Musiker aus Baar

«Selten war meine Agenda so leer»

6. September 2020, 10:38 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Du willst nach dem Studium durchstarten und dann kommt Corona. Ein junger Baarer Posaunist erlebte ein sehr spezielles Premierenjahr als freischaffender Musiker. Er fand jedoch einen kreativen Weg, seine Musik trotz Corona seinem Publikum zu präsentieren.

Jonas Inglin, Posaunist aus Baar, schloss vergangenen Sommer seinen Master in Musikpädagogik an der Hochschule Luzern ab. Inglin startete danach ins Berufsleben mit der Absicht, sein Einkommen grösstenteils als freischaffender Musiker zu verdienen. «Ich habe ein kleines Pensum an einer Musikschule und dirigiere ein Blasorchester. Das sind meine einzigen fixen Einnahmen.»

Der Start ins Berufsleben war eine grosse Umstellung. Inglin benötigte einige Monate, um sich in seiner neuen Situation zurechtzufinden. «Im letzten Sommer war ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht in Ausbildung.» Sein erstes halbes Jahr als freischaffender Künstler war ruhiger als gewollt. «Anfang 2020 hatte ich viele Engagements und war in meiner Rolle als Selbstständiger angekommen.»

Üben und keiner hört zu

Genau in dieser Phase kam der Lockdown. «Ich war zu Beginn sehr optimistisch und hätte nicht gedacht, dass Corona auch im September noch ein Thema sein wird.» Doch mit dem Andauern der Situation hatte Inglin Mühe mit der Motivation. «Ein grosser Teil meines Jobs ist es, das Handwerk am Instrument zu pflegen. Irgendwann kam jedoch der Moment, in welchem ich realisierte, dass ich in nächster Zeit für niemanden spielen werde.» Mit der Zeit erkannte er positive Aspekte. «Durch die Krise hatte ich mehr Zeit, die Dinge zu tun auf dem Instrument, welche ich wirklich möchte.»

Auftritte vor Publikum waren für Jonas Inglin in den letzten Monaten eine Seltenheit.

© PilatusToday

«Der Blick in die Agenda war sehr speziell. Sie war selten so leer», sagt der Baarer. Durch seine Festanstellungen kann Inglin die konzertfreie Zeit finanziell einigermassen unbeschadet überstehen. «Ich konnte meine neu gewonnene Flexibilität sogar geniessen. Doch es war auch sehr beängstigend, da man nicht wusste, ob und wann die Normalität wieder zurückkehrt.»

Mit dem Konzertpublikum auf Wanderschaft

Jonas Inglin tritt seit einigen Jahren mit dem Zuger Saxophonisten Linus Amstad als Duo auf. Sie haben einen kreativen Weg gefunden, ihre Musik an die neue Normalität anzupassen. «Wir verbinden zwei Konzerte mit einer kleinen Wanderung in und um unsere Heimatstadt Zug.» So spielten die beiden Musiker an den vergangenen Sonntagen bereits unter einer Autobahnbrücke und bei stürmischem Wetter auf dem Zugerberg. «Wir wollen unserem Publikum zeigen, was neben der Musik alles zur Stimmung eines Konzertes beitragen kann und ein kleines Abenteuer kreieren», erklärt Inglin.

Heute Sonntag findet die letzte Konzertwanderung des Duos AMSTAD-INGLIN statt. Gestartet wird um 14:00 Uhr im historischen Burggraben der Burg Zug.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. September 2020 08:56
aktualisiert: 6. September 2020 10:38