aus, obwohl sie eine Vielzahl von Erregern auf den Menschen übertragen können. Die beiden wichtigsten sind: Das Bakterium Borrelia burgdorferi, der Erreger der Lyme-Borreliose; und ein Virus, das die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME) verursacht.

Borreliose

Zwischen fünf bis 30 Prozent der Zecken tragen das Bakterium in sich. An der Lyme-Borreliose erkranken in der Schweiz jährlich zwischen 6‘000 bis 12‘000 Personen. Die Krankheit kann jedoch – rechtzeitig erkannt – mit Antibiotika in der Regel vollständig geheilt werden. 2018 war sowohl für Zeckenstiche wie auch die bakterielle Erkrankung der Borreliose ein Rekordjahr. Die darauffolgende Sensibilisierungs-Kampagne des Bundes scheint Erfolg zu haben, denn die Zahlen von 2019 sind deutlich tiefer und befinden sich im langjährigen Mittel.

2019 wurden deutlich weniger Fälle verzeichnet als 2018.

© Bundesamt für Gesundheit

FSME

Nur etwa ein Prozent der Zecken dagegen trägt das Virus in sich. Es ist jedoch ungleich gefährlicher als das Bakterium, da es eine lebensbedrohliche Gehirn- oder Hirnhautentzündung verursachen kann. In der Schweiz werden jährlich zwischen 100 und 250 Fälle registriert, wovon sich rund 80 Prozent im Spital behandeln lassen müssen. Auch bei der FSME war 2018 ein Rekordjahr. Und obwohl es 2019 zu weniger Infektionen kam, war es seit dem Jahr 2000 dennoch der dritthöchste Wert.

Die Fallzahlen nehmen nur schwach ab.

© Bundesamt für Gesundheit

Wie schütze ich mich vor Zecken?

Gerade weil ein Zeckenstich zu schwierigen Komplikationen führen kann, ist es wichtig, dass du dich dagegen schützt oder im Fall eines Stichs weisst, wie du vorgehen sollst (siehe dazu auch die App am Ende des Beitrages).

Da Zeckenstiche oft nicht bemerkt werden, ist die Vorbeugung umso wichtiger: Gut abschliessende Kleidung (lang), das Unterholz und hohe Gräser meiden und Schutzmittel für die Haut und Insektizide für die Kleider benutzen.

Nach dem Aufenthalt im Wald solltest du Körper und Kleidung auf Zecken untersuchen. Dabei helfen helle Kleider die schwarzen Tierchen zu entdecken. Nicht vergessen: Auch die Haustiere auf Zecken untersuchen!

Was tun bei einem Stich?

Falls sich tatsächlich eine Zecke auf deiner Haut befindet, entferne diese möglichst rasch mit einer feinen Pinzette: Fass dazu die Zecke mit der Pinzette direkt über der Haut und entferne sie durch kontinuierliches Ziehen (nicht wieder loslassen). Anschliessend die Stelle desinfizieren. Bei Fieber oder anderen Symptomen (Rötungen am Einstichort, grippeartige Beschwerden, Schwindel, Gelenk- und Kopfschmerzen, Übelkeit) solltest du den Arzt oder die Ärztin aufsuchen.

Wichtig: Die Symptome können auch erst nach Monaten oder gar Jahren auftreten. Also immer im Hinterkopf bewahren, dass und wann du von einer Zecke gestochen wurdest.

Nützt eine Zecken-Impfung?

Ja, es gibt eine sichere und gut wirksame Impfung. Jedoch nur gegen FSME. Die Impfung wird allen Personen empfohlen, die sich in einem Risikogebiet aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen könnten (siehe Gefahrenkarte oben). Es ist zentral, dass du nach der Grundimmunisierung, bestehend aus drei Impfungen, zum gegebenen Zeitpunkt eine Auffrischung machst, damit der Schutz intakt bleibt.

Nützliche Webseiten und eine App

Zeckenliga: http://www.zeckenliga.ch/

Gefahrenkarten bzw. Impfempfehlung gemäss BAG

Die App der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hilft, dich vor Zeckenstichen zu schützen oder nach einem Zeckenstich richtig zu handeln. "Zecke" wird auch vom BAG unterstützt.

BAG-Informationen bezüglich FSME, besondere Empfehlung: FAQ – Zecken und durch Zecken übertragbare Krankheitserreger.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. April 2020 16:09
aktualisiert: 23. Mai 2020 09:40