Zug

In Pflegeheim steckten sich Geimpfte mit Corona an – Kantonsarzt entwarnt

31. März 2021, 13:00 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Im Februar kam es in einem Zuger Pflegeheim zu einem Corona-Ausbruch. Das Erstaunliche: Mehrere Personen, die positiv getestet wurden, hatten bereits eine Corona-Impfung erhalten. Der Zuger Kantonsarzt gibt Entwarnung.

In einem Untersuchungsbericht im Auftrag der Zuger Gesundheitsdirektion, der PilatusToday und Tele 1 anonymisiert vorliegt, wird der Vorgang als «bemerkenswert» eingestuft. Nachdem anfangs Februar ein Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet wurde und anschliessend mit schweren Symptomen ins Spital eingeliefert werde musste, entschied die Heimleitung alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeitenden, die Kontakt zur erkrankten Person hatten, zu testen. Dabei fielen von 15 Tests acht positiv aus. Und dies obwohl fünf der Infizierten vollständig geimpft waren.

«Die Impfung hat die Bewohnerinnen und Bewohner nicht signifikant vor einer Infektion geschützt», heisst es im Bericht. Von den elf Geimpften auf dem Stockwerk habe sich fast die Hälfte angesteckt. Aber der Impfstoff habe wahrscheinlich schwere Verläufe verhindert, nur zwei geimpfte Personen spürten leichte Symptome. Welche Rolle das Personal beim Ausbruch spielte, bleibt aufgrund fehlender Daten unklar. Auch werde «mit hoher Wahrscheinlichkeit» ausgeschlossen, dass es sich um eine neue Corona-Variante gehandelt habe.

Möglicherweise früher angesteckt

Auch für den Zuger Kantonsarzt und Präsident des Verbands der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte Schweiz, Rudolf Hauri, kam der Ausbruch überraschend. «Wir haben die Fälle angeschaut, untersucht und können Entwarnung geben.» Man habe festgestellt, dass die Personen wahrscheinlich angesteckt wurden, bevor der Impfschutz vollständig ausgeprägt war. Weiter betont Hauri, dass der Impfschutz gewährleistet sei: «Die Krankheitsverläufe waren sehr mild bei den betroffenen Personen.»

Im Untersuchungsbericht wird es so formuliert: «Ausserdem wäre es durchaus möglich, dass ein Grossteil der BW (Bewohner) schon zu einem früheren Zeitpunkt angesteckt wurde.» Eine andere Möglichkeit sieht Christian Münz, Viren-Immunbiologe an der Universität Zürich. Er vermutet, dass ein Superspreader den Ausbruch ausgelöst hat. «Eine infizierte Person, beispielsweise eine Besucherin oder ein Betreuer, könnte eine sehr hohe Viruslast gehabt und damit trotz robuster Immunantwort der hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohner eine Infektion ausgelöst haben», so Münz gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Schwere Verläufe und Todesfälle verhindert

Positiv zu werten ist, dass die Impfung schwere Verläufe und Todesfälle verhindert hat, wie Hauri betont. «Wir haben absolutes Vertrauen in den Impfstoff.» Was man jedoch noch nicht mit Sicherheit wisse, ist, ob die Impfung auch die Übertragung des Coronavirus verhindere.

Christian Münz, Viren-Immunbiologe an der Universität Zürich, erklärt es gegenüber dem «Tages-Anzeiger» so: «Der RNA-Impfstoff bewirkt keine sterilisierende Immunität.» Im Blut und im Gewebe treten zwar Antikörper auf, die das Virus bekämpfen und eine Erkrankung verhindern, jedoch nicht in den Schleimhäuten. Somit kann das Virus auch bei Geimpften den Rachenraum infizieren. «Erst nach einer gewissen Zeit wird es dann durch Antikörper und Immunzellen neutralisiert», so Münz. Weitere Ausbrüche analog zum Zuger Fall könnten also folgen und weil die Infektionen asymptomatisch verlaufen, spät entdeckt werden.

(hch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. März 2021 17:07
aktualisiert: 31. März 2021 13:00