Umfrage

Bei den Flugreisen hört für die Schweiz der Klimaschutz auf

14. April 2022, 12:30 Uhr
Die Coronakrise ist vorbei, zumindest was die Ausgaben der Schweizerinnen und Schweizer anbelangt. Dafür kommt mit der Klimakrise ein Thema mit Wucht zurück. Dabei zeigt sich: Sparen ja, aber nicht überall.
Schweizerinnen und Schweizer wollen mehr Geld für Reisen ausgeben.
© unsplash/Westwind Air Service

Der Vergleichsdienst Comparis hat Schweizerinnen und Schweizer zu ihrer Finanzlage und ihren Konsumausgaben befragt*. Der Ausstieg aus den Corona-Massnahmen und der Rückgang der Fallzahlen hinterlassen deutliche Spuren in den Portemonnaies, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst.

Gemäss Comparis geben heute 40 Prozent aller Personen an, dass sich ihr Verhalten wegen der Corona-Krise gar nicht verändert habe. Im Dezember 2021 waren es erst 31 Prozent gewesen. Damals hatten auch noch rund 82 Prozent der Schweizer Bevölkerung gesagt, ihnen bereite die Corona-Krise Sorgen. Diesen April sagten dies nur noch knapp 63 Prozent.

35 Prozent der Befragten machen sich bezüglich Corona gar keine Sorgen mehr, wenn es um ihre Finanzen geht. «Diese Veränderung ist wirklich massiv», sagt Michael Kuhn von Comparis auf Anfrage. «Im letzten Dezember waren es noch halb so viel.»

Die Corona-Sorgen schwinden.
© Comparis

Die Klimakrise ist wieder Thema Nummer 1

Dafür kehrt ein anderes Thema zurück. 82 Prozent der Befragten bejahen laut Comparis einen Einfluss der Klimadebatte auf ihre Konsum- und Finanzentscheidungen. Im Dezember 2019, vor der Pandemie, lag dieser Wert noch bei 74 Prozent. Bei über 27 Prozent hat die Klimadebatte nun einen grossen Einfluss auf das Ausgaben- und Investitionsverhalten.

Dies hänge nicht zuletzt mit dem Krieg in der Ukraine zusammen, erklärt Kuhn. Die Diskussion um fossile Brennstoffe habe die Themen Nachhaltigkeit und Klimakrise wieder in den Vordergrund gerückt. Damit werde ein Trend der vergangenen Jahre noch verstärkt: «Die Klimadebatte hat einen immer grösseren Einfluss auf das Ausgaben- und Investitionsverhalten der Menschen.»

Das Kriegsgeschehen selbst habe noch keinen messbaren Einfluss auf die Erwartung, wie sich die persönliche finanzielle Situation verändern wird. 27 Prozent der Befragten rechnen wie zuvor damit, dass ihre Situation besser wird. 17 Prozent glauben, dass sich ihre Situation verschlechtert. Und rund 56 Prozent gehen davon aus, dass die Situation etwa gleich bleibt wie im Vorjahr.

Junge und Frauen geben Geld anders aus

Wie wichtig das Klima ist, hängt von Geschlecht und Alter ab. Bei Frauen wirkt das Thema deutlich stärker auf die persönlichen Finanzen als bei Männern. Ein Drittel der Frauen räumt heute der Nachhaltigkeit einen sehr grossen Einfluss auf ihre Ausgaben und Investitionen ein, bei den Männern sind es nur 22 Prozent.

Bei den 18- bis 35-Jährigen sagen über 87 Prozent, die Klimadebatte habe auf ihre Konsum- und Finanzentscheidungen einen Einfluss. Demgegenüber sind es bei den 36- bis 55-Jährigen 80 Prozent und bei den 56-Jährigen und älteren Personen knapp 79 Prozent.

«Jüngere nehmen die Klimaprobleme viel stärker wahr», sagt Kuhn. «Das liegt daran, dass man diese als junger Mensch schon vom Kindergarten an mit den Gspänli diskutiert. Die Jüngeren sagen sich: Es geht um meine Zukunft. Das ist bei den älteren Generationen nicht so.» Diese hätten eher Angst davor, dass sie sich einschränken müssen.

Einfluss der Klimadebatte auf die Ausgaben.
© Comparis

Einschränken ja, aber nicht überall

Was ändert sich infolge der Klimadebatte konkret? 39 Prozent der Befragten kaufen laut Umfrage häufiger regionale Produkte. Auf Platz zwei und drei der Massnahmen folgen «ich kaufe weniger Fleisch / tierische Produkte» (32 Prozent) und «ich kaufe weniger Kleider / Accessoires». Erst an fünfter Stelle und nach der Reduktion von Autofahrten folgt der Verzicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten (27 Prozent).

«Es zeigt sich, dass die Menschen bei kleineren Ausgaben bereit sind, sich einzuschränken», so Michael Kuhn. «Aber wenn es um Flugreisen oder Kreuzfahrten sieht es anders aus.» Hier gebe es auch keinen grossen Unterschied zwischen den Generationen.

Ein Unterschied zeige sich dagegen, wenn man die Einkommen anschaut, sagt Kuhn weiter. Schweizerinnen und Schweizer mit einem Einkommen ab 8000 Franken seien eher dazu bereit, ein E-Auto zu kaufen. Das hänge aber auch damit zusammen, dass diese Fahrzeuge teurer seien als solche mit Verbrennungsmotor. «Das können sich vor allem die Menschen leisten, die das Geld dafür haben.»

* Die Befragung wurde gemäss Comparis im März 2022 unter 1043 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt. 

(osc)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 14. April 2022 12:43
aktualisiert: 14. April 2022 12:43
Anzeige