Von Babys bis Erwachsene

1002 Missbrauchsfälle – katholische Kirche will jetzt handeln

12.09.2023, 13:00 Uhr
· Online seit 12.09.2023, 09:27 Uhr
In den letzten 70 Jahren kam es im Umfeld der katholischen Kirchen zu über 1000 sexuellen Missbrauchsfällen. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Zürich. Die römisch-katholische Kirche reagiert mit Massnahmen.

Quelle: Studie zum sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche wird präsentiert / 12.09.2023

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Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz hat am Dienstag neue Massnahmen gegen sexuellen Missbrauch beschlossen. Damit reagiert sie auf eine am Dienstag veröffentlichte Pilotstudie, die für die vergangenen 70 Jahre 1002 Missbrauchsfälle im Umfeld der katholischen Kirche der Schweiz nachweisen konnte.

Die 1002 Missbrauchsfälle, welche die Forschenden für die Zeit seit 1950 belegen konnten, wurden von 510 Personen an 921 Opfern verübt, wie der am Dienstag veröffentlichte Bericht zeigt. Knapp 56 Prozent der Opfer waren männlich. Die Täter waren bis auf wenige Ausnahmen Männer.

Auch Erwachsene als Opfer

In 74 Prozent der Fälle waren die Opfer minderjährig. In 12 Prozent der Fälle war das Alter nicht feststellbar, die restlichen Opfer waren erwachsen. Das sei bemerkenswert, sagte Studienautorin Marietta Meier. Bisherige Studien hätten sich meist ausschliesslich auf minderjährige Opfer fokussiert, viele Fälle seien so nicht erfasst worden.

Die Hälfte der Missbrauchsfälle wurden gemäss Auswertung im Rahmen der Pastoral verübt. Rund 30 Prozent der Fälle wurden in katholischen Heimen, Schulen, Internaten und ähnlichen Anstalten verübt.

Mit dem Bericht soll die Aufarbeitung fortgesetzt und institutionelle Mängel angegangen werden. Dies teilten die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK), die Konferenz der Ordensgemeinschaften und anderer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz (Kovos) und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) am Dienstag mit.

Psychologische Abklärungen

Konkret sollen künftige Priester, Diakone und Mitglieder von Ordensgemeinschaften im Rahmen ihrer Ausbildung psychologische Abklärungen durchlaufen. Zudem sollen schweizweit professionelle Angebote geschaffen werden, bei denen Betroffene Missbräuche melden können.

In einer schriftlichen Selbstverpflichtung haben sich laut der katholischen Kirche ausserdem alle kirchlichen Verantwortlichen an der Spitze von Bistümern, Landeskirchen und Ordensgemeinschaften dazu verpflichtet, keine Akten mehr zu vernichten, die im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen stehen oder den Umgang damit dokumentieren.

Online-Meldesystem

Nach der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Schweiz wollen die Zürcher Kirchen noch genauer hinschauen: Sie haben ein niederschwelliges Online-Meldesystem für Hinweise lanciert. 

(sda/bza)

Hier gibts der Ticker der Medienkonferenz zum Nachlesen:

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veröffentlicht: 12. September 2023 09:27
aktualisiert: 12. September 2023 13:00
Quelle: Today-Zentralredaktion

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