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Rumliegende E-Trottis

«Fixe Abstellorte wären die beste Lösung für Sehbehinderte»

Martina Birrer, 6. Oktober 2021, 09:43 Uhr
Man sieht sie ziemlich oft im Kanton Zug, die grünen E-Trottis. Teilweise flitzen Personen mit einem E-Trotti an einem vorbei, manchmal steht auch ein verlorenes E-Trotti ganz alleine auf dem Gehweg. Damit diese nicht den Weg versperren, werden sie täglich eingesamelt und wieder verteilt.
E-Trottinett von TIER auf dem Fahrradstreifen
© KEYSTONE/Christian Beutler

Seit fast drei Jahren kann man im Kanton Zug mit den elektrischen Trottinetts fahren. Vor allem in der Stadt Zug wurden die E-Trottis schnell beliebt, denn man ist schneller als zu Fuss und in die Pedalen muss man auch nicht treten. Bis zu 20 km/h erreichen die grünen Flitzer. Nach der Fahrt kann man die E-Trottis dort abstellen, wo man gerade möchte. Dieses sogenannte Free-Floating System führt jedoch immer wieder zu Problemen. Die E-Trottis versperren Einfahrten oder Wege oder werden auf Leitlinien abgestellt.

Problem für Sehbehinderte 

Dies ist ein grosses Problem für Menschen, welche eine starke Sehbehinderung haben. Deshalb ist der schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV im stetigen Kontakt mit Anbietern der E-Trottinetts. So auch mit dem Anbieter TIER, welcher in Zug seine E-Trottis anbietet. Zusammen möchten sie die Nutzer der E-Trottinetts auf die Problematik für Sehbehinderte aufmerksam machen und empfehlen, dass man die Trottis an den Rand eines Weges oder zu einem Veloständer stellt.

Auch die Stadt Zug ist bestrebt, eine Lösung für herumliegende E-Trottinetts zu finden. Sie haben die Anbieter TIER und Lime vertraglich dazu verpflichtet, die E-Trottis so schnell wie möglich abzuholen und an einen anderen Standort zu bringen. Wie TIER auf Anfrage sagt, funktioniere dies gut. Täglich sei ein E-Van im Kanton Zug unterwegs. Dieser platziert die elektronischen Trottinetts bei Bedarf um und wechselt dann die Akkus. Die Stadt Zug bestätigt auf Anfrage, dass die Abmachung mit den zwei Anbietern gut funktioniert. Im Jahr 2021 gab es lediglich vier bis fünf Reklamationen  

Schlechte Erfahrungen in der Gmeinde Risch-Rotkreuz

Anders war dies in der Gemeinde Risch-Rotkreuz. Dort hatte man in vergangener Zeit Ärger mit dem Free-Floating System. Auf die E-Trottis verzichten wollte die Gemeinde aber nicht und so hat man in Zusammenarbeit mit dem Anbieter TIER fixe Abhol- und Abstellorte – sogenannte Hubs – definiert. Seit diesem Mai kann man die E-Trottinetts nur noch bei diesen Standorten abholen und abstellen. Macht man dies nicht, kann man das E-Trotti nicht abschalten und die Kosten laufen weiter.

Wie Emre Argön, Geschäftsführer von TIER Schweiz sagt, funktioniere dies gut. Viele Nutzer und Nutzerinnen würden die E-Trottinetts regelmässig benützen. Wäre es dann nicht einfacher, wenn man überall solche Hubs einrichtet? «Nein», sagt Emre Argön. «Wir sind davon überzeugt, dass E-Trottinetts die nachhaltige und effiziente Mobilität erhöhen. Damit dies aber wirklich funktioniert und die Mikromobilität die gleiche Flexibilität wie Autos bietet, müssen viele Standorte bereitgestellt werden.» Die besten Erfahrungen hat TIER bis jetzt mit Hubs in Kombination mit Free-Floating System gemacht.

Aktuell sei jedoch eine Ausweitung der Hubs in der Stadt Zug nicht geplant. Wie die Stadt Zug auf Anfrage jedoch sagt, wäre es für die Stadt denkbar, diese Alternative zu prüfen. Auch Martin Abele vom schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband sagt: «Definierte Ausleihstationen - sogenannte Hubs - wie in Risch-Rotkreuz wären die beste Lösung für Menschen mit einer Seebeeinträchtigung. Denn auch abgestellte Trottinetts am Rande eines Weges würden irritieren, da blinde und sehbehinderte Menschen sich häufig am Bordstein orientieren.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. Oktober 2021 08:10
aktualisiert: 6. Oktober 2021 09:43