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Coronavirus

Ein Zuger erzählt, warum er die Contact-Tracerin belogen hat

12. Januar 2022, 16:03 Uhr
Dauer und Zweckmässigkeit der Quarantäne stehen zur Debatte. Derweil mehren sich Geschichten über unbekümmertes Verhalten Infizierter. Der Zuger Kantonsarzt spricht von Einzelfällen.
Ein Zuger trickst das Contact Tracing aus (Symbolbild)
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Hans Föhn* kann nach eigenem Bekunden schlecht lügen, schreibt die «Luzerner Zeitung». Eigentlich. Doch dann fiel sein Coronatest positiv aus. Als die Frau vom Contact-Tracing ihn nach seinen Kontakten an einem Tag fragte, da schaffte er es, die Unwahrheit zu sagen. Nein, er habe da niemanden getroffen, sagte Föhn ihr am Telefon.

Dabei hatte der 39-Jährige aus dem Kanton Zug an diesem Tag im aktuellen Winter eine Probe mit seiner Band. Dieser gehören drei Mitglieder an, die die Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 kritisieren und sich nicht impfen lassen. Damit hätten sie für zehn Tage in Quarantäne gehört. Hans Föhn sah sich in einem Dilemma stecken:

Das Motiv heisst Eigenverantwortung

Er überliess die Entscheidung ihnen. Weil er nicht der «Böse» sein wollte, der seine Kollegen verriet? «Nein», sagt Föhn, «mir geht es um die Selbstverantwortung der Leute.» Seiner Überzeugung zufolge solle jede und jeder Einzelne darüber entscheiden können, was für ihn angemessen sei, um andere zu schützen. Allerdings sei ihm bewusst, dass bei der Pandemiebekämpfung, allein auf die Eigenverantwortung zu setzen, «ziemlich sicher nicht klappen würde». Er selbst habe sich an die Quarantänevorschriften gehalten, weil «ein Verstoss sich einfach schlecht und illegal angefühlt hätte».

Es macht den Anschein, als würden Geschichten wie die von Hans Föhn in ähnlichem Masse zunehmen wie die Zahl an Corona-Angesteckten. Kontaktlisten zu erstellen, erscheint vielen lästig, zumal die meisten Personen im Umfeld geimpft sind. Ausserdem nehmen die stabile Situation in den Spitälern und die damit verbundene Diskussion über die Dauer der Quarantäne dem Ganzen wohl etwas den Schrecken.

Auch Versehen sind denkbar

Welche Erfahrungen macht die Zuger Gesundheitsdirektion? Der Kantonsarzt Rudolf Hauri stellt fest, dass «die allermeisten Personen» gut mit den Behörden zusammenarbeiten würden. Er geht von Einzelfällen aus, in denen Infizierte gegenüber dem Contact-Tracing-Center nicht alle Kontaktpersonen erwähnen, «willentlich oder unwillentlich». Über die Gründe dafür will er nicht spekulieren. Ob das Belügen der Behörde rechtliche Konsequenzen hat, ist mit Blick auf das Epidemiengesetz nicht eindeutig zu beantworten.

Im Kanton Zug befinden sich derzeit über 400 Personen in Quarantäne. In der Statistik ist ein deutlicher Rückgang der Zahl im vergangenen Dezember auszumachen, ehe sie im Januar wieder stark ansteigt. Nach den Gründen für diese Auffälligkeit gefragt, antwortet Rudolf Hauri allgemein: «Es ist zu erwarten, dass bei steigenden Fallzahlen im Verhältnis immer weniger Leute in Quarantäne müssen. Die Zahl der Quarantänefälle hat deshalb zwar auch zugenommen, aber eben nicht im gleichen Ausmass wie die Isolationen. Je besser die Durchimpfung und Durchseuchung ist, desto weniger Personen müssen im Verhältnis zur Isolation in Quarantäne.»  

Quarantäne nur noch für «sehr enge» Kontakte

Vor dem Hintergrund der offensichtlich unaufhaltsam steigenden Corona-Fallzahlen steht der Nutzen der Quarantäne zur Debatte. Seit dem 3. Januar dauert sie im Kanton Zug noch sieben statt zehn Tage. Der Kantonsarzt Rudolf Hauri setzt sich mehreren Medienberichten zufolge für eine weitere Verkürzung der Quarantäne in der ganzen Schweiz ein. Erachtet er diese Massnahme denn noch als sinnvoll? Hauri erwähnt einleitend, dass die Quarantäne seit Jahresbeginn nur für Mitbewohnerinnen und -bewohner sowie «sehr enge» Kontaktpersonen von Angesteckten vorgeschrieben ist, und ergänzt: «Da bei diesen Personen das Ansteckungsrisiko tatsächlich hoch ist, ist die Quarantäne dort nach wie vor ein wirksames Mittel – auch wenn sie nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie zu früheren Zeiten.»

*Name geändert

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 12. Januar 2022 16:03
aktualisiert: 12. Januar 2022 16:03