Rockerprozess

Gericht verurteilt Hauptbeschuldigten zu 8 Jahren Gefängnis

30. Juni 2022, 09:35 Uhr
Vor der Urteilsverkündigung im Berner Rockerprozess haben sich neben dem Gerichtsgebäude in Bern schätzungsweise 300 Rocker versammelt. Der Hauptangeklagte wurde wegen versuchter Tötung zu 8 Jahren Haft verurteilt, zudem gab es weitere Freiheitsstrafen.
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Quelle: CH Media Video Unit

Im Berner Rockerprozess hat das Gericht am Donnerstag teils lange Freiheitsstrafen verhängt. Der eine Hauptangeklagte wurde zu acht Jahren wegen vorsätzlicher versuchter Tötung verurteilt.

Der andere kam mit acht Monaten wegen Raufhandels davon. Ein dritter Mann wurde zu 42 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt.

Weitere 19 Rocker standen wegen Raufhandels oder Gehilfenschaft dazu vor Gericht. Sie wurden teils schuldig-, teils freigesprochen. Bei den Schuldsprüchen wurden zumeist bedingte Freiheitsstrafen um die zehn Monate verhängt.

Die Urteilsverkündung am Regionalgericht Bern-Mittelland ist noch im Gang. Sie soll mehrere Stunden dauern. In den Befragungen hatten die meisten Angeklagten eisern geschwiegen und Auskünfte zur Tat verweigert.

Bandidos wollten Clubhaus in der Schweiz eröffnen

Hintergrund des Rocker-Streits ist, dass die Bandidos in der Schweiz Fuss fassen wollen. Als Mitglieder des Clubs im Mai 2019 ein Fest in Belp feierten, bekamen sie Besuch der beiden anderen in der Schweiz etablierten Motorradclubs. Laut Anlage ging es um einen «Einschüchterungsversuch». Darauf kam es zur Eskalation der Gewalt.

Der gesamte Prozess in Bern fand unter grossen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor der Urteilsverkündigung hatten sich neben dem Gerichtsgebäude schätzungsweise 300 Rocker versammelt. Sie gehören mehreren Motorradclubs an.

Eigenes System und eigene Regeln

Einige von ihnen hängten an Gittern ein Plakat auf, auf dem auf eine Internetseite mit einem «Statement» der Schweizer Motorradclubs verwiesen wird. Auf dieser Internetseite ist zu lesen, dass die Motorradclubs in der Schweiz seit 50 Jahren «unser eigenes System und unsere eigenen Regeln» hätten, was die Biker- und Motorradclub-Szene betreffe.

Das freundschaftliche und friedliche Verhältnis unter den Clubs beruhe auf gegenseitigem Respekt und werde durch viele gemeinsame Ausfahrten, Partys und Meetings gestützt. Das solle auch so bleiben. «Andere Zustände» brauche es nicht. Die Clubs stünden «geschlossen» hinter diesem System.

Das ist offenbar eine Anspielung auf den «Bandidos»-Motorradclub, welcher sich in der Schweiz niederlassen will - ein Umstand, der zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen von 2019 in Belp BE führte, um welche es im Prozess ging.

(sda/log)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 30. Juni 2022 08:43
aktualisiert: 30. Juni 2022 09:35
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