Verschwitzt in die Beiz

Zürcher Beiz möchte nur geduschte Gäste – Zentralschweizer sind unkomplizierter

Tobias Hotz, 5. August 2021, 17:45 Uhr
Sportvereine in Zürich boykottieren eine Dorfbeiz. Der Grund: Der Wirt lässt die Sportlerinnen und Sportler nur geduscht ins Lokal. Während Corona ist dies nicht immer möglich. Eine Umfrage zeigt, dass Zentralschweizer Wirte toleranter sind.
In einem Zürcher Restaurant könnte direkt nach der Pokalübergabe nicht mit einem Bier angestossen werden. (Symbolbild)
© Getty / Jon Feingersh Photography Inc

Ein Restaurant aus dem Zürcherischen Neftenbach sorgte am Mittwoch für Schlagzeilen. Der Wirt hat die lokalen Sportvereine gebeten, nur geduscht in seine Beiz zu kommen. Das Thema kam auf, da die damals geltenden Corona-Massnahmen das gemeinsame Duschen nach dem Training untersagten. Ungeduscht in ein Lokal, dass sei «bei einem Besuch im Innenraum eines Restaurants aus hygienischer Sicht schwierig», sagt der Wirt gegenüber dem Landboten. Wie die Zeitung schreibt, würden Neftenbacher Sportvereine seitdem das Lokal boykottieren. Beim Verband Gastro Winterthur kann man den Entscheid des Wirtes nicht nachvollziehen.

Auch einige von PilatusToday angefragte Restaurants aus der Zentralschweiz zeigen wenig Verständnis für das Vorgehen des Wirtes. Alle betonen jedoch, dass dies die freie Entscheidung eines jeden Wirtes sei. «Persönlich ist mir das egal. Bei uns sind alle willkommen», sagt beispielsweise Vreni Dali vom Löwen in Ruswil. Sie habe vernommen, dass die Handballer aus der Umgebung nicht gekommen sind, gerade weil sie nach dem Training nicht duschen konnten. «Ich freue mich auf die Zeit, in der wieder mehr Vereine zu uns kommen.»

Im Löwen in Ruswil sind alle willkommen.
© Screenshot

Kein Verbot, dafür ein dummer Spruch

«Die Geschichte war gestern bei den Unihockeyaner tatsächlich ein Thema», sagt Oswald Steif, Wirt im Restaurant SportInn in Baar. Das SportInn befindet sich in direkt in der Waldmannhalle. Einem Ort also, indem viel geschwitzt wird. «Die Unihockeyaner waren sich einig – ungeduscht würden sie sich bei mir nicht wohlfühlen», so Steif. Dies aber nicht, da er ihnen mit dem Rausschmiss drohen würde, sondern aus persönlichen Gründen. «Kommt eine ganze Mannschaft jede Woche ungeduscht in mein Restaurant, würde ich sicher mal einen dummen Spruch machen.» Bis jetzt sei so ein Spruch noch nie nötig gewesen.

Gewisse verschwitze Gäste hätten auch gar keine Möglichkeit vor dem Restaurantbesuch zu duschen. «Velofahrer auf einer Tour können vor dem wohlverdienten Bier auch nicht duschen», so Steif. Dazu erzählt der gebürtige Österreicher eine Anekdote über einen verschwitzen Gast: «Wir kamen ins Plaudern und am Schluss buchte er bei mir das Weihnachtsessen für seine Firma.» Man müsse jeden Gast so nehmen, wie er ist. «Das gilt auch für Handwerker, die manchmal auch ein wenig riechen.»

Das SportInn in Baar ist in die Waldmannhalle integriert. Ein Ort an dem viel geschwitzt wird.
© Gemeinde Baar

Auch im Landgasthof Adler in Buchrain kennt man die Geschichte aus Zürich. «Das war bei uns noch nie ein Thema und wir hätten auch kein Problem damit», sagt die Serviceangestellte Martina Perren schmunzelnd. Gerade draussen im Garten würden die Ausdünstungen der Gäste sowieso keine Rolle spielen.

Die Umfrage bei Zentralschweizer Gastronomen zeigt, dass sie nicht speziell geruchsempfindlich sind. Wie siehst du das Thema? Darf man ungeduscht in ein Restaurant oder nicht? Und wo ist die Grenze? Mach mit bei unserer Umfrage oder schreib es in die Kommentare.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. August 2021 17:45
aktualisiert: 5. August 2021 17:45
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