«Schilderwald» ignoriert

Velofahrer missachten in Zug Einbahnstrasse und stürzen sich Autofahrern entgegen

Tobias Hotz, 8. Juni 2022, 08:28 Uhr
Selbst Betonblöcke hindern Velofahrer nicht, die Cholrainstrasse hinunterzufahren. Sie fahren Autos entgegen, die nicht mit Gegenverkehr rechnen. Dass der Einbahnverkehr ignoriert wird, ärgert nicht nur Hunderte auf Facebook, sondern auch den Zuger Baudirektor. Den Verkehrssündern droht nur eine geringe Busse.
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Im Januar begannen die Sanierungsarbeiten auf der Strasse, die das Ägerital mit dem Rest des Kantons Zug verbindet. Zwischen Nidfuren und Schmittli muss die über hundertjährige Brügglitobelbrücke saniert werden. Die Folge ist eine Totalsperrung der Strasse. Der Verkehr ins Ägerital wird mit einem überdimensionierten Kreisel geregelt. Über Allenwinden fährt man ins Ägertial und über Edlibach gelangt man ins Tal.

So rollt der Verkehr im Schmittli: Von links kommt man von Allenwinden und fährt in Richtung Ägerital. Rechts geht es über Edlibach nach Zug.

Auf der kurvigen Strasse vom Schmittli hoch in Richtung Edlibach gilt daher bis Sommer 2023 Einbahnverkehr. Doch trotz gut sichtbarer Signalisation bedeutet dies für Autofahrer nicht freie Fahrt. Eine Facebook-Userin nervt sich über Velofahrer, welche die Einbahn-Signalisation ignorieren. «Möchtest du da wirklich mit deinem Fahrrad entgegenfahren? Bist du wirklich so lebensmüde?», schreibt sie am Montagmorgen auf Facebook. Mittlerweile wurde der Post über 440 Mal geteilt.

Liebe Fahrrad-Fahrer 🚴🚴‍♂️ Wir haben seit ein paar Monaten eine grosse Baustelle und Umfahrung im Kanton Zug, welche...

Posted by Damaris Nussbaumer on Sunday, June 5, 2022

Auch in der Zuger Baudirektion hat man Kenntnis von den Velofahrern, die sich den ahnungslosen Autofahrern entgegenstürzen. «Ich würde wahrscheinlich nicht klatschen, wenn ich einem dieser Velofahrer begegne», sagt der Zuger Baudirektor Florian Weber. Er würde die Verkehrssünder belehren. «Es können sehr gefährliche Situationen entstehen.»

Nach dem Baustart habe man festgestellt, dass die Signalisation nicht sehr wirkungsvoll sei. «Mittlerweile steht ein wirklicher Schilderwald und Betonelemente. Es wird also bewusst diese Strecke gewählt», so Weber. Nur gezielte Kontrollen der Zuger Polizei hätten eine Besserung gebracht.

Im Januar freute sich Florian Weber über den Baustart

Quelle: Tele 1

Die Zuger Polizei führt keine Statistik über die Zahl der Verkehrssünder auf der Cholrainstrasse.  «Gestützt auf unsere eigenen Wahrnehmungen sowie Meldungen aus der Bevölkerung können wir bestätigen, dass die klar signalisierte Verkehrsführung von Verkehrsteilnehmenden missachtet wird», bestätigt die Zuger Polizei auf Anfrage.

Zu Verkehrsunfällen sei es noch nicht gekommen. Erwischt die Polizei einen Velofahrer bei der riskanten Abkürzung, gibt es eine Busse von 30 Franken.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Juni 2022 19:41
aktualisiert: 8. Juni 2022 08:28