Psychische Probleme

Mehr Kinder und Jugendliche brauchen Hilfe – Zug baut Angebot aus

7. September 2022, 18:12 Uhr
Die Corona-Pandemie war für viele eine grosse Belastung. Insbesondere Kinder und Jugendliche haben stark darunter gelitten. Um die gestiegene Nachfrage decken zu können, baut der Kanton Zug nun seine ambulante Kinder- und Jugendpsychiatrie aus.

Quelle: Tele 1

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Fernunterricht und kaum soziale Kontakte: Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie waren eine grosse Herausforderung für die psychische Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher.

Hilfesuchende warten bis zu sechs Monate

Die Zahl der Jugendlichen, die depressiv sind, hat sich gegenüber dem Zeitraum vor der Pandemie verdrei- bis vervierfacht, heisst es bei der Integrierten Psychiatrie Uri Schwyz und Zug Triaplus. «Wer auf unserer Warteliste steht, wartet ungefähr sechs Monate auf einen Platz», sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jörg Leeners.

Derzeit müssen Leeners und sein Team deshalb priorisieren, wer wann behandelt wird. «Das ist sehr schwierig. Früher standen Hilfesuchende rund zwei Wochen auf der Warteliste.» Hinzu kommen die Krisen, also Notfälle, für die in jedem Fall ein Therapieplatz gefunden wird. «Früher hatten wir eine Krise im Monat, heute sind es zwei bis drei Krisen pro Woche.»

Viele Jugendlichen mit Suizidgedanken

Dies sei eine starke Belastung für das Team. «Diese Kinder oder Jugendlichen müssen intensiv behandelt werden. Da reicht nicht einfach ein Gespräch. Durch solche Fälle stossen die Mitarbeitenden an ihre Belastungsgrenze.» Während vor der Pandemie hauptsächlich Jugendliche wegen ADHS oder Ängsten behandelt werden mussten, sind es derzeit viele, die bereits Selbstmordversuche unternommen haben, depressiv sind oder nicht mehr zur Schule gehen, führt Leeners aus.

Quelle: PilatusToday / David Migliazza

Weshalb die Zahl der hilfesuchenden Kinder und Jugendlichen trotz Ende der Pandemie nicht abnimmt, sei schwierig einzuschätzen. Auch andere Lebensumstände wie etwa die zunehmende Bedeutung von sozialen Medien hätten «potenziell negative Auswirkungen».

Zusätzliche Psychologen werden angestellt

Um die Warteliste zu verkleinern und mehr Jugendlichen helfen zu können, haben der Kanton Zug und Triaplus nun reagiert. Sie haben das Angebot am Standort Baar ausgebaut. «In Baar hatten wir zu wenig Kapazitäten. Nun konnten wir Räume dazumieten. Diese zusätzlichen Räume ermöglichen es uns, zusätzliches Personal einzustellen.»

Konkret erhalten vier zusätzliche Kinder- und Jugendpsychologinnen oder -psychologen eine Stelle, sagt der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister: «Ziel ist, dass es den Kindern besser geht.» Zusätzlich zu den Plätzen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei es wichtig, Massnahmen für die psychische Gesundheit an den Schulen voranzutreiben. Denn auch Pfister spricht von einer angespannten Lage.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. September 2022 16:50
aktualisiert: 7. September 2022 18:12