Ferienzeit

Sommer, Sonne, Sackgeld: Ferienjobs liegen im Trend

Livia Barmettler, 27. Juni 2022, 13:58 Uhr
Bald stehen die Sommerferien vor der Tür. Die einen bauen Sandburgen und tanken Sonne – andere wollen etwas Sackgeld verdienen. Besonders beliebt sind Jobs auf Bauernhöfen. Hier erfährst du, wie du an einen solchen Ferienjob kommst und warum dir das weit mehr bringt als nur Sackgeld.
Mitanpacken in den Sommerferien: Vor allem Einsätze auf Bauernhöfen sind sehr beliebt.
© Agriviva

Sechs Wochen Sommerferien! Ganz schön viel Zeit für faulenzen und Co.! Zu viel, finden zahlreiche Kinder und Jugendliche und suchen sich für die Sommerferien einen temporären Job. Die Auswahl ist breit: Vom Verkaufstresen in der Migros über Babysitting und Zügeln helfen bis hin zum mehrwöchigen Einsatz auf dem Bauernhof ist alles mit dabei.

Gerade Letzterer weckt zurzeit grosses Interesse bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wie der Verein Agriviva anfangs Woche in einer Mitteilung schreibt.

Unbürokratisch

Agriviva vermittelt Interessierte an Bauernhöfe in der ganzen Schweiz. Alle zwischen 14 und 24 Jahren können sich – ohne viel Bürokratie – ein Profil zu legen und ihr Wunschzeitraum und die Wunschregion angeben. Zudem kann man wählen, welche Arbeit man auf dem Hof verrichten möchte: Lieber im Stall, beim Obstanbau oder doch auf der Alp? Je nachdem, wo die Präferenzen liegen, sucht Agriviva nach dem perfekten Match – und los geht es.

Rasch und unbürokratisch: Die Suche nach dem perfekten Bauernhof geht mit ein paar wenigen Klicks.
© Screenshot / agriviva

«Eins verbindet alle: Den Wunsch, draussen was zu erleben»

Agriviva verzeichnet nicht nur grosses Interesse an den Bauernhof-Einsätzen, sondern auch eine sehr grosse Vielfalt an Interessierten. «Unsere Zielgruppe lässt sich soziodemografisch kaum definieren. Eins aber verbindet sie alle: Das Interesse an der Natur und den Wunsch, draussen was zu erleben», so der Geschäftsführer von Agriviva, Ueli Bracher.

Der Ferienjob auf dem Bauernhof ist eine schöne Gelegenheit, etwas zu erleben. Es geht dabei nicht ums Geld.

© KEYSTONE/Martin Ruetschi

Geld spielt Nebenrolle

Gerade aufgrund dieses Wunsches und weil das Erlebnis im Zentrum stehe, gäbe es auch nie Diskussionen aufgrund des Lohnes. Dieser fällt pro Tag zwischen 12 und 20 Franken aus und wird auf der Website von Agriviva offen dargelegt.

Inklusive seien Kost und Logie, der Verdienst werde dem Alter entsprechend geregelt. «Der Lohn ist viel eher Sackgeld, als Lohn – das wird von Anfang an auch so kommuniziert», so Ueli Bracher. Die Bauern seien dazu verpflichtet, die Vorgaben einzuhalten, hätten aber freien Spielraum nach oben: «Je nach Vorkenntnisse der Jugendlichen können sie den Lohn anpassen.» Das System funktioniere gut: «Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht.»

«Es hat noch Plätze»

Dass das System funktioniert, zeigen auch die vielen eingehenden Anmeldungen. Es sind so viele, dass jene, die diesen Sommer noch einen Einsatz leisten möchten, sich am besten möglichst bald anmelden sollten: «Es hat noch Plätze, grundsätzlich decken sich Nachfrage und Angebot erfahrungsgemäss. Aber es ist sicher gut, sich jetzt anzumelden», so Ueli Bracher.

Sprachkurs inklusive

Da Bauernhöfe in der ganzen Schweiz Plätze anbieten, sei es im Übrigen auch gut möglich, sprachraumübergreifend einen Einsatz zu leisten. Dieses Angebot sei auffallend beliebt: Fast jeder vierte entscheidet sich für einen Bauernhof, auf dem eine andere Sprache gesprochen wird: «Es ist eine tolle Möglichkeit, neben der Erfahrung auf dem Hof auch sprachliche Kenntnisse aufzubessern. Deswegen ist die Romandie bei den Deutschschweizern beispielsweise sehr beliebt.»

«Ferienjobs sind mehr als Spass, Sprachkurs und Sackgeld»

Nebst viel Spass und etwas Sackgeld ist ein Ferienjob laut Regionalleiter von Pro Juventute Zentralschweiz, Christian Imfeld, auch eine wertvolle Möglichkeit, sich selbst durch den Kontakt mit dem neuen sozialen Umfeld weiterzuentwickeln. «Zudem lernen sie dabei viel über die Produktion von Lebensmitteln, das Pflegen des natürlichen Lebensraums und idealerweise auch über Nachhaltigkeit und Umweltschutz», so Imfeld.

Habe gelernt, wie ich meinen Küchenboden selbst plättle

Da die Ferienjobs sehr unterschiedlich sind, kann vielseitig profitiert und bei jedem neuen Job wieder etwas Neues mitgenommen werden.

Christian Imfeld spricht aus eigener Erfahrung: «Ich habe früher, während dem Gymnasium und dem Studium, selbst in den Ferien auf dem Bau gearbeitet und dabei gelernt, wie ich meinen Küchenboden selbst «plätteln» kann.»

Ein Ferienjob hilft zu verstehen, woher das Geld für den Kinobesuch oder für das Smartphone kommt.

© AP Photo/Julio Cortez

Wissen, woher das Geld für den Kinobesuch kommt

Ferienjob-übergreifend stellt Christian Imfeld fest, dass Kinder und Jugendliche auch wertvolle Sozialkompetenzen gerade durch die Zusammenarbeit und den Austausch mit älteren Arbeitskollegen und -kolleginnen erwerben. «Und natürlich kommt das Thema Umgang mit Geld dabei auch zum Tragen. Kinder und Jugendliche lernen, was es bedeutet, das Geld für einen Kinobesuch oder das lang ersehnte Smartphone zu verdienen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. Juni 2022 11:51
aktualisiert: 27. Juni 2022 13:58
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