Vergiftungen

Desinfektionsmittel-Unfälle: Giftnotruf erhält mehr Anrufe

Krisztina Scherrer, 26. Mai 2020, 08:17 Uhr
Das Desinfektionsmittel ist gerade während der Corona-Krise allgegenwärtig.
© KEYSTONE/Jean-Christophe Bott
Bei den deutschen Giftnotruf-Zentralen sind in den Corona-Monaten deutlich mehr Anrufe eingegangen als noch 2019 und auch die Unfälle mit Desinfektionsmitteln stiegen an. Die Schweizer Giftnotruf-Zentrale Toxinfo beobachtet hierzulande ähnliches.

Seit Jahresbeginn sind bei der Vergiftungs-Informations-Zentrale im deutschen Freiburg 1400 Anrufe mehr als letztes Jahr eingegangen (Im Jahr 2019 gingen 28'500 Anrufe ein, in zwei Prozent der Fälle ging es um Desinfektionsmittel). Bei den Giftnotrufen gehe es mehr als sonst um Desinfektionsmittel, Seife, Geschirr- und Glasreiniger und ähnliche Substanzen. Am häufigsten seien Kinder betroffen. «Wir spüren, dass die Menschen daheim bleiben», sagte Maren Hermanns-Clausen, Leiterin der Vergiftungs-Informations-Zentrale, gegenüber dem Landesdienst Baden-Württemberg.

«Unfälle mit Desinfektionsmitteln haben zugenommen»

Auch die Schweizer Giftnotruf-Zentrale Toxinfo hat mehr zu tun. «Seit der Corona-Krise erhalten wir im Vergleich zum letzten Jahr mehr Anrufe», sagt Katrin Faber, Oberärztin bei Toxinfo, gegenüber FM1Today.

«Medikamente und Hausmittel stehen bei den Vergiftungsfällen an erster Stelle», so Faber. Was aber dieses Jahr besonders auffällt: «Die Unfälle mit Desinfektionsmitteln haben zugenommen.» Seit dem Auftreten der Covid-19-Epidemie habe sich die Anzahl Anfragen zu Desinfektionsmitteln mehr als verdoppelt oder je nach Monat gar verdreifacht, heisst es auf der Internetseite von Toxinfo. Waren es beispielsweise im April rund einhundert Anfragen, waren es in diesem Jahr zum gleichen Zeitraum über 300.

Desinfektionsmittel für Kleinkinder eine Gefahr

Zu Hause, im Laden oder vor dem Klassenzimmer: Desinfektionsmittel sind gerade jetzt allgegenwärtig und vor allem für Kleinkinder eine Gefahr. Wenn einem Kind Desinfektionsmittel ins Auge oder in den Mund gelangt, soll man laut Faber das Auge oder den Mund gut ausspülen und das Kind beobachten.

Ob die steigende Zahl der Telefonanrufe nur mit der Corona-Krise zusammenhängt, kann Faber nicht sagen: «Es gibt verschiedene Faktoren, weshalb sich die Leute bei uns informieren. Wir sind 24 Stunden lang erreichbar, eine Fachauskunft und zuverlässige Anlaufstelle.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Mai 2020 06:46
aktualisiert: 26. Mai 2020 08:17