Wegen Strompreisen

Zentralschweizer Firmen befürchten schwierigen Winter

15. September 2022, 11:43 Uhr
Wegen des Krieges in der Ukraine sind die Preise für Gas und damit die Strompreise auf einem Rekordniveau. Das bereitet vielen Unternehmen Sorgen. Zum einen haben sie Angst, dass sie im Winter nicht genug Strom haben, zum anderen sind gerade für kleine Unternehmen die teuren Strompreise ein Problem.
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Im Moment läuft in der Bäckerei Brunner noch alles im Normalbetrieb. Wie lange das noch der Fall ist, kann Franziska Brunner nicht sagen. «Es ist beängstigend. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Es ist sehr ungewiss. Wir haben versucht, das etwas abzufedern. Vor ein paar Jahren haben wir Solaranlagen auf dem Dach der Bäckerei installiert. Aber es ist so: Wir machen uns Sorgen», so die Inhaberin der Bäckerei.

Bald bis zu 15 Mal höhere Energiepreise 

So wie Franziska Brunner geht es vielen Betrieben. Wie eine Studie von Economiesuisse zeigt, könnte ein Drittel der befragten Unternehmen den Betrieb nicht aufrechterhalten, wenn es so weitergeht. Laut Adrian Derungs, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, sind in der Grundversorgung aber nicht die Stromunternehmen selbst, sondern der Bund für die hohen Strompreise mitverantwortlich. In der Grundversorgung sind jene Stromverbraucher, die jährlich weniger als 100'000 Kwh verbrauchen. Die zuständigen Behörden kontrollieren und genehmigen diese Tarife der schweizweit über 600 Stromversorgungsunternehmen.

Weiter komme es darauf an, wieviel man abgesehen vom eigenen Strom noch aus dem Ausland beziehungsweise im europäischen Strommarkt einkaufen müsse: «Die Energiepreise sind in der Grundversorgung reguliert. Nun ist es aber so, dass unsere Unternehmen mit einem jährlichen Verbrauch von mehr als 100'000 KwH auf dem freien Strommarkt von 10 bis 15 Mal höheren Energiepreisen konfrontiert sind, wenn sie in die Zukunft schauen. Das stellt KMU vor massive Herausforderungen», sagt Derungs. «Da werden wir nach Lösungen suchen müssen, wie man das abfedern kann.»

Von Unternehmerseite her sei der Spielraum begrenzt: Nicht jeder Betrieb könne seine Produktion etwas herunterfahren. «Es gibt Unternehmen, die ihre Maschinen nicht beliebig reduzieren können, das heisst die Maschinen laufen oder sie laufen nicht. Aber: Wenn die Maschinen nicht laufen, produziert man nicht. Wenn man nicht produziert, macht man keinen Umsatz. Und wenn man keinen Umsatz macht, verdient man kein Geld. Und wenn man kein Geld macht, kann man keine Löhne bezahlen.» Irgendwann habe man ein Liquiditätsproblem, wenn sich die Lage nicht in absehbarer Zeit wieder beruhige.

Mehrkosten werden an Konsument weitergegeben

Gefragt ist also die Politik: Die müsste nämlich dafür sorgen, dass man mehr Strom in der Schweiz produzieren kann – etwa mit Windkraftwerken oder Stauseen. Dafür müsste aber auch die Bevölkerung ihr Okay geben. Die Bevölkerung ist es denn auch, die am Schluss mehr zahlt, wenn es im Winter zu wenig Strom hat.

«Wenn sie im Winter ein Produkt machen und sie haben höhere Kosten, sei das in der Vorproduktion, also mit den Materialien, die man einkaufen muss, oder auch in der Energie: Man wird die Mehrkosten den Konsumenten weitergegeben. Die Inflationsspirale dreht, Konsumenten müssen mit höheren Preisen rechnen.»

Bei der Bäckerei Brunner will man möglichst vermeiden, die Preise zu erhöhen. Dafür müsste man anders Strom sparen. «Wir können nicht garantieren, dass wir den ganzen Winter unser volles Sortiment fahren können. Unsere Öfen fressen viel Strom, es kann sein, dass wir die Kapazität runterfahren müssen. Der Kunde an der Front wird das auch spüren.»

Für den Moment sind aber noch alle Öfen in Betrieb. Und damit das auch möglichst lange so bleibt, probiert man schon jetzt, Strom zu sparen, wo es geht. So brauchen sie etwa die Restwärme der Öfen, um auch noch das Haus und den Boiler zu wärmen.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. September 2022 07:49
aktualisiert: 15. September 2022 11:43