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Nationalratspräsident

«Sauerei, dass wir das Bundeshaus überhaupt einzäunen müssen»

17. September 2021, 13:55 Uhr
Schätzungsweise drei- bis viertausend Menschen haben am Donnerstagabend in der Berner Innenstadt gegen die Corona-Massnahmen demonstriert. Als Teilnehmer an einem Zaun vor dem Bundeshaus rüttelten, setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
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Quelle: CH Media Video Unit / TeleBärn

Man habe den Demonstrierenden genügend Möglichkeiten gegeben, sich vom Zaun vor dem Bundeshaus zu entfernen. Den Angriff auf die Absperrung erachtet Reto Nause als «Überschreitung einer roten Linie». Klare Worte des  Berner Sicherheitsdirektors. Er spricht von einem militanten und gewaltbereiten Kern unter den Massnahmengegnern. Dieser würde davon profitieren, dass sich eine Mehrheit der Skeptikerkreise friedlich äussert.

Ähnlich klar äusserte sich Nationalratspräsident Andreas Aebi. Es sei «eine Sauerei», dass man das Bundeshaus während einer Session überhaupt habe einzäunen müssen. Den Polizeieinsatz gegen die renitenten Demonstranten findet der Aebi absolut richtig.

Wasserwerfer-Einsatz mit Ansage

Nach einem Aufruf, mit dem Rütteln an diesem am Boden verankerten Zaun aufzuhören, kam es auch zu einem Einsatz von Gummischrot. Zudem versprühte die Berner Kantonspolizei Reizstoff. Dies aber in geringen Mengen, wie nach Schluss der unbewilligten Kundgebung Sicherheitsdirektor Reto Nause auf Anfrage sagte.

Die Berner Kantonspolizei meldete per Twitter, es habe einen Verletzten gegeben. Dies nach der Konfrontation von Personengruppen. Nachdem die Polizei den Wasserwerfer einsetzte, warfen Demo-Teilnehmer Gegenstände in Richtung Bundeshaus und zündeten Feuerwerk.

Auf die Frage, ob der Schutzzaun, der auch schon bei anderen Gelegenheiten vor dem Bundeshaus installiert worden war, denn nicht fest verankert sei, sagte Nause, das sei der Fall. Doch seien Leute hochgeklettert und diese Sperre sei tabu. Die Leute seien ja zuvor «abgemahnt» worden.

Massnahmen-Gegner skandieren: «Ueli, Ueli»

Lautstarke «Ueli»-Rufe bei den Corona-Protesten vor dem Bundeshaus: Massnahmen-Gegner skandierten den Namen des SVP-Bundesrats Ueli Maurer. Erst kürzlich sorgte ein Foto von Maurer in einem Hemd der Skeptiker-Gruppe «Freiheitstrychler» für Aufsehen. Die Trychler führten auch die Kundgebung vom Donnerstagabend in Bern an.

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Quelle: CH Media Video Unit / YouTube

«Zerti-Diktat Nein»

Die Kundgebungsteilnehmer waren am früheren Abend beim Bahnhof losgezogen und marschierten dann in einem langen Zug durch die Berner Altstadt. Zu sehen waren Transparente wie «Zerti-Diktat Nein» und «Freiheit statt digitale Diktatur». Immer wieder rief die Menge «Liberté, Liberté», französisch für «Freiheit».

Zweimal während des Umzugs stellte sich eine Gruppe von mutmasslichen Mitgliedern von Berns links-alternativer Szene dem Umzug in die Quere. Es kam zu Gerangeln. Mit gelben Westen ausgestattete Demonstranten entfernten am Rand des Bundesplatzes resolut die quer über die Strasse gestellten Absperrgitter.

Voraus die Freiheitstrychler

Der Umzug startete, als die sogenannten Freiheitstrychler auf dem Bahnhofplatz angekommen waren, und die Menge verliess den Bundesplatz, als diese Trychler in Richtung Bahnhof aufbrachen. Kurz zuvor hatte die Polizei die Kundgebungsteilnehmer aufgerufen, die unbewilligte Kundgebung zu verlassen. Sonst werde sie aufgelöst.

Aufgerufen worden war zur Kundgebung in den Sozialen Medien. Zahlreiche Schweizerfahnen und Kantonsfahnen waren zu sehen. Den Wappen nach zu urteilen, kamen die Teilnehmer aus mehreren Kantonen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 16. September 2021 23:16
aktualisiert: 17. September 2021 13:55