Isenthal

Samih Sawiris verkleinert sein Marina-Projekt am Urnersee deutlich

25.03.2024, 15:43 Uhr
· Online seit 25.03.2024, 10:14 Uhr
Der ägyptische Investor Samih Sawiris hat sein Marina-Projekt am Urnersee stark reduziert. Die Hafenanlage auf der Isleten-Halbinsel werde gegenüber der ersten Projektidee um 50 Prozent verkleinert. Dafür soll es einen durchgehenden Badestrand für alle geben.

Quelle: PilatusToday / Florian Estermann / David Migliazza

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Der Platz für die Marina am Urnersee werde um 30 Prozent auf 37'000 Quadratmeter reduziert, teilten die Projektverantwortlichen rund um Investor Samih Sawiris an einer Medienkonferenz am Montag mit.

Nach der Medienkonferenz sind PilatusToday und Tele 1 zudem auf einem Rundgang auf dem Areal mit dabei. Hier auf PilatusToday erhältst du laufend die Bilder und Interviews zum Thema.

Verkleinertes Marina-Projekt im Detail

Mit der verkleinerten Marina gebe es mehr Platz für Renaturierungen sowie Bade- und Wassersportmöglichkeiten. Neu sollen 40'000 Quadratmeter für die Renaturierung des Isentalerbachs und des neuen Seeufers zur Verfügung gestellt werden. Mit einem Flachufer werde ein durchgehender Badestrand geschaffen. Dafür werde die Länge des Seeufers auf 200 Meter verdoppelt. Die Strasse wird neu weg vom Ufer verlegt. Das gesamte Areal soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Der Investor will auf der Halbinsel gemäss den Informationen vom Montag ein Hotel mit 50 Zimmern und 30 Hotelappartements im Drei- bis Viersternbereich sowie 70 Wohnungen und sieben Bungalows realisieren. Das Hotel werde im Vergleich zur Projektidee 2022 deutlich kleiner.

«Bauten zu schützen ist ein zentrales Anliegen», führte Gesamtprojektleiter Isidor Baumann aus. So sollen mit der historischen Papierfabrik und der Kantine auf der anderen Strassenseite die beiden geschützten Objekte bestehen bleiben. Weiter sollen aber auch die beiden markanten Schiffsunterstände direkt am See, der grosse Kamin mit dem Heizungsgebäude, die Direktorenvilla und verschiedene weitere kleine Gebäude erhalten bleiben. Letztere sollen für künftige Bedürfnisse umgenutzt werden.

Keines der Gebäude soll zudem höher als die geschützte Papierfabrik werden, erklärten die Projektverantwortlichen am Montag.

Neuerungen gibt es auch bezüglich des Bootshafens: Dieser wird im Vergleich zur ursprünglichen Idee um die Hälfte verkleinert. Auch der ÖV-Anschluss soll verbessert werden. So wird die Schiffstation in Absprache mit der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees SGV 160 Meter Richtung Norden verschoben. An dieser Stelle beim Tunnel Richtung Bauen soll auch eine neue Bushaltestelle mit Busschlaufe entstehen. Zudem werde der «Weg der Schweiz» weg von der Strasse verschoben, sodass er entlang des renaturierten Gebietes führt und die Wanderer den ÖV ab Schiff oder Bus einfach benutzen können.

Das gesamte Projekt soll rund 230 Millionen Franken kosten. 150 Millionen investiert Samih Sawiris. Weitere 80 Millionen Franken sollen von Banken kommen.

Reaktionen und Ausblick

Im Auftrag der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Uri wird derzeit eine Potenzialstudie über die regionalwirtschaftlichen Effekte des Projekts erarbeitet. Die ersten Ergebnisse gehen von einer Wertschöpfung von rund 150 Millionen Franken während der Investitionsphase aus. Nach Inbetriebnahme soll das Projekt dem Kanton Uri jährlich ungefähr 14 Millionen Franken einbringen. Zudem entstehen rund 80 zusätzliche Arbeitsplätze. Die finalen Resultate der Studie sollen in den nächsten Monaten vorliegen und publiziert werden.

