Seit dem Lockdown

Anstieg der Kinderpornografie im Internet

22. November 2020, 08:56 Uhr
«Die Schweiz muss endlich aufwachen», sagt Regula Bernhard Hug, Geschäftsleiterin von Kinderschutz Schweiz.
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Seit dem Lockdown ist die Nachfrage nach kinderpornografischen Videos und Bildern dramatisch angestiegen. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, spricht die EU-Strafverfolgungsbehörde «Europol» von einer Zunahme um 30 Prozent.

Auch in der Schweiz wurde während des Lockdowns mehr kinderpornografische Inhalte konsumiert, bestätigt das Bundesamt für Polizei «Fedpol» gegenüber der «NZZ am Sonntag». Das beunruhigende: Die Täter werden wegen den Personal-Engpässen der Polizeien nur selten erfasst.

«Die Schweiz muss endlich aufwachen»

Die Schweizer Strafverfolgungsbehörden hätten das Thema seit Jahren verschlafen und seien von den Tätern «meilenweit entfernt», heisst es aus Ermittlerkreisen. Dies bestätigt ein interner Bericht des Bundesamtes für Polizei, der der «NZZ am Sonntag» vorliegt. «Das Phänomen der pädosexuellen Kriminalität wird nicht von allen beteiligten Stellen in seiner ganzen Tragweite erkannt», heisst es da. «Die Schweiz muss endlich aufwachen», sagt Regula Bernhard Hug, Geschäftsleiterin von Kinderschutz Schweiz. Die Politiker hätten den Ernst der Lage «nicht erkannt».

Laut der Wochenzeitung gibt es in 18 Kantonen der Schweiz gerade mal 15 Stellenprozente für den Kampf gegen Kinderpornografie. Die Ermittlung in der Online-Pädokriminalität geniesse wenig Priorität. Im Vergleich zu der EU, wo kürzlich eine europäische Strategie im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet veröffentlich wurde, ist das Thema in der Schweiz weniger präsent.

Aber: Gemäss der Konferenz der Kantonalen Polizeidirektoren der Schweiz sei man dran im Bereich der Online-Pädokriminalität den Polizeikorps auszubauen. Zudem ist die Rede von einer besseren Koordination der Kantone.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. November 2020 08:57
aktualisiert: 22. November 2020 08:56