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Schlafexperte erklärt

«Die Schlummertaste ist eigentlich ein Selbstbetrug»

Martina Birrer, 10. November 2021, 16:38 Uhr
Wer kennt es nicht: Das Wetter ist grau und kalt, das Bett jedoch kuschelig und warm. Dann klingelt der blöde Wecker, der dich zum Aufstehen zwingt. Intuitiv drücken wir sofort die Schlummertaste, denn jede Minute mehr Schlaf ist Gold wert. Doch funktioniert das wirklich?
Mit der Schlummerfunktion des Weckers begehen wir laut dem Schlafexperten einen «Selbstbetrug».
© Getty

«Wenn du es dir leisten kannst, jeden Morgen zwei oder drei Mal die Schlummertaste zu drücken, warum stellst du dann deinen Wecker nicht einfach gleich 30 Minuten später?» Diese Frage stellt mir Schlafexperte Sebastian Zaremba, als ich ihn interviewe. Ich antworte, dass ich mir so mehr Schlaf erhoffe. Doch bereits während meiner Antwort wird mir klar: Das funktioniert so nicht.

Jeden Morgen werden wir vom Wecker brutal aus dem Schlaf gerissen. «Dann geht der Blutdruck hoch und die Herzfrequenz steigt, teilweise kommen noch Stresshormone dazu», sagt der Schlafexperte. Diesen Stress hat man normalerweise nur einmal am Morgen, mit der Schlummertaste wiederholt sich dieser jedoch wieder und wieder.

Gesundheitsschädlich ist das laut dem Schlafexperten nicht, aber: «Es führt dazu, dass der Schlaf zwischen den Weckern weniger erholsam ist. So verfehlt man sein Ziel, mehr Schlaf zu erhalten. Die Schlummertaste ist eigentlich ein Selbstbetrug.»

Deshalb empfiehlt Zaremba, genau zu überlegen, wann man aufstehen muss und seinen Wecker dementsprechend zu stellen. Einfacher gesagt als getan, dachte ich mir. Denn wenn man seit Monaten jeden Morgen die Schlummertaste benutzt, ist es schwierig, davon wegzukommen.

Öffnet eure Rollläden! 

Um schneller aus dem Bett zu kommen, hat Sebastian Zaremba einige Tipps für uns. Zum Beispiel hilft einem das Tageslicht (PilatusToday berichtete). Die Ausschüttung von Melatonin, ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, wird mit dem Tageslicht unterdrückt. Dem Gehirn wird dadurch gesagt, dass es jetzt Tag ist und man aufstehen soll. Da die meisten mit geschlossenen Rollläden schlafen, sollte man diese am Morgen möglichst schnell öffnen. Alternativ gibt es auch einen Wecker, welcher das Tageslicht simuliert und einem so beim Aufwachen unterstützt.

Dr. med. Sebastian Zaremba, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin Luzern

© ZURZACH Care AG

Ein weiterer Tipp sind regelmässige Aufsteh- und Liegezeiten. «Steht man jeden Tag um 6.15 Uhr auf, soll man das auch am Wochenende beibehalten.» Zusätzlich sollte man sich laut dem Schlafexperten überlegen, warum man so Müde ist. «Hatte man zu wenig Schlaf wegen der Party von gestern Abend? Oder hat man vielleicht eine Schlafstörung wie zum Beispiel Beine bewegen oder Atempausen? Diese Fragen soll man sich stellen und dementsprechend auch Rat bei einem Experten holen.»

Schlummern ja oder nein?

Die Schlummertaste ist also nicht gesundheitsschädlich, doch zu mehr Schlaf kommen wir damit nicht. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich werde versuchen, die Schlummertaste etwas weniger zu drücken. Dieses Ziel möchte ich mithilfe des Tageslichts erreichen. Auf das regelmässige frühe Aufstehen auch am Wochenende verzichte ich aber lieber.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. November 2021 08:16
aktualisiert: 10. November 2021 16:38