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Im Schwarzwald

Nach Giftanschlag: Entlebucher gab Kremlkritiker Nawalny Jodelunterricht

5. März 2021, 16:34 Uhr
Der Schweizer Jodler, Volksmusikant und Komponist Franz Stadelmann traf im Oktober 2020 im Schwarzwald auf Alexei Nawalny.
© Franz Stadelmann
Im August 2020 wurde Kremlkritiker Alexei Nawalny vergiftet und überlebte nur knapp. Zurück in seiner Heimat Russland wurde der 44-Jährige inhaftiert. Lange hörte man nichts von ihm. Am Mittwoch dann ein Lebenszeichen: «Grüsse aus dem Untersuchungsgefängnis Nummer drei.»

Zwischen der versuchten Ermordung Nawalnys und seiner Inhaftierung (PilatusToday berichtete) hatte sich der russische Oppositionelle mit seiner Familie im Schwarzwald erholt. Dort traf ihn der Entlebucher Jodler, Volksmusikant und Komponist Franz Stadelmann an.

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Quelle: Franz Stadelmann

Am 16. Oktober 2020 wurde der 78-jährige Stadelmann von einem Freund auf einen dreitägigen Jagdausflug in den Schwarzwald eingeladen. «Mir wurde gesagt, ich soll meine Handorgel mitnehmen.» Da wusste Franz Stadelmann noch nicht, was ihn erwartete: «Während der Fahrt sagte er mir dann, ich solle nicht erschrecken», erzählt der Volksmusikant. Doch Nawalny erwähnte sein Kollege noch nicht.

Am Ziel angekommen, mussten sie ihren Pass vorzeigen, dasselbe vor dem Betreten ihrer Unterkunft. Dort kam ihm dann ein strahlender Alexei Nawalny entgegen.

Nawalny freute sich wahnsinnig übers Jodeln

Der Aufenthaltsort des Russen war zu diesem Zeitpunkt noch geheim und er wurde streng bewacht. «Das Haus, in dem wir und Nawalnys Familie untergebracht waren, war rund um die Uhr von bewaffneten Polizisten umstellt», erinnert sich Stadelmann. Im kleinen Dorf seien rund 100 Polizisten stationiert gewesen.

«Offenbar wurde der Familie Nawalny im Voraus mitgeteilt, dass ich im selben Haus einquartiert sein werde», so Stadelmann. Weil Nawalny sich so sehr für Schweizer Folklore und das Jodeln interessierte, kam es dann zum Unterricht. «Er hat sich wahnsinnig gefreut und sich viel Mühe gegeben.»

«Ein unglaublich herzlicher Mensch»

Auch für die Jagd interessierte sich der Putin-Kritiker. So nahmen ihn die Schweizer mit auf die Wildschwein-Pirsch. «Früh vor der Jagd durchstreiften dann rund 100 Polizisten den kompletten Wald. Kein Wunder waren da keine Wildsäue mehr», amüsiert sich Stadelmann. Ein schöner Ausflug wurde es trotzdem.

Nawalny habe gewollt, dass Stadelmann seine Handorgel zur Unterhaltung mit auf die Jagd nimmt. «Ein Polizist hat sie mir dann den ganzen Tag getragen», berichtet der Entlebucher. «Er war fasziniert und ist auch auf die Hochsitze geklettert. Ein unglaublich herzlicher Mensch voller Lebensfreude.»

Vergleich mit Winkelried

Über Politik hätten sie sich nicht viel unterhalten, auch wegen der Sprachbarriere. Nawalny habe aber über seinen Dolmetscher zu Stadelmann gesagt: "Er müsse zurück in seine Heimat und für die Freiheit kämpfen. Der Schweizer Volksmusikant und Komponist vergleicht ihn mit Winkelried:  «Ein Kämpfer fürs Vaterland, der sich opfert, um den Krieg zu gewinnen.» Zu Stadelmann sagte Nawalny: «Eine Freiheit wie in der Schweiz, das wäre ein Leben.»

Nawalny scheint die Zeit mit Franz Stadelmann so gut gefallen zu haben, dass er seine Erfahrung mit seinen Followern auf Instagram teilte.

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Quelle: Instagram / Navalny

(mda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. März 2021 16:47
aktualisiert: 5. März 2021 16:34