Staubekämpfung

«Carpool Lanes sind ein Tropfen auf den heissen Stein»

Mario Trlaja, 17. Juli 2020, 18:33 Uhr
Auf der A1 und der A2 in Zürich, Winterthur oder Luzern kommt es am häufigsten zu Stau. (Symbolbild)
© Keystone
Das Bundesamt für Strassen Astra kündigt an, den Stau zu bekämpfen. Dazu sollen auch eigene Fahrspuren für Fahrgemeinschaften, sogenannte «Carpool Lanes», getestet werden. Doch nur ein kleiner Teil des Autobahnnetzes kommt dafür überhaupt infrage.

Es staut auf den Schweizer Autobahnen und ein Ende der Blechlawine ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Laut dem Bundesamt für Strassen Astra haben die Stunden im Stau im vergangenen Jahr um 10 Prozent zugenommen. Um Abhilfe zu schaffen, prüft der Bund einerseits Pannenstreifen als weitere Spuren zu nutzen und andererseits die Einführung sogenannter «Carpool Lanes». Bei letzteren handelt es sich um Fahrspuren, die nur von Fahrzeugen mit mehreren Insassen genutzt werden dürfen.

Pannenstreifen-Nutzung auch zwischen Buchrain und Verzweigung Rütihof

Erste Pilotprojekte bei der Nutzung von Pannenstreifen als Fahrspur seien positiv verlaufen, erklärt Benno Schmid vom Bundesamt für Strassen Astra. «Dies ist eine schnell umsetzbare und kostengünstige Übergangslösung, um Staus zu verhindern und stockenden Verkehr zu verflüssigen.» Über 250 Pannenstreifen-Abschnitte sollen zukünftig auf den Autobahnen in temporäre Fahrspuren umgewandelt werden. Unter anderem auch zwischen Buchrain und der Verzweigung Rütihof.

Nur 6 Prozent der Autobahnen für Carpool Lanes geeignet

Weniger handfest ist das Konzept «Carpool Lane». Es handle sich um eine Idee, welche im Rahmen von Pilotprojekten auf die Probe gestellt werden soll, so Benno Schmid vom Astra.  Dazu sollen in den nächsten Jahren die Überholspuren von dreispurigen Autobahnabschnitten zu Carpool Lanes umfunktioniert werden.

Nur: in der Schweiz gibt es davon lediglich 96 Kilometer. Dies entspricht gerade einmal sechs Prozent des gesamten Autobahnnetzes. Daher bringe die geplante Massnahme wenig, meint Verkehrspolitiker und FDP Ständerat Thierry Burkart: «Dies ist ein sehr kleiner Tropfen auf den sehr heissen Stein.»

Automobil Club Schweiz hofft auf technische Lösungen

Ähnlich sieht es der Automobil Club der Schweiz Acs. Carpool Lanes können einen Beitrag zur Stauvermeidung leisten, aber nur wenn die Pendler gleichzeitig und am gleichen Ort an- und abfahren, sagt Zentralpräsident Thomas Hurter. Wichtiger sei, dass man die bestehende Infrastruktur, welche auf hervorragendem Niveau sei, besser auslaste. Dazu gehöre eine verbesserte technische Vernetzung von Automobilverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln, so der Zentralpräsident. «Pendler sollten beispielsweise jeden Morgen auf einer App sehen können, welches Verkehrsmittel sie zu welchem Preis am schnellsten ans Ziel bringt.» Dies bringe mehr als die Infrastruktur, egal ob Strasse oder Schiene, endlos auszubauen, erklärt Hurter.

Homer Simpson nimmt es mit der Carpool Lane-Regel übrigens nicht so genau

(tma)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. Juli 2020 19:12
aktualisiert: 17. Juli 2020 18:33