Der Entscheid der Urner Kantonsregierung zur kantonalen Volksinitiative «Isleten für alle» wird gemäss Justizdirektor Daniel Furrer am 28. August bekanntgegeben. Am 24. November sollen dann die Urnerinnen und Urner ihre Meinung dann im Rahmen der Volksabstimmung kundtun dürfen.

Der Justizdirektor unterstreicht den Nutzen des Projektes für die Wirtschaft, den Tourismus und die Bevölkerung: «Der Regierungsrat erkennt in der vorliegenden Projektidee, denn das Gebiet an der Isleten hat Potenzial. Damit die Idee umgesetzt werden kann, braucht es im weiteren Verlauf des Projekts die enge Zusammenarbeit und den Einbezug aller beteiligten Kreise.»

Die Gemeindepräsidenten von Seedorf und Isenthal haben eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben. Im überarbeiteten Projekt seien wesentliche Kritikpunkte aus der Bevölkerung korrigiert worden. Man plane Informations- und Diskussionsveranstaltungen für die Bevölkerung. Diese soll zudem über die Umzonung von einer Industrie- in eine Tourismuszone abstimmen können.  «Mit Spannung erwarten wir die nächsten Projektschritte und freuen uns auf weiterhin gute Zusammenarbeit mit allen Projektbeteiligten», betont Toni Stadelmann, Gemeindepräsident von Seedorf.

Zum Schluss ergreift noch Investor Samih Sawiris das Wort. Er findet das überarbeitete Projekt sehr gelungen: «Ich würde mich einfach freuen, wenn das klappt und die Bevölkerung das Projekt auch begrüsst.» In der nächsten Phase werde man hoffentlich wieder mit der Bevölkerung zusammenkommen und Kritik einfliessen lassen können. Natürlich müsse aber auch die Wirtschaftlichkeit des Projektes gegeben sein.

Sollte das Stimmvolk «Nein» sagen zum Projekt, wolle Sawiris das Grundstück behalten «und es gibt den wohl grössten Privatgarten am See mit einer schönen Villa und ein paar Gebäuden für Wohnungen», beantwortet der Investor eine Frage an der Medienkonferenz.

Ursprüngliches Projekt und Widerstand

Bei der Isleten soll eine Marina sowie eine künstliche Bucht im Landesinnern erstellt werden, an der bis zu 50 Boote anlegen können. Dies war schon der ursprüngliche Plan von Investor Samih Sawiris zur Weiterentwicklung des Areals der ehemaligen Sprengstofffabrik «Cheddite». Geplant waren auch ein Hotel im Drei- oder Viersternsegment mit rund 50 Hotelzimmern sowie damals noch rund 100 hotelmässig bewirtschaftete Wohnungen.

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Die Isleten war ein bedeutender Industriestandort. Über hundert Jahre lang wurde dort auf dem Areal der Cheddite Sprengstoff hergestellt, unter anderem für den Bau des Gotthardbahn-Scheiteltunnels. Sawiris, der das Resort in Andermatt realisierte, hatte mit seinem Projekt einen Teil der Urner Bevölkerung gegen sich aufgebracht.

Nachdem die Urner Bevölkerung im Frühling 2022 über das Millionen-Projekt informiert wurde, hat die Isen AG das Projekt überarbeitet und der Politik präsentiert. Im vergangenen Sommer ist dann die kantonale Volksinitiative «Isleten für alle» zustande gekommen, welche das Marina-Projekt verhindern will. Das sind die Argumente der Gegner:

Das letzte Wort haben also die Urnerinnen und Urner Ende November.

(red.)

veröffentlicht: 25. März 2024 10:14
aktualisiert: 25. März 2024 15:43
Quelle: PilatusToday

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