Fertig fremdes Login

Netflix will Account-Sharing kostenpflichtig machen

Maurus Held, 19. Oktober 2022, 11:46 Uhr
Nachdem die Abo-Zahlen zuletzt gesunken sind, will Streaming-Dienst Netflix dem Teilen von Anmeldedaten nicht weiter tatenlos zusehen. Von den neuen Kosten betroffen sein könnten weltweit rund 100 Millionen Haushalte.
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Das Weitergeben der Login-Daten eines Accounts an andere ist Streaming-Dienst Netflix ein Dorn im Auge – deshalb will der US-Konzern nun dagegen vorgehen, wie er seinen Aktionären am Dienstag mitgeteilt hat. Ab Januar 2023 soll folglich weltweit eingeführt werden, was in mehreren Ländern Südamerikas bereits gilt: Dort wird für das Account-Sharing jeweils knapp drei Dollar verlangt.

Verstösse wurden kaum geahndet

Laut den Netflix-Nutzungsbedingungen darf ein Account nur mit anderen Personen aus demselben Haushalt geteilt werden. Ein Haushalt ist für Netflix ein gemeinsamer Wohnort – wer nicht zusammenlebt, darf seinen Account auch nicht teilen. Diese Regelung gilt zwar schon lange, Verstösse wurden von Netflix bislang aber kaum je geahndet.

So dürften rund 100 Millionen Haushalte von «fremden» Nutzer-Daten profitiert haben. Damit soll nun Schluss sein, wobei sich zwei Optionen ergeben: Entweder kann das bisher profitierende Profil in ein eigenes Konto umgewandelt werden, was natürlich kostenpflichtig ist. Spezifische Einstellungen, wie etwa Präferenz-Listen, bleiben aber bestehen – das neue Konto, und diesen Vorteil betont Netflix explizit, bleibt also ganz persönlich.

Netflix konnte Kundenschwund stoppen

Als zweite Option will Netflix den Account-Inhabern ermöglichen, Personen ausserhalb ihres Haushalts als «Zusatzmitglied» kostenpflichtig ins Konto aufzunehmen – so, wie es eben in Südamerika bereits erlaubt ist. Ab wann genau die neuen Netflix-Bestimmungen auch in der Schweiz in Kraft treten, ist derzeit noch unklar.

Netflix hatte im ersten Halbjahr mit schwindenden Abonnement-Zahlen zu kämpfen, während die Konkurrenz – Amazon Prime Video oder Disney Plus, um zwei Streaming-Plattformen zu nennen – immer mehr an Relevanz gewonnen haben. Im dritten Quartal aber legte der Streaming-Gigant wieder zu – so mag etwas überraschen, dass der Konzern genau jetzt entschieden hat, die Kundschaft mehr zahlen zu lassen.

(mhe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 19. Oktober 2022 11:45
aktualisiert: 19. Oktober 2022 11:46