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Impftorpedierung?

Corona-Tests für zwei Franken dank Massnahmenkritikerin

Tobias Hotz, 27. Oktober 2021, 07:19 Uhr
Ob für die Uni, das Restaurant oder das Fitnesscenter braucht es ein Zertifikat. Für Ungeimpfte ist dieses mit regelmässigen Kosten verbunden. Die Chamerin Karin Bieri sammelt daher Geld, damit sich Jugendliche günstiger testen lassen können. Für die Massnahmenkritikerin sei dies kein Angriff auf die Impfoffensive des Bundes.
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Quelle: PilatusToday

Karin Bieri macht kein Geheimnis aus ihrer Haltung gegenüber den Corona-Massnahmen. «Ich halte es für unnötig, dass man Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 30 Jahren impft.» Es gebe mehrere Studien, die dies zeigen, wie auch die Zahlen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Gemäss den Zahlen vom BAG starben seit Mitte Februar zwei Personen unter 30 an den Folgen einer Corona-Infektion. Das BAG empfiehlt die Impfung für junge Menschen zur Vermeidung möglicher Langzeitfolgen von Corona und um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu bekämpfen.

«Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin», sagt die Chamerin, die noch nie so viel gelesen habe wie während der Corona-Pandemie. «Corona-Pandemie»: Ein Wort, das Karin Bieri tunlichst vermeidet. Sie spricht lieber von «Corona-Krise». Sie sieht sich als massnahmenkritische Bürgerin. «Es hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt Bieri über den ersten Lockdown im Frühling des vergangenen Jahres. «Bereits damals sah ich die herrschende Panik-Dynamik kritisch.» Aufgrund der unklaren Situation hatte sie jedoch Verständnis. Mittlerweile herrsche politisches Missmanagement.

Karin Bieri vor der UrsDrogerie Apotheke in Steinhausen.

© PilatusToday

Seit dem 11. Oktober zahlt der Bund nicht mehr für Corona-Tests – wenn man über 16 Jahre alt ist, keine Symptome hat und nicht durch das Contact-Tracing aufgeboten wurde. Ein Entscheid, den Bieri veranlasste, selbst aktiv zu werden. «Jetzt soll das Ganze auch noch finanziell zulasten der Jungen gehen.» Die Teilnahme am sozialen Leben sei faktisch an das Corona-Zertifikat gebunden und somit eine Einkommensfrage geworden. «Das finde ich nicht richtig.»

Corona-Test für einen symbolischen Beitrag

Mit der «Aktion Unternehmer für die Jugend» sammelt Bieri Geld. Über 80 Spender hätten bisher mit einem Betrag zwischen «zehn bis mehreren zehntausend Franken» die Aktion unterstützt. Ungeimpfte zwischen 16 bis 25 können sich für einen symbolischen Beitrag von zwei bis fünf Franken testen lassen. Mehrere Apotheken und Arztpraxen aus den Kantonen Zug, Schwyz und Luzern beteiligen sich an der Aktion. Anbieter aus anderen Kantonen sollen demnächst folgen.

Urs Nussbaumer von der UrsDrogerie Apotheke in Steinhausen war der erste Testanbieter, der bei der Aktion mitmachte. «Ich finde es wichtig, dass sich Personen, die sich gegen die Impfung entscheiden, günstig testen lassen können und so am gesellschaftlichen Leben teilnehmen», so Nussbaumer. Es gehe nicht, dass ein Entscheid nur aufgrund finanzieller Überlegungen getroffen werden müsse. An den günstigen Corona-Tests verdient Nussbaumer nichts. Dank der Aktion von Bieri ist es aber auch kein Verlustgeschäft. «Wir testen alle fünf Minuten eine Person. Pro Woche sind es etwa 120 Jugendliche.» Das Angebot wird so rege genutzt, dass Nussbaumer prüft, die Testkapazitäten zu erhöhen.

Apothekenverband setzt auf Impfung

Nicht alle hätten Freude an den günstigen Tests. «Für Testcenter, die zusätzliche Infrastruktur bereitstellen müssen, sei dies sicherlich nicht ideal», so Nussbaumer. Keine Probleme mit dem Preiskampf hat der Präsident des Verbandes der Zuger Apotheken, Martin Affentranger. «Wirtschaftlich ist dies in Ordnung. Schlussendlich kommt es den Kunden zu gut.» Affentranger ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass der Verband hinter der Impfung steht. «Das ist eine sichere Methode.»

Wird mit der günstigen Aktion nicht die Impfoffensive des Bundes torpediert? «Das könnte man so sehen. Ich sehe es nicht als Impftorpedierung, sondern als Unterstützung der Gruppe, bei der eine Impfung nicht wirklich Sinn macht», erklärt Bieri. Derzeit reiche das gesammelte Geld sicher noch für rund vier Wochen. Für 700 vergünstigte Tests benötigt Bieri rund 10'000 Franken.

Spendensammlerin und Netzwerkerin für «Gleichgesinnte»

Früher führte Karin Bieri in Cham ein Geschäft für Kinderspielsachen. Auch heute bezeichnet sie sich als Unternehmerin. Im April gründete sie die Einzelfirma MB KommNet Management. Gemäss ihrem Internetauftritt bezweckt die Firma «die direkte Kommunikation und enge Vernetzung unter Menschen und das Recht auf freie Meinungsäusserung zu pflegen». Sie vernetze Menschen, die «die Faust im Sack machen». Dazu organisierte sie bereits vier Veranstaltungen mit Referenten wie Komiker Marco Rima, Satiriker Andreas Thiel oder Michael Bubendorf von den «Freunden der Verfassung». Gemäss Webseite setze die Firma dabei auf eine transparente Kommunikation. Wer die günstigen Corona-Tests finanziert, behält Karin Bieri dennoch für sich.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. Oktober 2021 19:31
aktualisiert: 27. Oktober 2021 07:19