Montreux

Familie aus Wohnung gesprungen: 8-jähriges Mädchen unter Toten

25. März 2022, 07:16 Uhr
In Montreux im Kanton Waadt sind am Donnerstagmorgen fünf Personen einer Familie aus dem siebten Stock eines Gebäudes gesprungen. Vier Personen starben, der 15-jährige Sohn überlebte schwerverletzt.
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Quelle: CH Media Video Unit / Silja Hänggi

Die Waadtländer Kantonspolizei meldete am Donnerstagmorgen via Twitter, dass fünf Personen tot aufgefunden wurden.

Der Tatort befindet sich in der Nähe des Casinos. Laut einem Zeugen, der am Tatort anwesend war, lagen die Personen ohne Schuhe auf dem Boden. Passanten hatten zuvor die Polizei alarmiert.

Mittlerweile hat die Polizei weitere Informationen bekannt gegeben. Neusten Angaben zufolge sind vier Personen tot, die fünfte Person ist schwer verletzt. Es handelt sich offenbar um einen Mann (40), dessen Frau (41), die Zwillingsschwester der Frau sowie eine Tochter (8). Der Sohn (15) überlebte schwer verletzt. Wie ein Polizeisprecher an einer Medienkonferenz am Nachmittag bestätigt, wurde der 15-Jährige ins Spital eingeliefert und befindet sich in kritischem Zustand.

Polizei war wegen Haftbefehl vor Ort

Gemäss der Waadtländer Polizei hatten sich zwei Polizisten in die Wohnung beim Casino begeben, um einen Vorführungsbefehl im Zusammenhang mit dem Homeschooling eines Kindes zu vollstrecken. Der Vorführungsbefehl betraf den 40-jährigen Vater. Die Polizisten klopften an der Türe und hörten eine Stimme. Nachdem sich die Polizei angekündigt hatte, hörten die Polizisten keine Geräusche mehr. Da sie keinen Kontakt zu den Bewohnern aufnehmen konnten, verliessen sie die Wohnung. Zur selben Zeit rief ein Passant die Polizei an und meldete, dass mehrere Personen von einem Balkon gestürzt waren.

Nachbarn vermuten, dass Familie einer Sekte angehört hatte

Nachbarn sagten gegenüber der Zeitschrift «Le Temps», dass es sich um eine sehr diskrete Familie gehandelt hatte. Die Familie war vor drei Jahren eingezogen. Ein Nachbar berichtete, dass er in den letzten Tagen ein starker Geruch von Weihrauch gerochen hatte. Andere Nachbarn vermuten, dass die Familie einer Sekte angehörte.

Wie sich das Drama genau abgespielt hat, ist Gegenstand der Ermittlungen. So war zunächst unklar, ob sich alle Personen absichtlich in die Tiefe gestürzt haben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet, um die Umstände und Gründe des Vorfalls zu klären.

Keine weitere Person in der Wohnung

Nach dem Stand der bisherigen Ermittlungen kann nach Polizeiangaben ausgeschlossen werden, dass sich zum Zeitpunkt des Geschehens noch eine weitere Person in der Wohnung befunden hat.

Jean-Christophe Sauterel, Kommunikationsverantwortlicher der Waadtländer Kantonspolizei, sagte an einer Medienkonferenz vor Ort, dass die Familie einer Vorladung im Zusammenhang mit dem Heimunterricht nicht Folge geleistet habe. Deshalb hätten Polizisten die Familie in ihrer Wohnung aufgesucht. Es sei jedoch unmöglich gewesen, «sich eine so dramatische Tat vorzustellen», sagte der Polizeisprecher weiter.

Abgesehen von diesem Verfahren habe die Polizei keine Kenntnisse von Problemen innerhalb der Familie gehabt. Die Familie sei weder der Polizei noch der Justiz bekannt gewesen, fügte Sauterel hinzu.

Grosse Betroffenheit

Das Drama löste in Montreux und darüber hinaus grosse Betroffenheit aus. Der Stadtpräsident Olivier Gfeller und der Stadtrat Jean-Baptise Piemontesi wurden am frühen Morgen alarmiert und begaben sich an den Ort des Geschehens.

Die Politiker hätten «schockiert und bewegt» allen von diesem tragischen Ereignis Betroffenen ihr Beileid ausgesprochen, teilte die Stadt Montreux in einem Communiqué mit.

(red./sda)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 24. März 2022 09:16
aktualisiert: 25. März 2022 07:16
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