Anzeige gegen Kanton Zug

Heilmittelinspektor Čáp: «Gesundheit wird weiterhin aufs Spiel gesetzt»

Mario Trlaja, 19. August 2020, 19:00 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Nachdem er gegen seinem Arbeitgeber, die Zuger Gesundheitsdirektion, Strafanzeige eingereicht hatte, wurde Heilmittelinspektor Luděk Čáp freigestellt. Der Inspektor habe eine Hausarztpraxis zu kurzfristig kontrolliert, findet die Gesundheitsdirektion. Čáp verteidigt sich.

Sonntag, 26. Juli 2020. Es sind Sommerferien. Das Personal der Hausarztpraxis in Oberägeri hat sechs Tage die Woche alle Hände voll zu tun. Am Sonntagnachmittag meldet sich Heilmittelinspektor Luděk Čáp. Die Praxis habe keine gültige Bewilligung für den Handel mit Medikamenten und müsse dringend inspiziert werden.

«Die Inspektion darf nicht stattfinden»

Im E-Mail Verlauf, der PilatusToday und Tele1 vorliegt, diskutieren Hausarzt und Inspektor. Die Praxis sei bereits 30 Jahre alt und verlege im Oktober ohnehin ihren Standort mit topmoderner Technik, moniert der Praxisinhaber. Luděk Čáp lässt nicht locker. Die Bewilligung sei ungültig. Die Kontrolle wird auf Donnerstag, 30. Juli, angesetzt.

Die inspizierte Praxis in Oberägeri wird ab Oktober verlegt.
© PilatusToday

Am Vorabend erhält Luděk Čáp eine Sprachnachricht von Kantonsarzt Rudolf Hauri. In der Nachricht, die PilatusToday vorliegt, wird Čáp gebeten «auf ausdrücklichen Wunsch der Gesundheitsdirektion» von einer Kontrolle abzusehen. Weitere Gründe nennt Hauri am Telefon nicht: «Die Inspektion darf nicht stattfinden.»

Mehrere schwere Mängel

Nach einer Intervention von Generalsekräterin Beatrice Gross vor Ort am Tag der Inspektion, wird diese auf den 7. August verschoben (PilatusToday berichtete). Heilmittelinspektor Čáp und seine Assistentin finden insgesamt 21 Mängel vor in der Praxis. «Sechs bis zehn Mängel sind bei einer solchen Kontrolle der Normalfall», sagt Luděk Čáp auf Anfrage von PilatusToday und Tele1.

Nicht nur die Anzahl Mängel sei ungewöhnlich. «Mindestens drei Mängel sind schwer und aus meiner Sicht für die Gesundheit der Patienten eine Gefahr.» Unter anderem seien Instrumente in einem Labor desinfiziert worden, wo diese mit Blut kontaminiert werden könnten. Auch werde über herausgegebene Betäubungsmittel nicht Buch geführt.

Wieso wollte Gesundheitsdirektion Kontrolle verhindern?

Angesichts der Schwere der Mängel, sei davon auszugehen, dass die Gesundheitsdirektion um Kantonsarzt Hauri und Regierungsrat Pfister von diesen Kenntnis gehabt habe, sagt Luděk Čáp. «Man wollte verhindern, dass diese ans Licht kommen.»

Die Zuger Gesundheitsdirektion lässt auf Anfrage von PilatusToday verlauten, dass man keine inhaltliche Stellung zu den Strafanzeigen nehme. «Wir können lediglich betonen, dass es der Gesundheitsdirektion in keinem Augenblick darum ging, eine ordentliche Inspektion in üblicher Frist zu verhindern», schreibt die Gesundheitsdirektion.

Auf die Frage, ob die Inspektion während den Sommerferien zu kurzfristig angeordnet wurde, verneint der freigestellte Inspektor. «Es gibt keine üblichen Fristen für Praxisinspektionen. Diese finden auch während den Sommerferien statt.»

Luděk Čáp hält an seiner Entscheidung, seinen Arbeitgeber anzuzeigen, fest. Er sei lediglich unglücklich, dass die betroffene Praxis weiterhin geöffnet sei. «Die Gesundheit der Bevölkerung wird aufs Spiel gesetzt.»

Der betroffene Hausarzt will sich nicht zum Vorfall äussern.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. August 2020 18:53
aktualisiert: 19. August 2020 19:00