Fast Fashion

Billig-Kleider machen Recycling schwer

David Migliazza, 28. September 2020, 18:08 Uhr
Sinkende Qualität bei Textilien erschwert das Recycling.
© Keystone / Christian Beutler
TEXAID sammelt in der Schweiz jährlich rund 36'000 Tonnen Altkleider und verwertet diese ökologisch sinnvoll. Doch die sinkende Qualität der abgegebenen Kleider, stellt das Urner Textilverwertungs-Unternehmen vor Probleme.

In den Containern der Altkleidersammlungen landen zunehmend minderwertige Produkte, die von TEXAID und anderen Unternehmen nicht verwendet werden können. Vielfach handelt es sich dabei um sogennante Fast Fashion Kleidung.  

Synthetische Fasern, welche sich nur schwer trennen lassen und Personen die Gegenstände wie Kaffeekapseln oder Elektroschrott falsch entsorgen, machen das Recycling zusätzlich aufwendiger.

Umdenken ist nötig

Rund ein Drittel aller Kleidungsstücke, die in den Altkleidersammlungen landen, können nicht als Secondhand-Kleidung getragen werden. Je nach Material werden sie zu Putzlappen oder Dämmmaterialien verarbeitet, wie Rahel Ziegler von der TEXAID-Pressestelle sagt. «Saugfähige Materialen können zu Putzlappen verarbeitet werden. Nicht mehr saugfähige Materialien werden zu Reisswolle geschreddert und können so beispielsweise als Dämmstoffe weiterverwendet werden.» Dieser Prozess wird als «Downcycling» bezeichnet. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, aus nicht mehr tragbaren Textilien neue Fasern zu gewinnen, welche dann zur Herstellung neuer Kleider verwendet werden können.

Designer müssen schon bei Herstellung an Recycling denken

Der Fast-Fashion-Trend und die damit verbundene Abwertung der Qualität der Altkleider erschwert den Verwertungsprozess. Damit Fasern von ausgedienten Textilien zu Garn recycelt und in neue Kleidungsstücke verarbeitet werden können, braucht es möglichst reine Stoffe. Dies sei im Moment aufgrund des Material-Mixes nur für wenige Textilien möglich, sagt Ziegler. «Wichtig wäre, dass sich die Hersteller bereits bei der Produktion Gedanken zum Recycling machen und die Produkte dementsprechend konzipieren.» So käme man dem Ziel einer geschlossenen Wertschöpfungskette deutlich näher.

Ein Altkleidercontainer von TEXAID.

© Keystone / Christian Beutler

Projekt mit Hochschule Luzern und Coop

Im Forschungsprojekt «Texcycle» der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit TEXAID und der Coop Genossenschaft versuchte man, die bis anhin im Downcycling verarbeiteten Textilien, zukünftig für hochwertige Recycling-Produkte zu verwenden und den Rohstoff «Alttextilie» noch nachhaltiger zu machen. Dafür wurden Prozesse, wie textile Kreisläufe nachhaltig und ganzheitlich geschlossen werden können, analysiert und optimiert. «Die daraus erlangten Erkenntnisse fliessen nun ins 2020 lancierte Project «Texcircle» ein», sagt Ziegler. Hier wolle man während zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Partnern weiter an Prozessoptimierungen und konkreten Produkten arbeiten.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. September 2020 18:02
aktualisiert: 28. September 2020 18:08