Madonna lehrt Plattenfirmen das Fürchten

12. Juni 2015, 03:55 Uhr
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Als erster Musik-Superstar will Madonna ihre Plattenfirma Warner Records für einen Konzertveranstalter verlassen. Madonna wolle mit der US-Konzertagentur Live Nation einen bis zu 120 Millionen Franken schweren Zehn-Jahres-Vertrag abschliessen. Live Nation dürfte dann drei neue Studioalben, Konzerttourneen und Fan-Artikel verkaufen. Ein solcher Deal wäre ein weiterer Beleg für die verschobenen Gewichte in der Musikbranche, in der erfolgreiche Künstler zum Teil deutlich mehr Geld mit Konzerttourneen als mit CD-Verkäufen verdienen.

Von Live Nation steht eine „generelle“ Vorauszahlung von 17,5 Millionen Franken ins Haus und eine zusätzliche Vorauszahlung für die drei Alben zwischen 50 und 60 Millionen Franken. Live Nation vergüte das Recht, Madonnas Tourneen zu arrangieren, mit 50 Millionen Franken in Bargeld und Aktien. Der Erlös aus diesen Touren soll dann aufgeteilt werden, 90 Prozent für Madonna und 10 Prozent für Live Nation. Wie viel Geld ein Top-Star mit Konzerten verdienen kann, zeigten jüngst die Rolling Stones, die mit ihrer knapp zweijährigen A Bigger Bang-Tour Rekordeinnahmen von mehr als 600 Millionen Franken schafften.

Der neue Vertrag von Madonna wäre von der Summe her bedeutend, aber nicht der höchste in der Musikbranche. Robbie Williams hat auf dem Höhepunkt seiner Karriere für die Vertragsverlängerung bei seiner Plattenfirma EMI dem Vernehmen nach 200 Millionen Franken bekommen. Bruce Springsteen soll vor einigen Jahren auch mehr als 100 Millionen Franken bei Sony BMG ausgehandelt haben - die Höhe dieses Vertrages soll auch ein Grund für den anschliessenden Wechsel an der Firmenspitze gewesen sein.

Die Tatsache, dass Madonna den Konzertagentur-Giganten Live Nation einem traditionellen Plattenlabel wie Warner Music vorziehe, zeigt, wie schnell sich die Landschaft in der Musikindustrie verändert. Traditionell hatten Stars wie Madonna für ihre Alben, Tourneen und Fanartikel immer separate Abkommen mit separaten Unternehmen ausgehandelt. Madonnas Vertreter hätten auch mit Warner Music über eine Vertragsverlängerung verhandelt, hiess es.

Der Vertrag birgt erhebliche Risiken für den Konzertveranstalter. Dieser müsste wenigstens 15 Millionen Kopien von jedem der drei Madonna-Alben verkaufen, nur um die Vorauszahlungen wettzumachen. Wegen der - allgemein erwarteten - Preisnachlässe bei CDs und Downloads ist Live Nation aber wahrscheinlich gezwungen, noch mehr Abnehmer für jedes künftige Madonna-Album zu finden. Optimistisch stimme die Agentur wahrscheinlich, dass es die Sängerin im Verlauf ihrer Karriere immer wieder geschafft habe, „sich neu zu erfinden“.

veröffentlicht: 1. Januar 2000 00:00
aktualisiert: 12. Juni 2015 03:55