Zentralschweiz

Zu wenig Polizisten: Unterschiede bei Polizeien in der Zentralschweiz

Personalmangel

Zu wenig Polizisten: Unterschiede bei Polizeien in der Zentralschweiz

19.07.2023, 07:20 Uhr
· Online seit 18.07.2023, 16:46 Uhr
Auch die Polizei wird nicht vom Fachkräftemangel verschont. Schweizweit klagen Polizeikorps über mangelndes Personal. In der Zentralschweiz präsentiert sich die Lage unterschiedlich.
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Viele Polizeikorps in der Schweiz kämpfen mit Personalmangel. Obwohl es genug Bewerbungen für einen Platz in der Polizeischule gibt, sind viele Stellen unbesetzt. Das liegt unter anderem an schwierigen Aufnahmeprüfungen, bei denen in einigen Kantonen bis zu 90 Prozent der Bewerbenden durchfallen, wie «20 Minuten» schreibt. So bringen heute viele Prüfungsanwärterinnen und Prüfungsanwärter zu wenig gute Deutschkenntnisse und mangelnde körperliche Fitness mit.

Uri und Schwyz spüren Auswirkungen des Fachkräftemangels

In der Zentralschweiz präsentiert sich die Lage unterschiedlich. Die Polizei Schwyz teilt auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1 mit, dass sie den Fachkräftemangel spürt. Speziell in Schwyz ist, dass sich auch assimilierte Ausländerinnen und Ausländer für die Ausbildung zur Polizistin oder zum Polizisten bewerben können. Trotzdem hat der Kanton zu wenig Polizisten. Nach personellen Abgängen brauche es jeweils einige Zeit, bis die Stellen wieder besetzt sind. So spiele die Dauer der zweijährigen Ausbildung zum Polizisten eine grosse Rolle bei der Besetzung der Vakanzen.

Über das gesamte Aufnahmeverfahren vom Anfang bis am Schluss gesehen fallen etwa 90 Prozent der Bewerbenden durch. Viele Teilnehmende würden jedoch an den sozialen Anforderungen wie der Teamfähigkeit und der Kommunikation scheitern.

Die Kantonspolizei Uri schreibt gegenüber PilatusToday und Tele 1, dass auch bei ihnen der Fachkräftemangel spürbar ist. Wie Stabschef Gustav Pflanzer mitteilt, sei es zunehmend schwieriger geworden, Persönlichkeiten zu finden, welche eine herausfordernde Tätigkeit im «Schaufenster der Gesellschaft» suchen und eine anspruchsvolle Ausbildung absolvieren möchten. Bis anhin konnten sie die gewünschten Stellen aber immer mit Personen besetzen, welche ihren qualitativen Anforderungen entsprechen.

Zug ohne Personalmangel bei der Polizei

Die Polizei Zug hat aktuell genug Personal. «Wir haben ausreichend Personal und auch genügend Bewerberinnen und Bewerber», teilt Mediensprecherin Judith Aklin gegenüber PilatusToday und Tele 1 mit. «Wir haben momentan eine sehr glückliche Lage. Es kann schon sein, dass es sich einmal ändert, aber aktuell haben wir keine personellen Probleme.» Deshalb plant die Kantonspolizei Zug auch keine Änderungen bei den Anforderungen zur Polizistenausbildung.

Auch die Luzerner Polizei hat kein Problem mit dem Fachkräftemangel. «Die Bewerberzahlen sind in den letzten Jahren stabil und wir konnten die offenen Stellen jeweils besetzen», so Urs Wigger, Chef Mediendienst bei der Luzerner Polizei. Das ist vor allem aufgrund der Lehrgänge an der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch der Fall.

Nidwalden: «Wir sind wohl eher die Ausnahme»

Bei der Kantonspolizei Nidwalden spürt man zurzeit ebenfalls keinen Personalmangel. Polizeikommandant Stephan Grieder teilt auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1 mit: «Wir sind momentan eher die Ausnahme. Wir haben viele Anwärter in der Ausbildung zum Polizisten oder zur Polizistin.»

Grundsätzlich würden die hohen Durchfallquoten bei den Aufnahmeprüfungen aber auch für Nidwalden gelten. Aufgrund der hohen Zahl von Bewerberinnen und Bewerber spürt der Kanton jedoch keine personellen Auswirkungen. «Momentan sind alle Vakanzen besetzt», so Stephan Grieder. Deshalb plant die Kantonspolizei Nidwalden auch nicht, die Anforderungen für die Ausbildung zum Polizisten oder zur Polizistin herunterzusetzen: «Wir werden die Anforderungen nicht heruntersetzen, da so mittel- oder langfristig Probleme garantiert wären. Umso mehr halten wir an unseren hohen Qualitätsansprüchen an unsere jungen Polizeianwärterinnen und -anwärter fest. Zudem werden wir unseren Aufwand bei der Rekrutierung erhöhen.»

Im Nachbarskanton Obwalden tönt es ähnlich: «Bislang konnten die erforderlichen Polizeianwärterstellen immer besetzt werden», schreibt Silvan Stucki, stellvertretender Leiter Kommandoabteilung gegenüber PilatusToday und Tele 1. Auch in Obwalden sollen die Anforderungen an Polizisten hoch bleiben: «Es werden hohe Anforderungen an die Polizeiarbeit gestellt. Entsprechend hoch bleiben unsere Anforderungen an zukünftige Polizistinnen und Polizisten.»

veröffentlicht: 18. Juli 2023 16:46
aktualisiert: 19. Juli 2023 07:20
Quelle: PilatusToday

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