Kanton Zug

Steuern zahlen mit Bitcoin – alles nur Marketing?

Tobias Hotz, 4. September 2020, 07:55 Uhr
Ab Februar 2021 können im Kanton Zug Steuerschulden mit Kryptowährungen beglichen werden. Der Kanton Zug zementiert seine Vorreiterrolle als Crypto Valley weiter. Eine grosse Nachfrage wird jedoch nicht erwartet.

Seit Sommer 2016 akzeptiert die Stadt Zug Bitcoins als Zahlungsmittel. Nun zieht der Kanton Zug nach. Natürliche und juristische Personen können ab Februar 2021 ihre Steuerschulden mit Bitcoins oder Ether bezahlen. «Als Crypto Valley ist es uns wichtig, den Einsatz von Kryptowährungen im Alltag weiter zu fördern und zu vereinfachen», sagt Finanzdirektor Heinz Tännler.

Der Kanton arbeitet mit der Firma Bitcoin Suisse zusammen. Diese übernimmt auch das Risiko von Schwankungen im Krypto-Wechselkurs. 

© KEYSTONE/PETRA OROSZ

Kryptowährungen sind sehr starken Kursschwankungen ausgesetzt. Der Kanton trage dennoch kein Risiko. «Wir gehen mit der neuen Zahlungsmethode kein Risiko ein, da wir den Betrag immer in Schweizer Franken erhalten», so Tännler.

Marketingmassnahme oder Bedürfnis der Bevölkerung?

Für Finanzexperte Martin Spieler ist der Fall klar. «Das ist eine reine PR-Geschichte für den Finanzplatz Zug. Der normale Steuerzahler wird weiterhin auf klassische Weise seine Steuern bezahlen.» Es sei jedoch ein cleverer Schachzug, um sich weltweit als innovativer und kryptofreundlicher Standort zu positionieren.

«Natürlich spielt es eine Rolle, unser Image als dynamischer Kanton aufzupolieren, welcher das Crypto Valley beheimatet hat», gibt Heinz Tännler auf Anfrage zu. «Doch wir haben tatsächlich Adressaten, welche das Bedürfnis haben, in einer Kryptowährung Steuern zu bezahlen.» Einen Sturmlauf auf das neue Angebot erwartet Tännler dennoch nicht. «Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage überschaubar bleiben wird.» Der Erfolg des Projektes ist für Tännler auch nicht an die Häufigkeit der Nutzung gekoppelt. «Es ist bereits jetzt als Erfolg zu werten. Es zeigt die Dynamik unseres Kantons und den Glauben an Innovation.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. September 2020 06:29
aktualisiert: 4. September 2020 07:55