Fifa-Fall

Bundesanwaltschaft fordert im Fifa-Fall bedingte Freiheitsstrafen

15. Juni 2022, 18:06 Uhr
Die Bundesanwaltschaft fordert sowohl für den Ex-Fifa-Präsidenten Joseph Blatter als auch für den Ex-Uefa-Präsidenten Michel Platini eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Platini soll zudem eine Ersatzzahlung von rund 2,2 Millionen Franken leisten.
Am Bundesstrafgericht in Bellinzona läuft der sechste Verhandlungstag des Prozesses gegen Joseph Blatter (im Bild) und Michel Platini. (Archivbild)
© KEYSTONE/Alessandro Crinari

Eine bedingt Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Ersatzzahlung von Platini von 2,2 Millionen Franken. So lautet die Forderung der Bundesanwaltschaft.

Kein bisschen Reue

Blatter sei des Betrugs, allenfalls der Veruntreuung oder der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Urkundenfälschung schuldig zu sprechen, erklärte Bundesstaatsanwalt Thomas Hildbrand am Mittwoch vor Bundesstrafgericht. Platini beschuldigte er der gleichen Delikte.

Bei beiden Angeklagten sei «nicht den Hauch von Reue» auszumachen, hielt Hildbrand fest. «Blatter und Platini konnten sich frei für oder gegen das Recht entscheiden.» Sie hätten sich «ohne triftigen Grund» für das Unrecht entschieden, fuhr Hildbrand fort. Das Absprechen der beiden zeuge von einer «nicht unbeachtlichen kriminellen Energie».

2,2 Millionen für die Fifa oder den Staat

Hildbrand zeigte in seinem scharfen Plädoyer, dass für ihn die beiden einstigen Herren über den Weltfussball Betrüger sind. Für den Bundesstaatsanwalt ist es erwiesen, dass der damalige Fifa-Chef Blatter im Jahr 2011 seinem damaligen Uefa-Amtskollegen Platini illegal zwei Millionen Franken zusteckte. Die beim Ex-Fussballer beschlagnahmten mehr als zwei Millionen Franken will die Bundesstaatsanwaltschaft der Fifa als Geschädigter oder dem Staat zukommen lassen, wie der «Tagesanzeiger» berichtet.

Blatter und Platini haben vor dem Bundesstrafgericht stets beteuert, diese Zahlung sei rechtmässig erfolgt: Die Fifa habe dem ehemaligen französischen Fussballstar viel Geld geschuldet für dessen Tätigkeit als Berater. Damals – rund 10 Jahre davor – hätten Blatter und Platini einen mündlichen Handschlagvertrag geschlossen. Den vereinbarten Jahreslohn habe der Weltfussballverband erst nachträglich auszahlen können.

Der Prozess in Bellinzona dauert bis zum 22. Juni 2022, das Urteil folgt am 8. Juli 2022.

(sda/hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 15. Juni 2022 12:57
aktualisiert: 15. Juni 2022 18:06
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