Homöopathie

FDP-Politiker wollen Globuli aus obligatorischer Krankenkasse streichen

13. Oktober 2022, 15:58 Uhr
Die Krankenkassenprämien werden im kommenden Jahr im Schnitt um 6,6 Prozent steigen. Politiker wollen dies zum Anlass nehmen, Leistungen aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu streichen. Ins Visier haben sie die Homöopathie genommen. Deren Verfechter wehren sich.
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Die Komplementärmedizin – insbesondere die Homöopathie – wird seit 2012 durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung vergütet. FDP-Nationalrat Philippe Nantermod will dies rückgängig machen und so die Prämien senken, wie «20 Minuten» schreibt.

Nantermod fordert, dass Behandlungen und Leistungen, deren Wirksamkeit nicht belegt sei oder nicht über den Placeboeffekt hinaus reiche, aus dem Leistungskatalog der Krankenversicherung entfernt werden. Sein Parteikollege Marcel Dobler spreche sich ebenfalls dafür aus.

Quelle: CH Media Video Unit

«Wir kämpfen seit Jahren mit steigenden Prämien», wird Dobler im Artikel zitiert. «Es kann nicht sein, dass Produkte und Behandlungen, die keine bessere Wirksamkeit als Placebo haben, von den Krankenkassen getragen werden.»

Homöopathie-Befürworter sehen keinen Grund für Streichung

Der Homöopathieverband Schweiz wehre sich vehement gegen das Vorhaben. Es stimme nicht, dass Homöopathie keine Wirksamkeit habe. Für die Aufnahme in die Grundversicherung habe man Wirksamkeitsnachweise in der Form diverser Studien einreichen müssen. Der Bundesrat habe diese Nachweise anerkannt.

«Nimmt man die Homöopathie raus, spart man am falschen Ort», wird auch SVP-Nationalrätin Yvette Estermann zitiert. Die Luzernerin fordere, dass die gewichtigen Kostentreiber der Prämien eruiert und offengelegt werden.

Einsparpotential von 200 Millionen Franken

Im Jahr 2021 seien in der Schweiz homöopathische Leistungen im tiefen zweistelligen Millionenbereich von den Krankenkassen übernommen worden. Zum Vergleich: Der Gesamtbetrag der obligatorischen Krankenpflegeversicherung habe im selben Jahr 36 Milliarden Franken betragen.

Angesichts dieser Grössenunterschiede, würden die Versicherten pro Jahr nur wenige Franken einsparen, sollte Homöopathie aus dem Obligatorium fallen. Immerhin stimme der Versicherungsverband Santésuisse der Forderung zu, dass nur jene Leistungen von der Grundversicherung bezahlt werden, welche die WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) erfüllen.

Würden alle unnötigen Leistungen gestrichen, wären in der Schweiz jedes Jahr Einsparungen von rund 200 Millionen Franken möglich, so Santésuisse. Gleichzeitig sei aber auch der Volkswille zu respektieren. Dass die Krankenkassen in der Schweiz die Homöopathie bezahlen, liegt nämlich an einer Volksinitiative, die 2009 mit grosser Mehrheit angenommen wurde.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 13. Oktober 2022 15:53
aktualisiert: 13. Oktober 2022 15:58