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Unmenschliche Bedingungen auf Chamer Baustelle: Toiletten sind in miserablem Zustand

Hygiene

Unmenschliche Bedingungen auf Chamer Baustelle: Toiletten sind in miserablem Zustand

· Online seit 07.01.2024, 09:02 Uhr
Fäkalien auf Toilettenrändern, kaum fliessendes Wasser und keine Seife. Gemäss einem Arbeitnehmer lassen die sanitären Anlagen auf der Baustelle hinter dem Sportzentrum OYM zu wünschen übrig.
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Arbeiten auf einer Baustelle 20 Menschen, braucht es für diese mindestens eine Toilette, deren Reinigung und Unterhalt die nötige Aufmerksamkeit zu schenken ist. So steht es in der «Wegleitung zu den Verordnungen 3 und 4 zum Arbeitsgesetz» geschrieben. Das Dokument stammt aus dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco.

So lautet die Theorie. In der Praxis lassen die Reinigungsarbeiten auf den stillen Örtchen zu wünschen übrig. Das zeigt eine Recherche der Luzerner Zeitung auf verschiedenen Websites von Branchenverbänden. So schreibt etwa der Arbeitgeber- und Berufsverband EIT.swiss, dass sich Mitarbeitende nach wie vor mit fragwürdigen Bedingungen konfrontiert sehen würden.

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Toilette ist schmutzig

Die Bauarbeiter, die zurzeit ein neues Quartier in Cham errichten, wissen das aus eigener Erfahrung. Bilder und Videos der sanitären Anlagen der Baustelle des Bauprojekts «Chama», bestätigen dies. Es seien Bilder, die selbst den hartgesottensten Open-Air-Gänger leer schlucken lässt, heisst es in der Luzerner Zeitung.

Fäkalien auf den Toilettenrändern, Pyramiden aus gebrauchtem WC-Papier, keine Seife, kaum fliessendes Wasser – die Toiletten befänden sich gemäss einem Arbeitnehmer die meiste Zeit in einem miserablen Zustand. Er spricht von «unmenschlichen Bedingungen»! Die Ursache des Übels sieht er in zwei Gründen: Erstens habe es für die 150 bis 200 Arbeitnehmenden auf der Baustelle zu wenige Toiletten und zweitens würden die Anlagen viel zu selten geputzt.

Firma hält sich an Regeln

Für die Reinigung der WC-Anlagen, für das Vorhandensein von WC-Papier und Seife ist der Totalunternehmer zuständig. In diesem Fall ist dies die Halter AG mit Sitz in Schlieren ZH. Das zeigt eine Anfrage der Luzerner Zeitung bei der Hiag AG. Hiag schreibt dazu, dass auf der Baustelle zwischen 50 und 100 Mitarbeitende beschäftigt seien. Zu den Spitzenzeiten während des Rohbaus, seien es knapp 150 gewesen. Für sie würden ein Sanitärcontainer mit drei Pissoirs und drei WCs sowie fünf mobile Toitois zur Verfügung gestellt. Die Anlagen würden ein- bis zweimal die Woche gereinigt.

Falls diese Angaben stimmen, hat sich die Hiag wenigstens zahlenmässig an die Regeln gehalten. Schmutzig sei es aber trotzdem. Dass der Reinigung und dem Unterhalt der Anlagen aber «die nötige Aufmerksamkeit» geschenkt wurde, kann angesichts der Bilder, die der Luzerner Zeitung vorliegen, nicht behauptet werden. Wie die Bauherrin schreibt, habe man die Angelegenheit mit dem Totalunternehmer Halter besprochen. «Dieser ist sich der Thematik bewusst und darauf sensibilisiert», schreibt die Hiag. Für sie sei die geschilderte Situation «nicht akzeptabel».

Man habe die sanitären Anlagen an verschiedenen Bausitzungen besprochen und es seien Massnahmen ergriffen worden, um den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden gerecht zu werden. Eine dieser Massnahmen sei die Bereitstellung der fünf mobilen Toitois gewesen. Diese habe man installiert. Das war jedoch im Frühjahr/Sommer 2023, also Monate bevor der Arbeitnehmer mit der Zeitung Kontakt aufnahm.

Festtage seien Grund gewesen

Weiter schreibt die Bauherrin, dass es sich bei den Schilderungen, mit denen sie konfrontiert wurde, um «eine Ausnahmesituation» handle. Diese sei dem Umstand geschuldet, dass in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gearbeitet worden war, der Baumeister Estermann jedoch abwesend gewesen sei. Deshalb seien die Toiletten während dieser Zeit nicht so kontrolliert und gereinigt worden, «wie sonst üblich».

Diese Begründung wäre einigermassen nachvollziehbar, vielleicht sogar verständlich. Nur: Das Bild- und Videomaterial wurde der Luzerner Zeitung bereits vor den Festtagen zugeschickt. Auf eine erneute Anfrage zu diesem konkreten Punkt geht die Hiag nicht weiter ein. Die Bauherrin betont aber, dass es ihr wichtig sei, den auf der Baustelle tätigen Arbeitnehmenden ausreichende und saubere sanitäre Anlagen zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit dem Totalunternehmer Halter sei man darum besorgt, dass «diese Situation nicht wieder eintritt»

(red.)

veröffentlicht: 7. Januar 2024 09:02
aktualisiert: 7. Januar 2024 09:02
Quelle: PilatusToday

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