Reportage

«Haben viel zurückgelassen»: So erleben Ukrainerinnen die Flucht

23. März 2022, 20:30 Uhr
Über 60 Flüchtende wollte ein Ostschweizer Team aus der Ukraine retten. Die Reise des Cars nimmt an der ungarischen Grenze ein abruptes Ende. Grenzwächter schicken das Team wieder weg. Wie die Geflüchteten doch noch in Sicherheit kommen, erfährst du im zweiten Teil der Reportage.
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Quelle: TeleZüri

«Wir dürfen am Zoll nicht stehenbleiben. Dieser ist keine 100 Meter von uns entfernt», sagt einer der drei Carchauffeure, die das Team an die Grenze zwischen Ungarn und der Ukraine gefahren haben. Über 60 Flüchtende sollten sie hier abholen. Wann diese ankommen, weiss niemand im Team genau. Erst um Mitternacht erhält der St.Galler Marco Ecknauer, der Koordinator der Rettungsaktion, einen hilfreichen Anruf. Erste Geflüchtete sind auf dem Weg.

«Kinder haben sogar gelacht»

Dann geht es Schlag auf Schlag. Mit Shuttelbussen werden die Geflüchteten auf die ungarische Seite der Grenze gefahren. Hauptsächlich sind es Frauen mit kleinen Kindern. Aber auch ältere Menschen hoffen auf einen Platz in Marco Ecknauers Car. 62 Geflüchtete werden mit dem Reisecar schlussendlich gerettet. «Ich glaube, dass alle glücklich sind. Es gab sogar Kinder, die schon gelacht haben. Das ist schön», sagt Ecknauer, der selbst während 30 Jahren in Kiew gelebt hat.

«Weiss nicht, wann ich meine Eltern wiedersehen werde»

Auch wenn die Freude über die Rettung bei den Geflüchteten gross ist, das Erlebte sitzt ihnen tief in den Knochen. So auch Nataliia Tsyba, Krankenpflegerin aus Kiew, die mit ihrer Tochter auf der Flucht ist: «Wir mussten viel zurücklassen. Kleidung, Erinnerungen aus der Vergangenheit. Wir haben mitgenommen, was uns in die Hände gekommen ist. Wir wollten nur noch weg. Meine Eltern musste ich zurücklassen, weil die Brücken auf dem Weg zu ihnen zerstört waren. Es tut weh und ich bin enttäuscht. Ich weiss nicht, wann ich meine Freunde und vor allem meine Eltern wiedersehen werde.»

«Hoffe, dass ich bald in die Ukraine zurückkehren kann»

Die 34-jährige Viktoriia Fridliand arbeitete in der Ukraine als Tierheimmanagerin. Auf der Flucht ist sie auf sich alleine gestellt: «Ich bin dankbar, dass ich in der Schweiz in Sicherheit sein werde. Ich hoffe aber, dass ich bald in die Ukraine zurückkehren kann. Ich habe die Hoffnung auf ein friedliches Leben. Niemand braucht den Krieg. Ich hoffe, dass alle Helferinnen und Helfer nicht aufgeben und uns helfen, zurück zum Frieden zu gelangen.»

Wie die Geflüchteten schliesslich in der Schweiz ankommen, siehst du am Donnerstag im dritten Teil der +41-Reportage.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 22. März 2022 19:43
aktualisiert: 23. März 2022 20:30
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