Pestizide

Verunreinigtes Trinkwasser: So gehen Luzern und Zug dagegen vor

Raffaele Keller, 15. Mai 2020, 16:32 Uhr
Das Grundwasser in den Zentralschweizer Kantonen Luzern und Zug weist eine zu hohe Konzentration an Abbaustoffen des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil auf. Warum die Bevölkerung deshalb nicht beunruhigt sein muss.

Gemäss den Ergebnissen des BAFU vom Dienstag überschreiten etliche Messstationen im Mittelland die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte von 0,1 Mikrogramm pro Liter Grundwasser mit Chlorothalonil-Metaboliten. Davon betroffen sind in der Zentralschweiz die Kantone Zug und Luzern.

Verbreitung des Chlorothalonil R471811 im Grundwasser des Mittellandes

© BAFU

Problematik mit dem Trinkwasser 

80 Prozent des Trinkwassers in der Schweiz wird aus Grundwasser gewonnen. Deshalb ist eine Verschmutzung des Grundwassers auch für das Trinkwasser relevant. Fachleute sind sich jedoch einig, dass für die Gesundheit kurzfristig keine Gefahr bestehe.

Das Bundesamt für Landwirtschaft schreibt auf ihrer Webseite: «Konsumentinnen und Konsumenten können Trinkwasser, in welchem die Abbauprodukte von Chlorothalonil nachgewiesen wurden, weiterhin zu sich nehmen. Die Ansprüche an das Schweizer Trinkwasser sind sehr hoch.» Auch der Kanton Luzern betont, dass die Höchstwerte nicht «toxikologisch begründet» seien, sondern dass der Höchstwert nach dem «Vorsorgeprinzip» festgelegt sei. Da man jedoch zu wenig über mittel- und langfristige Schäden der Verunreinigung weiss, ist die Situation dennoch unbefriedigend.

Was tun bei der Verschmutzung von Grundwasser? 

Es bleibt für Wasserversorger, die durch kurzfristige Massnahmen die gesetzlichen Vorgaben nicht einhalten können, im Moment nur eine Möglichkeit: Wasserwerke, bei denen zu hohe Werte gemessen werden, bis auf Weiteres zu stoppen. So auch im Kanton Zug. Dort steht aktuell ein Wasserwerk still. «Die Verantwortung liegt beim Wasserversorger», dass dieser regelmässig die Werte überprüfe und den Kanton informiere, sagt Matthias Fricker, Kantonschemiker des Kantons Zug auf Nachfrage. Solange die Werte zu hoch seien, sei das Werk stillgelegt. Wie lange eine Quelle brauche, um sich zu erholen, sei individuell unterschiedlich und könne nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden.

Neben der natürlichen Erholung der Quelle, die Jahre oder gar Jahrzehnte dauern kann, schlägt der Kanton Luzern auch andere Massnahmen vor. Kurzfristig können betroffene Fassungen durch das Mischen mit unbelastetem Wasser mit verhältnismässig geringem Aufwand entlastet werden. Längerfristig werden jedoch neue, unbelastete Wasservorkommen nötig sein oder eine verstärkte Zusammenarbeit der einzelnen Trinkwasserversorgungen und Gemeinden. Auch die Aufbereitung von verunreinigtem Wasser ist nicht auszuschliessen. «Am wichtigsten» bleibe aber der Schutz der Ressource Wasser, wozu das Verbot des Chlorothalonil ein wichtiger Schritt gewesen sei.

Welche Massnahmen ergreifen die Kantone? 

Die zuständigen Dienststellen überprüfen regelmässig sowohl die Qualität des Grund- als auch des Trinkwassers. Bei Verunreinigungen werden die betroffenen Gemeinden und Wasserversorger informiert und es werden gemeinsam mögliche Massnahmen erarbeitet. Sobald jedoch eine Messstelle die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet, wird sie nicht mehr für die Trinkwasserproduktion genutzt, bis die Höchstwerte wieder eingehalten werden können. 

Das Trinkwasser bleibt somit ein sicheres Lebensmittel.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Mai 2020 11:53
aktualisiert: 15. Mai 2020 16:32